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Schleswig-Holstein Ministerpräsident hilft seinem Onkel
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10:00 20.10.2018
Von Anne Holbach
Manfred Bartsch (links oben) organisiert regelmäßig Radsportveranstaltungen in Schleswig-Holstein und fährt bei Querfeldeinrennen mit. Seine Sportbegeisterung teilt er mit seinem Neffen Daniel Günther, der schon mal für ihn zum Hörer greift, wenn es Probleme gibt. Quelle: Carsten Rehder, Jürgen Griese | Montage: Lina Schlapkohl
Büdelsdorf/Kiel

„Ich möchte darauf hinweisen, dass ich mit Daniel Günther verwandt bin. Ein Anruf, und die Veranstaltung wäre genehmigt“, soll Bartsch Ende September nach der Entscheidung im örtlichen Ausschuss für Bildung, Familie und Freizeit gesagt und dabei vielsagend mit dem Finger geschnippt haben. Sein Neffe habe ihm zuvor schon zwei andere Veranstaltungen „gerettet“, wird Bartsch zitiert. Diese Worte seien im Herausgehen gefallen, wohl aus Wut über die verweigerte Genehmigung.

Zum vierten Mal wollte die Sportgemeinschaft Athletico Büdelsdorf das Cyclocross-Radrennen am 18. November im Eiderstadion und dem benachbarten Wald ausrichten. Doch die Stadt lehnte aus Umweltschutzgründen ab.

Ausschuss fühlte sich nicht unter Druck gesetzt

Für den Büdelsdorfer Gerhard Schachtner, der als Zuhörer zu der öffentlichen Sitzung gekommen war, klang die Aussage von Bartsch nach Erpressung: „Er hat versucht, die Stadt unter Druck zu setzen.“ Für ihn hat die Geschichte einen üblen Beigeschmack: „Ich kriege den Ministerpräsidenten nicht einfach so zu fassen und kann ihn für meine Zwecke einspannen.“

Unter Druck gesetzt habe sich niemand gefühlt, sagt Arvid Hagge, Vorsitzender des Ausschusses. „Wir waren alle eher verdutzt, als Herr Bartsch damit um die Ecke kam“, sagt der CDU-Politiker. „Ich habe gesagt, es sei ja schön und gut, dass er mit dem Ministerpräsidenten verwandt sei. Aber die Entscheidung treffen wir hier in Büdelsdorf!“

Stadtverwaltung befürchtete Schäden im Wald

Das Radrennen hatte laut Verwaltung im Vorjahr wegen der nassen Wetterlage starke Schäden an den Wanderpfaden verursacht. Die Stadt befürchtete bei einer Neuauflage des Rennens Schäden, die mit „nicht zu vertretenden Beeinträchtigungen der Waldfunktion verbunden wären“.

Veranstalter spricht von "friedlichem, naturverbundenen Rennen"

Bartsch erzählt, wie er 2017 stundenlang mit einem Rechen durch den Wald gegangen sei, um die Wege von Reifenspuren zu befreien. „Ich habe den Wald picobello hinterlassen.“ Deswegen sei er aus allen Wolken gefallen, als es hieß, dass er dieses Jahr keine Genehmigung bekommen könne. „Ich dachte, mit ein paar netten Gesprächen lässt sich das hinbiegen. Das ist ja ein friedliches, naturverbundenes Rennen.“

Doch ihm sei plötzlich breiter Widerstand entgegengeschlagen. Die Lage habe sich aussichtslos angefühlt, so Bartsch. „Da griff ich zu meiner Trumpfkarte.“ Die hieß: Daniel Günther.

Bartsch rief bei seinem Neffen an

Er habe seinen Neffen, den Sohn seiner verstorbenen Schwester, angerufen und gefragt, ob Sportminister Hans-Joachim Grote (CDU) helfen könne. Das sei schon Wochen vor der Ausschusssitzung gewesen. „Ich habe ihn als Ministerpräsidenten eingeschaltet, nicht als meinen Verwandten, weil hier ein sportliches Großereignis im Land gecancelt wird“, betont Bartsch. Günther habe geantwortet, dass er der Stadt keine Weisung erteilen dürfe, aber er könne einmal versuchen, mit den Verantwortlichen zu sprechen.

Der Ministerpräsident griff auch zum Telefon

Günther bestätigt auf Anfrage das Gespräch mit seinem Onkel. Er habe zunächst den Chef der Staatskanzlei Dirk Schrödter gebeten, den Sachstand zu erfragen. Dann habe er sich persönlich in zwei Telefonaten mit der Büdelsdorfer Bürgervorsteherin Maike Wilken (CDU) und mit Bürgermeister Rainer Hinrichs (parteilos) die Lage schildern lassen und nach möglichen Lösungen erkundigt.

Regierungssprecher: "Es gab keine Vorzugsbehandlung"

Hätte sich Günther auch eingeschaltet, wenn kein Verwandter betroffen gewesen wäre? „Als Mensch und Politiker, der sich für Sport begeistert, wäre Daniel Günther in jedem Fall aktiv geworden, um mindestens die Möglichkeit einer Genehmigung im Rahmen geltenden Rechts auszuloten“, sagt Regierungssprecher Peter Höver. Eine Vorzugsbehandlung habe es nicht gegeben. „Im Übrigen können sich Verwandte des Ministerpräsidenten darauf verlassen, dass er sie nicht schlechter behandelt als Menschen, die nicht mit ihm verwandt sind.“

Radrennen findet woanders statt

Im Fall Büdelsdorf hat die Intervention aus dem Landeshaus am Ende übrigens nichts genützt. Die Cross-Radfahrer müssen im November an einem anderen Austragungsort an den Start gehen – dem Kolonistenhof in Neu Duvenstedt.

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