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Schleswig-Holstein Experte: Wer Steine wirft, tut's wieder
Nachrichten Schleswig-Holstein Experte: Wer Steine wirft, tut's wieder
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07:00 04.10.2018
Von Bastian Modrow
Ende September wurden auf der B 205 zwischen Rickling und Neumünster Lkw mit Gegenständen - womöglich mit Steinen - beworfen. Quelle: Daniel Friederichs/Danfoto
Bad Segebeg

Von einer Serie wollen Ermittler zwar noch nicht sprechen, allerdings weisen zumindest die jüngsten sechs Fälle eine entscheidende Parallele auf. Jedes Mal waren Lastwagen Ziel der Angriffe. Anfang August flogen die ersten Steine nachts von einer Brücke auf Fahrzeuge, die auf der Autobahn 21 unterwegs waren. Ob es einen Zusammenhang mit den Fällen auf der Bundesstraße 205 und der Kreisstraße 111 zwischen Rickling und Neumünster gibt? Die Kripo ermittelt, heißt es von der Polizeidirektion in Bad Segeberg. Unter Berufung auf "ermittlungstaktische Gründe" hält sich der Behördensprecher aber bedeckt.

Die Polizei setzt alles daran, den oder die Unbekannten zu stellen. Aus gutem Grund, wie der Bremer Kriminalpsychologe Prof. Dietmar Heubrock erläutert. "Täter, die einmal Steine oder andere Gegenstände von Brücken auf Fahrzeuge werfen, stehen unter Wiederholungszwang", sagt der Direktor des Instituts für Psychologie und Kognitionsforschung (IPK) der Universität Bremen. "Den Werfern geht es in erster Linie um Dominanz und die Macht über Menschenleben."

Die Ungewissheit, ob ein Wurfgeschoss sein Ziel verfehlt oder trifft und was in den Augenblicken danach geschieht, steigere den Nervenkitzel zusätzlich. Dass Menschen bei den unvermittelten Angriffen verletzt werden oder sogar sterben können, sei von den Tätern zwar nicht geplant, werde aber billigend in Kauf genommen. "Dass die Täter stets im Schutz der Dunkelheit zuschlagen, dass die Auto- und Lastwagenfahrer von dem Steinwurf überrascht werden, ist ein zusätzlicher Kick", sagt Heubrock, der seit Jahren über die Psychologie von Steinewerfern forscht. Die Täter seien stets männlich, Anfang bis Ende 20 und hätten meist ein geringes Selbstbewusstsein. "Es ist der klassische Loser, dessen Kernantrieb es ist, im Leben endlich einmal mächtig zu sein", sagt der 60-Jährige. In Vernehmungen bei der Polizei würden Verdächtige häufig als Motiv angeben, Frust gehabt zu haben. "Das ist aber nur vorgeschoben: Frust haben wir alle mal – und wir werfen trotzdem keine Steine auf Fahrzeuge." Die größte Gefahr sei, dass Werfer nicht nur klassische Wiederholungstäter seien, sondern die Wurfgegenstände immer größer werden würden.

Für Ulf Evert vom ADAC Schleswig-Holstein gibt es keine Entschuldigung für die Straftat: "Juristisch ist das Steinewerfen von Brücken nichts anderes als ein versuchter Mord, ganz sicher aber eine fahrlässige Tötungsabsicht", sagt Evert und drängt auf harte Strafen.

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