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Schleswig-Holstein Mit der Lokomotive durch den Garten
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07:00 16.03.2019
"Elsi" heißt die alte Diesel-Lok mit der Burkhardt Göttsche aus Fredesdorf auf 60 Metern Schiene über den eigenen Hof fahren kann. Sie ist nur ein kleiner Teil seiner großen Maschinensammlung. Quelle: Sönke Ehlers
fredesdorf

Laut ratternd erweckt Göttsche die Einheitskleinlokomotive "Elsi" zum Leben, Rauch steigt aus dem Schornstein auf. Mit dem Handrad legt Göttsche den Gang ein – und los geht’s mit 30 Kilometer pro Stunde über 60 Meter eigens verlegte Gleise vor seinem Haus.

Ausblick aus der Dusche in die Maschinenhalle

Göttsches Privatmuseum ist noch größer. Aus seinem Badezimmer heraus kann er durch ein Fenster in seine 800 Quadratmeter große Maschinenhalle gucken.

Hier stehen seine Schätze: Lkw, Straßenwalzen, sogar ein Kran und noch mehr Lokomotiven – ebenfalls auf Schienen. „Alles betriebsbereit, das ist ja keine Schrottsammlung“, betont Göttsche, der zu jedem seiner Fahrzeuge eine Geschichte erzählen kann.

Rangierlok „Gertrud“ ist „Elsis“ Schwester, zwei Jahre jünger ist „Jannika“. „Die sind alle bei der Reichsbahn gefahren“, sagt Göttsche. Und später in der DDR.

Nach der deutschen Teilung seien die alten Rangierloks in Westdeutschland in den 1950er und 1960er Jahren ausgemustert worden. „Die wurden alle verschrottet. In der DDR sind sie bis in die 1990er Jahre gefahren und erhalten worden.“

Technik vor der Verschrottung retten

Nach der Wiedervereinigung jedoch sollten auch diese Lokomotiven auf den Schrott. Dabei wollte vor allem Göttsches inzwischen verstorbene Frau Petra nicht tatenlos zusehen. Man könne so eine Lok doch auch retten, habe seine Frau damals vorgeschlagen, erzählt Göttsche, der sich der alten Technik verschrieben hat.

Nahezu sein ganzes Leben lang schraubt der gebürtige Hamburger an jahrzehntealten Fahrzeugen herum. Mit knapp zwölf Jahren zerlegte er seinen ersten Moped-Motor, sein erster Wagen mit 18 sei ein Lkw gewesen. Den ersten Oldtimer, eine Kaelble-Zugmaschine, kaufte der gelernte KfZ-Mechaniker mit 20 Jahren.

Warum also nicht auch eine Lok? Auf einem Bahnbetriebswerk in Parchim wurde das Paar 1997 fündig. Da standen sie, „Elsi“ und „Gertrud“. „Meine Frau und ich haben uns in die Augen geguckt, sie wollte ,Elsi’ und ich ,Gertrud’.“

Am Ende kauften sie beide. Knapp 10.000 Mark hätten die beiden Lokomotiven inklusive Transport nach Fredesdorf gekostet, erinnert sich Göttsche.

Kurz danach kam „Jannika“ dazu. „Die hatten Ostbahner in Angermünde vor dem Schrotthändler auf einem Abstellgleis hinter der Kantine versteckt.“ Nun kümmert sich Göttsche um die alten Diesel-Loks.

Gute alte Wertarbeit

Dass „Elsi“ auf eigenen Gleisen fährt, ist für Göttsche eher zur Unterhaltung für Gäste. „Bahnfahren ist langweilig, das kann man nicht beeinflussen.“ Göttsche geht es um die Technik und die Verarbeitung.

„In der Vorkriegszeit, das war noch echte Wertarbeit“, sagt Göttsche. Vieles danach sei in der Mangelwirtschaft entstanden. Und heute werde viel zu häufig Plastik verwendet. „Das ist doch Mist“, sagt der Sammler. Stahl – das sei es, was zähle.

Voller Stolz erzählt Göttsche die Details zu seinen Maschinen – ob Lok, Lkw oder Kran. 35 Tonnen wiegt der mobile FAUN, Baujahr 1964. „Der verbraucht 100 Liter auf 100 Kilometer“, sagt Göttsche. Er muss es wissen, regelmäßig bewegt er seine Maschinen bis ins Nachbardorf und zurück. „Sie sind alle auf ein Saisonkennzeichen zugelassen.“

Bis in den letzten Winkel ist Göttsches Halle zugestellt. In allen Ecken stehen Motoren, Felgen und andere Teile. Jahrelang verbrachte er jede freie Minute bei seinen Maschinen. Seit einem Herzinfarkt muss er kürzer treten. „Nur noch eine Sache am Tag.“ Großprojekte fange er deshalb nicht mehr an, wenn bei Ebay aber ein alter Traktormotor auftaucht, schlägt Göttsche immer noch gern zu. Er kann nicht anders. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, die Sachen zu haben.“

Von Nadine Materne

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