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Schleswig-Holstein Die Suche nach Deponien für AKW-Abfall
Nachrichten Schleswig-Holstein Die Suche nach Deponien für AKW-Abfall
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08:00 26.07.2018
Von Torsten Müller
Auch die Deponie Schönwohld der Stadt Kiel hat Umweltminister Robert Habeck im Blick für die Entsorgung von schwach radioaktiven Material aus Atomkraftwerken im Lande. Quelle: Torsten Müller
Kiel

Diese nur gering oder gar nicht radioaktiv belasteten Materialien sollen nach Auffassung der AG-Mehrheit auf geeigneten Deponien im Lande abgelagert werden. Dabei handelt es sich um Mineralwolle, Dachverkleidungen, die Asbest enthalten, oder Bauschutt, der nicht zur Wiederverwertung geeignet ist. Habeck kündigte an, dass die Deponien jetzt geprüft werden. Das Ergebnis solle Ende des Jahres vorliegen. Die Standortentscheidung werde sechs bis neun Monate danach fallen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) trug den Abschlussbericht nicht mit. Bürgerinitiativen und betroffene Gemeinden stemmen sich weiterhin vehement gegen die Deponierung vor ihrer Haustür.

Bis Ende 2021 soll das letzte AKW in Schleswig-Holstein vom Netz gegangen sein. „Für den Rückbau haben wir den Nachweis der Entsorgung zu erbringen“, betonte der Minister. Vor zwei Jahren hatte er für die sogenannten frei gemessenen Abfälle eine Entsorgungsvereinbarung präsentiert. Sie sah vor, das Material im Lande auf sieben Deponien der Klassen 1 und 2 einzulagern. Dazu gehörten die Deponie Schönwohld der Stadt Kiel in Achterwehr ebenso wie die in Damsdorf/Tensfeld und Großenaspe (Kreis Segeberg). In den Gemeinden brandete Habeck eine Welle des Widerstands entgegen. Nach gut zwei Monaten erklärte der Minister frustriert den Dialogprozess mit den Bürgern für gescheitert.

Stattdessen rief Habeck im Herbst 2016 eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben. Unter der Führung des Ministeriums diskutierten nichtöffentlich Vertreter der Entsorgungswirtschaft, der Kommunalen Landesverbände, der Umwelt- und Naturschutzverbände sowie der Betreiber von Atomkraftwerken. Standortgemeinden und Bürgerinitiativen waren ausgeschlossen. Erörtert wurden Entsorgungsoptionen wie der sichere Einschluss von Atommeilern, die Zwischenlagerung an deren Standorten, die Errichtung einer neuen Deponie sowie die Entsorgung außerhalb des Landes. Am Ende sollte nach Ansicht der AG-Mehrheit das Konzept „Deponie plus als akzeptanzfördernde Variante“ verfolgt werden.

Über einen Zeitraum von wohl zehn bis 15 Jahren geht es um bis zu 50 000 Tonnen Abfall. Im Fall des AKW Brunsbüttel, dessen Rückbau zuerst genehmigt werden soll, betrifft das schätzungsweise 9000 von insgesamt 300000 Tonnen Material. Zum Vergleich: Die Deponien im Land nehmen insgesamt jedes Jahr rund 750000 Tonnen auf.

Der BUND lehnt die Freigabe von radioaktiven Stoffen aus dem Betrieb der Atomanlagen grundsätzlich ab, selbst wenn diese nur sehr schwach strahlen. Nach Angaben von Rainer Guschel vom Landesvorstand strebt die Organisation an, das 10-Mikrosievert-Konzept bundesweit zu kippen. Zudem hätte er sich in der AG einen neutralen Moderator gewünscht. „Wir sollten Zeit finden, zu wirklich guten Lösungen mit voller gesellschaftlicher Akzeptanz zu kommen“, sagte Guschel.

Vor Ort stößt Habeck weiterhin auf Widerstand. „Die Chance zur Konsensfindung wurde vertan“, beklagen die Bürgerinitiativen Schönwohld und Harrislee in einer Erklärung. Habeck habe sich „kein Stück bewegt“. Wissenschaftlichen Kriterien sei bei der Bewertung der Entsorgungsvarianten nicht Rechnung getragen worden. Stefan Marxen (Schönwohld) kritisierte, dass das Ministerium über den Umweg der Arbeitsgruppe wieder das gleiche Entsorgungskonzept präsentiert habe wie 2016. Tragbare Lösungen seien nicht ohne Beteiligung der Öffentlichkeit zu finden.

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