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Schleswig-Holstein Der Fall Barschel lässt Wille nicht los
Nachrichten Schleswig-Holstein Der Fall Barschel lässt Wille nicht los
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07:00 10.02.2017
Von Bastian Modrow
Heinrich Wille ist überzeugt, dass Uwe Barschel ermordet worden ist. Quelle: Bastian Modrow
Lübeck

„Ich bin nicht nur ethisch, sondern auch fachlich enttäuscht“, sagt Wille. Ebenso wie die Hinterbliebenen von Uwe Barschel glaubt der heute 71-Jährige weiterhin, dass der ehemalige Ministerpräsident ermordet worden ist. Zahlreiche Aussagen in dem Sachbuch seien falsch oder rein spekulativ, so Wille.

 Am 11. Oktober 1987 war der Politiker leblos in einem Genfer Hotelzimmer gefunden worden. In seinem Buch erläutert Püschel umfangreich, dass es keinerlei Fakten gebe, die auf etwas anderes als einen Freitod hindeuten. Der Autor steht mit dieser Meinung nicht allein da: Im Februar 2016 hatte sich Püschels Vorgänger Werner Janssen in einem „Zeit“-Interview klar positioniert: „Es war ein Suizid. Für eine andere Annahme gab es keine Anhaltspunkte.“ 1987 hatte Janssen, damals Direktor des Hamburger Universitätsinstituts für Rechtsmedizin, im Auftrag der Angehörigen den Leichnam obduziert – gemeinsam mit zwei Oberärzten: Achim Schmoldt und Klaus Püschel, der erstmals 1993 öffentlich von Suizid gesprochen hatte. „Ich hätte mich gefreut, wenn er aus dem Vorgang gelernt hätte“, sagt Heinrich Wille heute.

Strafanzeige wegen Verletzung von Privatgeheimnissen

 Die Familie hatte Strafanzeige wegen Verletzung von Privatgeheimnissen erstattet. „Nachdem sich Janssen 2016 geäußert hatte, hat meines Wissens Barschels Bruder Eike erneut Anzeige erstattet“, sagt Wille. Er geht moralisch mit den Medizinern hart ins Gericht: „In all den Jahren haben wir als Ermittlungsbehörden den Fall mit Respekt und Menschenwürde behandelt. Bei diesen Publikationen vermisse ich die notwendige ärztliche Ethik.“ Wille unterstellt dem Rechtsmediziner, mehrfach falsche Angaben gemacht zu haben: „Püschel schreibt, der oberste Knopf von Barschels Hemd sei abgerissen gewesen. Das stimmt nicht, es war der zweite.“ Auch die Angabe, vor der Reise nach Genf habe Barschel mit seiner Familie auf Gran Canaria gemacht, sei ungenau. „Er war nur mit seiner Frau dort, die Kinder waren in Genf“, sagt der Lübecker Jurist. „Was soll man von der Glaubwürdigkeit eines Autoren handeln, wenn selbst solche Details schon unkorrekt sind und der Autor an einer Stelle selbst behauptet, dass er mit seinen Kollegen über die Todesursache philosophiert habe?“

Der Ex-Oberstaatsanwalt ist überzeugt, dass Barschel mit einer Flüssigkeit getötet worden ist – und nicht mit Tabletten, wie Püschel annimmt. „Wie kann ein renommierter Rechtsmediziner aus Hamburg, für den K.-o.-Tropfen nicht unbekannt sein dürften, so verblendet sein, allein Tabletten in Betracht zu ziehen?“ Dafür gebe es keine Beweise. Und: „Den im Buch mehrfach angeführten Medikamenten-Cocktail hat Püschels damaliger Kollege Achim Schmoldt mir gegenüber 1998 als sachlich falsch bezeichnet.“

 Püschels Verlag will auf Nachfrage nichts von einem Bruch der Schweigepflicht wissen. Es seien ausschließlich Details des Falls aufgearbeitet worden, die der Öffentlichkeit bereits bekannt gewesen sind. Wie die Familie mit der jüngsten Veröffentlichung verfahren will, „darüber wird sich sicher der Anwalt nun Gedanken machen“, sagt Wille.

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