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Schleswig-Holstein Mit der Lizenz zum Brennen
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08:00 07.12.2018
Von Hans-Jürgen Schekahn
In den blauen Fässern gären 750 Kilo Quitten für den ersten Obstbrand der Destillerie Gottesgabe. Friedrich und Gudrun Grimm freuen sich über den Erwerb der Brennrechte. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
Giekau

In zehn blauen Fässer gärt die erste Quittenmaische in den Betriebsräumen. Der Zucker der Früchte verwandelt sich in Alkohol. Wenn der erste Obstbrand aus Gottesgabe in die Flasche kommt, liegt der Gehalt bei 40 Prozent. Die Destillerie stellt seit 2002 feine Liköre und Geiste aus frischen Früchten her. Der Alkohol in diesen Getränken stammt aber nicht aus eigener Gärung, sondern wird dazugegeben. Beim Obstbrand kommt das Hochprozentige aus dem eigenen Fruchtzucker.

In Süddeutschland gibt es Tausende dieser Brennereien

Abfindungsbrennereien gibt es zu Tausenden in Süddeutschland. Seit mehr als 100 Jahren dienen sie dazu, dass kleine Bauernhöfe aus ihrem Obst eigenen Schnaps brennen und verkaufen können.

Die Geschichte der Brennrechte für Giekau begann vor zehn Jahren mit einer Diplomarbeit von Tochter Julia Seeliger, die zusammen mit ihrem Mann Axel den Betrieb übernehmen wird.

Die Agrarbiologin entdeckte zufällig in einer Tabelle aus dem Jahr 1919, dass Schleswig-Holstein ein Recht für eine einzige Abfindungsbrennerei bekommen hat. Wer dieses einzige Brennrecht im Norden vor 100 Jahren besaß, weiß heute niemand mehr. Nur eines wusste Gudrun Grimm: „Das wollte ich natürlich haben.“

Antrag zog sich über Jahre

Als sie ihren Antrag beim Hauptzollamt in Kiel einreichte, schüttelten alle ungläubig den Kopf. Der Antrag  beschäftigte das Bundesfinanzministerium, die Bundesmonopolverwaltung, das Hauptzollamt Stuttgart und sogar den Bundesfinanzhof in München. Den Durchbruch brachte erst der Wegfall des Brandweinmonopols Ende 2017. Ende November 2019 hielt Gudrun Grimm die Genehmigung in ihren Händen.

Gutes Quittenjahr

Der Zeitpunkt passte. 2018 trugen die Quittenbäume der Destillerie Gottesgabe, benannt nach einem Ortsteil von Giekau, eine richtig große Ernte. 750 Kilogramm der Früchte wuschen die Grimms einzeln, viertelten und zerschredderten sie zu einer Maische. Nächstes Jahr ist der Brand fertig und geht nach einer Reifezeit in den Verkauf.

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