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Schleswig-Holstein Die schwierige Suche nach einer Frau
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20:31 26.01.2017
Von Karen Schwenke
Er wäre auf seinen Spaziergängen manchmal lieber zu zweit: Der 40-jährige Hans-Ulrich V. wünscht sich eine Partnerin, weil ihm die Kommunikation mit anderen aber schwerfällt, lernt er nicht leicht neue Menschen kennen. Quelle: Sonja Paar
Kiel

Über Hans-Ulrich V. lässt sich viel Gutes berichten. Höflich und ehrlich ist er, zurückhaltend, aber durchaus freundlich. Er liebt das Familienleben, geht täglich spazieren und arbeitet gern im Garten. Hauptberuflich ist der 40-Jährige als Hilfskraft in einer Großküche beschäftigt, gilt dort als ordentlich und zuverlässig. Zu seinem Glück fehlt ihm nur noch eine Frau. Kein Problem, sollte man meinen. Für Hans-Ulrich schon. „Er hat eine leichte geistige Behinderung“, klären seine Eltern auf und seine Schwester ergänzt: „Für ihn ist es schwierig, Kontakt aufzunehmen, und es dauert, bis er mit anderen Menschen warm wird.“

 Fremden jedoch, die ihm begegnen, fällt die Einschränkung nicht auf. Man wird allenfalls im Gespräch stutzig, wenn Hans-Ulrich zwar korrekt, aber sehr einsilbig antwortet. Aber genau hier liegt das Problem: Hans-Ulrich ist zu fit für jede Behinderteneinrichtung. Einerseits ist er sehr selbstständig, andererseits gelingt ihm eben nicht alles allein. Daher lebt er auch bei seinen Eltern. Zum Beispiel brauche er Hilfe bei der schriftlichen Korrespondenz oder eben bei der Suche nach einer Partnerin.

 „Ich hätte gern eine Frau“, gesteht er und ergänzt: „Das ist mir wichtig.“ Und obwohl der Wunsch schon lange bestehe, wurde er bis heute nicht erfüllt. Wie auch? Frauen auf Hans-Ulrichs Augenhöhe lassen sich nicht über die üblichen Wege finden. Bei der Arbeit nicht und auch nicht beim Spazierengehen. Diskotheken meidet Hans-Ulrich sowieso und ein Freundeskreis fehlt komplett. Vor drei Jahren haben sich seine Eltern und die beiden Geschwister daher in die Partnersuche eingeschaltet. Doch was sie auch versuchten – von kommerziellen Partnerbörsen über Kontaktanzeigen in Zeitungen bis hin zu Partnervermittlungen für Behinderte – bisher blieb alles erfolglos.

 Die kostenpflichtige Partnerbörse schlug zwar mehrere Frauen vor, doch unter den Telefonnummern lief oft nur der Anrufbeantworter, und wenn eine Frau erreichbar war, dauerte das Gespräch nicht lange. „Ich werde diese Anrufe nicht mehr führen“, macht Hans-Ulrich eine klare Ansage. Ohnehin sei das Telefonieren nicht sein Ding, zeigt seine Schwester Verständnis. Besser sei bei ihm immer der persönliche Kontakt, obgleich ihrem Bruder allgemein die Kommunikation schwerfalle. Sie vermutet, er leide unter Autismus, doch eine genaue Diagnose wurde nie gestellt.

 Die einzig passende Partnervermittlung, auf die die Familie gestoßen war, ist speziell für Menschen mit Behinderung, befinde sich aber leider in Hamburg. Für die Eltern „zu weit entfernt“. Zuletzt hatte der 74-jährige Vater es noch einmal per Anzeige versucht: Zusammen mit seiner Schwiegertochter formulierte er eine Chiffre-Anzeige und schaltete sie in den Kieler Nachrichten: „Wir Eltern übernehmen die Initiative. Unser Sohn, 40 J., 1,78 m, 76 kg, schlank, blond, blaue Augen, berufstätig, findet keine passende Frau, deshalb auf diesem Wege“ hieß es darin. Zuvor hatte sich auf eine ähnliche Kontaktanzeige tatsächlich einmal eine Frau gemeldet, mit der Hans-Ulrich auch kurze Zeit liiert war. „Aber die beiden passten einfach nicht zusammen“, fasst die Schwester das Hin und Her der kurzen Beziehung zusammen.

 Im Grunde weiß die Familie auch, dass die üblichen Kontaktanzeigen in diesem besonderen Fall nicht zum Erfolg führen konnten: „Dafür sind die Anzeigentexte zu kurz. Wie soll man die ganze Geschichte erzählen?“ Daher haben sich die Familienmitglieder gemeinsam entschieden, mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit zu gehen. „Es wird doch weitere Familien geben, die ein ähnliches Problem haben wie wir. Es wäre doch schön, wenn man sich austauschen könnte, und wenn Hans-Ulrich darüber neue Kontakte knüpfen könnte“, hofft die 73-jährige Mutter. Der Vater wird konkreter: „Wir hoffen, dass sich Eltern melden, die für ihre Tochter einen Mann suchen. Unser Haus ist sehr groß, oben ist noch eine ganze Wohnung frei, dort könnte Hans-Ulrich mit einer Frau leben, selbst wenn sie ein Kind hat.“ Auf keinen Fall möchten die Eltern, dass ihr Sohn im Alter allein bleibt. Von seiner Schwester gefragt, ob er auch allein glücklich und zufrieden sei, nickt Hans-Ulrich spontan und strahlt: „Ja, aber mit Frau ist es noch besser.“

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