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Schleswig-Holstein Kritiker: Ein Affront für Meeresschützer
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12:30 27.10.2018
Von Heike Stüben
Karmenu Vella ist seit 2014 EU-Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei. Quelle: Olivier Hoslet/dpa
Kiel

Mit dem Deutschen Meerespreis zeichnen das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und die Deutsche Bank Persönlichkeiten aus, „die sich durch ein besonderes Engagement für den Erhalt, Schutz oder die Vermittlung von Wissen um und über die Meere verdient gemacht haben“.

Greenpeace: "Meeresschutz sieht anders aus"

„Mit dieser Begründung den Preis an den EU-Kommissar zu vergeben, ist ein Affront gegen all jene, denen es ernst ist mit dem Meeresschutz“, kritisiert Thilo Maack, bei Greenpeace zuständig für Fischerei und Fischereipolitik. Für ihn sind die jüngst vergebenen Fangquoten für die Ostsee ein Beleg dafür, wie wenig der Erhalt und der Schutz der Meere dem Kommissar am Herzen liege: „Seine Generaldirektion hatte deutlich höhere Fangquoten empfohlen als es die Wissenschaft empfiehlt. Außerdem lässt sie es geschehen, dass Deutschland die verpflichtenden Vorgaben der Natura-2000-Richtlinie zum Meeresschutz nicht umsetzt – tausende ertrunkene Seevögel und Schweinswale sind die Folge. Bei allem Respekt, Meeresschutz sieht anders aus.“

Stefanie Sudhaus, Meeresbiologin beim BUND, sieht die Würdigung durch den Meerespreis ebenfalls sehr kritisch. „Im Bereich Fischerei ist es durch jahrzehntelange Misswirtschaft und Überfischung zum Zusammenbruch ganzer Populationen gekommen. Durch die Arbeit unter anderem seiner Vorgängerin Maria Damanaki war in diesem Bereich endlich ein nachhaltiger Ansatz erkennbar. Davon ist seither nichts mehr zu spüren.“ Auch Kim Detloff, promovierter Meeresbiologe und Leiter Meeresschutz beim Nabu, sieht Vella eher als Verfechter der Blue Economy, des maritimen Wirtschaftswachstums - denn als Vertreter für Schweinswal, Thunfisch, Eisente & Co.

Geomar-Direktor: "Kein Zweifel an Preiswürdigkeit"

Aus Sicht von Geomar-Direktor Prof. Peter Herzig, der Vella „persönlich und ohne jeden Druck der Deutschen Bank vorgeschlagen“ hat, hat sich der EU-Kommissar hingegen „intensiv für die nachhaltige Nutzung und den Schutz der Weltmeere eingesetzt“, besonders für die Eindämmung illegaler Fischerei und die Ausweisung neuer Meeresschutzgebiete. „Ich habe keinerlei Zweifel an der Preiswürdigkeit des Kommissars.“

Karmenu Vella verweist an den Sprecher der EU-Kommission Enrico Brivio, der ihm einen erfolgreichen Einsatz für die Meere bescheinigt: „Die Zahl der Fischbestände, die auf nachhaltigem Niveau gefischt wurden, ist seit Beginn seiner Amtszeit von Jahr zu Jahr gestiegen.“ 2018 unterlägen zwei Drittel der Fische im Atlantik und in der Nordsee nachhaltigen Fangbeschränkungen.

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