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Schleswig-Holstein Die besondere Karriere des Reinhard G.
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09:00 25.07.2018
Von Tamo Schwarz
Grund für gute Laune gab es für Reinhard Grindel während der Fußball-WM nur selten. Quelle: dpa
Kiel

Es wäre schön einfach, mitzuzeichnen an diesem Bild des typischen Sportfunktionärs, der alles ist außer sportlich. Ex-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping ist so ein Beispiel. Reüssierte eher nicht als Verteidigungsminister, wurde von Kanzler Schröder gefeuert und landete ehedem auf dem Sessel des Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer. Grindel mag auch so einer sein, der im Sportunterricht erst nach den Mädchen gewählt wurde. Das mit dem Fußball in der Jugend von Victoria Hamburg ließ er schnell wieder bleiben. Mittelfeld sowieso, Torwart mit Brille war auch schlecht. 1981 macht der Norddeutsche sein Abitur am Helene-Lange-Gymnasium in Eimsbüttel. Mitschüler sagen, er sei ein guter Schauspieler gewesen. Jedenfalls gab er den Teddy Brewster in „Arsen und Spitzenhäubchen“ überzeugend. Nach dem Ersten juristischen Staatsexamen 1988 dauert es nicht lange, bis Grindel als landespolitischer Redakteur beim jungen Privatsender Radio Schleswig-Holstein (RSH) in Kiel anheuert.

Grindel arbeitete bei RSH

Grindel arbeitet im damaligen RSH-Landesstudio im Landeshaus. Sein Nachrichtenchef: der heutige Chefkorrespondent Carsten Kock (60). Kock erinnert sich: „In seiner ersten Sendung meldete er sich aus dem ,NDR-Verkehrsstudio’, das hing ihm lange nach.“ Grindel wechselt schon im Folgejahr für RSH als Korrespondent nach Bonn, landet später über die Station Sat.1 beim ZDF, dessen Studios in Berlin (1997-1999) und Brüssel (1999-2002) er leiten wird. Grindel und sein Nachrichtenchef liefern sich so manche „fetzige Diskussion“ (Kock). Der heutige Chef des größten Sportfachverbandes der Welt will kontrollieren, entscheiden. „Wenn ein Beitrag zu lang war, wollte er selbst entscheiden, was rausgeschnitten wird. Er war anstrengend, aber bestimmt nicht unqualifiziert, dabei aber beratungsresistent mit einem hohen Maß an Eitelkeit und einem vorsichtigen Maß an Selbstüberschätzung. Er nahm sich wichtiger als er war“, sagt Kock.

"Sehr zielstrebiger Mann"

„Kein Leitwolf, eher solider Arbeiter, ein politischer Mensch mit Fähigkeiten im Knüpfen von Kontakten, flechten von Beziehungen.“ Ab und zu kreuzen sich Kocks und Grindels Wege noch einmal. Zum 30-jährigen Jubiläum des Kieler Senders 2016 – Grindel ist gerade zum DFB-Präsidenten gewählt worden – hatte er jedoch keine Zeit, sich am Telefon an seine Wurzeln zu erinnern. Kock: „Sein Büro hat uns abgewimmelt.“ RSH-Reporter Andreas Otto erinnert sich an einen „fairen Kollegen“. Grindel war Korrespondent im Landeshaus, Otto Jungredakteur. „Er hat mir einige Tricks und Kniffe gezeigt, mich sozusagen in das Geheimnis der Landespolitik eingeweiht“, sagt der beliebte RSH-Moderator. „Er war ein sehr zielstrebiger Mann. Es war schnell klar, dass Kiel kein Dauerstandort für ihn bleiben würde.“

Mit 17 Jahren in die CDU

RSH, Sat1, ZDF, Berlin, Brüssel – 2002 zieht Grindel, der schon mit 17 Jahren in die CDU eintrat, über die niedersächsische Landesliste in den Bundestag ein. In seiner Zeit als Abgeordneter zwischen 2002 und 2016 erntet er auch Kritik. Beispielsweise wegen seiner Doppelrolle als DFB-Schatzmeister und Mitglied des Sportausschusses. Interessenkonflikte begleiten seine Karriere. Vor seinem Wechsel an die Spitze des DFB gibt es warnende Stimmen. Grindel hatte im Bundestag unter anderem gefordert, dass sich junge Deutsche mit doppelter Staatsbürgerschaft für eine Nationalität entscheiden müssen.

Gegen den Widerstand der Profivereine

„Wir sind immer gut miteinander ausgekommen“, sagt der Kieler Hans-Peter Bartels, heute Wehrbeauftragter und selbst von 1998 bis 2015 für die SPD im Bundestag. Der Parlamentskollege sei „witzig, klug, kompetent“ gewesen. „Ich mochte ihn schon als Korrespondent aus Brüssel. Er ist spät eingestiegen in die Politik und hätte sicher mehr gekonnt.“ Doch Quereinsteiger Grindel wurde – mit den Stimmen der Landesverbände – 2016 zum mächtigsten Mann im DFB gewählt. Gegen den Widerstand der Profivereine. Er habe die Integrationspolitik nun so ziemlich in den Graben gefahren, sagt Mesut Özil. Sogar von Rassismus ist die Rede. Und Reinhard Grindel, der ehemalige Radiomoderator, schweigt.

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