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Schleswig-Holstein Merz spaltet die Nord-CDU
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08:00 02.11.2018
Von Christian Hiersemenzel
Alles läuft auf eine Wahl zwischen Friedrich Merz (Foto) und Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hinaus. CDU-Vertreter im Norden bewerten beide höchst unterschiedlich. Quelle: Wolfgang Kumm
Kiel

Wer greift nach dem Parteichefposten der CDU - und erhebt damit Anspruch auf die Kanzlerschaft? Nach dem angekündigten Rückzug von Angela Merkel hatten sich in dieser Woche im Wesentlichen drei Kandidaten in Stellung gebracht: Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (56), von allen nur AKK genannt, Ex-Fraktionschef Friedrich Merz (62) und Gesundheitsminister Jens Spahn (38).

Doch selbst Ingo Gädechens gab seine öffentliche Unterstützung für Spahn inzwischen auf. Der Lensahner hat seine Abgeordnetenräume in der Berliner Wilhelmstraße 65 auf demselben Flur wie Spahn. Doch ein Werbe-Eintrag zugunsten des Büronachbarn auf Facebook ist inzwischen gelöscht. Parteifreunde hätten ihm ordentlich Dampf gemacht, heißt es. Stattdessen postete Gädechens eine Grafik: Unter den 1001 Delegierten zum Bundesparteitag kommen 47 aus Schleswig-Holstein.

Günther wägt noch ab

Darunter ist auch Landeschef Daniel Günther, der zu Merkels treuesten Verbündeten zählt. Er soll sich bislang für Kramp-Karrenbauer ausgesprochen haben, nach Einschätzung enger Weggefährten aber Merz inzwischen offener gegenüberstehen. Offiziell will sich Günther vor der Klausurtagung des Bundesvorstands an diesem Sonntag nicht äußern. Andere werden deutlicher. „Ich fände es gut, wenn Deutschland weiterhin von einer Frau regiert würde“, sagte Katja Rathje-Hoffmann, Fraktionsvize und Landeschefin der Frauen-Union. „AKK ist pragmatisch orientiert und arbeitet im Team. Sie wird es schaffen, die CDU für Männer und Frauen zu modernisieren.“

Auch Tobias Loose, Landeschef der Jungen Union, steht Merz eher skeptisch gegenüber. Steuererklärung auf einem Bierdeckel, Leitkulturdebatte? Vor 14 Jahren habe er dies alles gut gefunden. „Aber der Merz von damals mit seiner auf Ökonomie ausgerichteten Politik muss erst noch beweisen, dass er auch ins Jahr 2018 passt.“

Merz-Befürworter aus der Wirtschaft

Michael von Abercron bewertet das ganz anders. Der Pinneberger Bundestagsabgeordnete gehört zu den Merz-Befürwortern. „AKK ist hochintelligent. Aber wir brauchen jemanden mit einer souveränen, guten Ausstrahlung, der breite Bevölkerungskreise anspricht.“ Und dass Merz seit Jahren als erfolgreicher Manager arbeitet, werte er als Vorteil. Was Bertram Zitscher vom CDU-Wirtschaftsrat nur unterstreichen kann. „Merz hat Erfahrung auf dem internationalen Parkett, Einfluss und einen gewissen Abstand zum politischen Geschäft. Vor allem aber signalisiert er: Da verändert sich etwas.“

Arp: "Einmalige Chance"

Hans-Jörn Arp, Parlamentarischer CDU-Geschäftsführer, bezeichnet die bevorstehende Wahl als einmalige Chance. „Endlich haben wir wieder eine Personaldiskussion, bei der es zugleich um eine Richtungsentscheidung geht. Das gab es bei uns zuletzt 1973 zwischen Rainer Barzel und Helmut Kohl.“

Thomas Stritzl, CDU-Kreisvorsitzender in Kiel, ist mit seinen Überlegungen "noch nicht am Ende". Ob allerdings mit der Wahl von Friedrich Merz ein stärkerer Politikwechsel verbunden wäre als mit AKK? Inhaltlich sehe er vor allem Gemeinsamkeiten. "Aber Merz ist anders akzentuiert. Das könnte für die Union ein Gewinn sein."

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