Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Den Sternen so nah
Nachrichten Schleswig-Holstein Den Sternen so nah
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 08.05.2017
Von Heike Stüben
Erhebender Anblick: Nachts sind im Himmel über Møn mehr als 5000 Sterne zu erkennen. Quelle: Thomas Ix

Davon hat sich die internationale Dark Sky Association überzeugt: Deshalb wird sie Møn und ihre kleine Schwester Nyord zum Dark Sky Park und zur Dark Sky Community ernennen. Eine Auszeichnung, die in Zeiten zunehmender Lichtverschmutzung eine sichtbar umweltbewusste Haltung honoriert.

 Natürlich, sagt Susanne Nøhr von der Bed&Breakfast-Unterkunft Tiendegaarden, war den Inselbewohnern schon immer klar, dass der Sternenhimmel über Møn besonders eindrucksvoll, besonders nah war. „Ein echtes Sternenmeer. Man fühlt sich eins mit dem Universum. Das ist ein ganz starkes Gefühl.“ Sowohl das größere Møn mit seinen berühmten Kreidefelsen Møns Klint wie auch die kleine Schwester Nyord, die über einen Damm zu erreichen ist, sind weitgehend frei von Lichtverschmutzung – nachts bietet der Himmel dort erhebende Anblicke: So sind dort mehr als 5000 Sterne zu erkennen, in der Großstadt Kopenhagen sind dagegen gerade einmal 100.

 Aber erst, als so viele Besucher gezielt im Winterhalbjahr kamen und die klaren Nächte draußen verbrachten, wurde allen bewusst, dass der Nachthimmel ein Schatz war, den es zu bewahren galt – und der ideal zum naturnahen, sanften Tourismus passte. Eine Gruppe Enthusiasten machte sich schlau und stieß auf die International Dark Sky Association (IDA). Eine Vereinigung, die sich seit 1988 dafür einsetzt, den natürlichen Nachthimmel sichtbar für jetzige und künftige Generationen zu erhalten. Denn das ist an vielen Orten der Welt nicht mehr möglich: Unzählige künstliche Lichtquellen strahlen ab und trüben den Anblick des Firmaments. Und nicht nur das.

Dunkelheit ist eine "unterschätzte Ressource"

 Die nächtliche Dunkelheit ist, so heißt es bei der IDA, eine wichtige und noch immer unterschätzte Ressource. Denn das Leben auf der Erde hat sich in Jahrmillionen an den Rhythmus von Helligkeit und Dunkelheit angepasst. Nicht ohne Grund empfehlen Mediziner für einen erholsamen Schlaf möglichst dunkle Zimmer und erst beim Aufwachen – wie in der Natur – ein langsam zunehmendes Tageslicht. Doch Tiere und Pflanzen haben keine Vorhänge, die sie zuziehen können. Tagaktive Tiere brauchen die Dunkelheit zum Regenerieren, nachtaktive Tiere für die Nahrungssuche, manche wie die Glühwürmchen sogar für die Fortpflanzung. Und Pflanzen benötigen den Rhythmus für die Fotosynthese.

 Aber die Inselbewohner fanden auch, dass die Betrachtung des Sternenhimmels als uraltes Kulturgut bewahrt werden sollte. Ohne die Beobachtung des Firmaments hätten unserer Ahnen Zeit und Jahresverlauf nicht bestimmen, ohne Sternenkunde nicht neue Länder und Kontinente entdecken können. Und noch heute ist die professionelle Astronomie wichtig für die physikalische Grundlagenforschung, weil sich am Himmel Vorgänge beobachten lassen, die man im Labor nicht nachstellen kann.

 Im kleinen Fischerhafen Klintholm Havn wurde dann an einem sternenklaren Abend im September 2014 das Ziel endgültig besiegelt – zu den Klängen von „Dark Side of the Moon“: Die Inseln wollten sich als Dark Sky Park zertifizieren lassen. Dazu musste jedoch überall die nächtliche Beleuchtung ausgeschaltet oder zumindest wie in der Handelsstadt Stege auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

 Aber es hat geklappt, freut sich auch Lea Weber von Visit Denmark: „In der 16-jährigen Geschichte der IDA sind Møn und Nyord die ersten Destinationen, die sowohl den Titel ‚lichtgeschützte Gemeinde‘, also Dark Sky Community, als auch den Titel ’Dark Sky Park’ gleichzeitig verliehen bekommen. Bisher gibt es weltweit nur 44 Dark Sky Parks, davon neun in Europa. Hinzu kommen 14 Dark Sky-Gemeinden.“ Im August sollen die Auszeichnungen mit Sternenglanz verliehen werden. Susanne Nøhr bietet schon einmal „Übernachtungen dicht an der Milchstraße“ an.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Rätsel um das Ende des einzigen noch existierenden U-Boot-Wracks aus dem Ersten Weltkrieg in deutschen Gewässern ist gelöst. Laut dem Kieler Unterwasserarchäologen Dr. Florian Huber sind zwei alte Tagebücher von dem 4. Maschinenmaat der UC 71 aufgetaucht.

Kristiane Backheuer 08.05.2017

Bei einer Messerstecherei am Lübecker ZOB ist am Sonntagnachmittag ein Mann schwer verletzt worden. Nach Polizeiangaben kam es gegen 17.50 Uhr zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen in der Hansestraße.

KN-online (Kieler Nachrichten) 07.05.2017

Die Mordkommission der Flensburger Polizei ermittelt derzeit in einem Tötungsdelikt auf der Nordseeinsel Föhr.

Günter Schellhase 07.05.2017