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Schleswig-Holstein "Conny" - ein echter Hingucker
Nachrichten Schleswig-Holstein "Conny" - ein echter Hingucker
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06:00 25.08.2018
Von Bastian Modrow
Keine Lok wie jede andere: "Conny" ist ein Stück Eisenbahngeschichte. Quelle: Frank Peter
Kiel

Lübeck, Kiel oder Hamburg – egal, in welchem Bahnhof die Diesellok mit einem lauten, durch Mark und Bein dringenden Quietschen der Bremsen einrollt, sie lenkt die Blicke auf sich. Nicht nur, weil sie einen Namen trägt und der Aufdruck „Westfrankenbahn“ nicht so recht zum Einsatz im echten Norden passt. „Guck mal, das ist eine ganz Alte, die sieht noch aus wie früher“, sagen die Älteren, während die Jüngeren das Smartphone für ein Selfie zücken. Conny ist ein Hingucker bei Pendlern und Reisenden und auf den Gleisen bundesweit eine der letzten Vertreterinnen ihrer Art.

Morgens, kurz nach halb sechs, in Lübeck. Nur wenige stehen an Gleis vier, als der Regionalexpress 83 nach Kiel einrollt. „Oh! Guten Morgen, Conny“, sagt einer der Wartenden als die Diesellok im Schritttempo an ihm vorbeirollt. Der Bänker auf dem Weg nach Eutin schmunzelt, bevor er in einem der Doppelstockwagen verschwindet. Ein älteres Paar rollert extra samt Trollies und Taschen an den äußersten Punkt des Bahnsteigs, um noch ein Foto von der Lok zu machen.

Volkard Scheumann kennt solche Augenblicke. Der Triebfahrzeugführer sitzt im Cockpit der Lokomotive, die innen wie außen an längst vergangene Eisenbahnzeiten erinnert. „Die Conny sticht ins Auge, weil sie noch das alte Logo der Deutschen Bundesbahn an der Front trägt und weil sie noch in den alten Farbtönen lackiert ist.“ Der Grundton nennt sich Sandweiß, dazu ein türkisgrüner Zierstreifen. Für die Älteren ist dies ein Stück Erinnerung. „Die Jungen kennen das gar nicht mehr, für sie ist es einfach nur anders.“

Die Lok 218 war einst Standard

Damals, als Scheumann seine Ausbildung als Maschinenschlosser bei der Bahn in Schleswig-Holstein begann, waren Loks wie "Conny" nichts Besonderes. „Die 218er-Maschinen waren Standard, robuste und verlässliche Hochleistungsmaschinen“, so der 51-Jährige. Er selbst sei beruflich mit den 3200 PS starken Dieselloks aufgewachsen. „Damals waren nur wenige Strecken elektrifiziert.“

Abfahrt in Lübeck. Scheumann und seine Kollegen Samuel Haack und Thomas Lemke, die zur Arbeit zur DB Regio nach Kiel wollen und lieber vorn als hinten mitfahren, schwärmen über die Multifunktionslok. „Sie war im Personen- ebenso wie im Güterverkehr einmalig.“ Heute gibt es nur noch etwa 40 der 84-Tonnen-Kolosse.

Wie "Conny" zu ihrem Namen kam...

In der Regel haben Lokomotiven nur Nummern, Namen tragen bestenfalls ICE oder regionale Triebwagen. „In diesem Fall gab es eine Ausnahme – diese Lok ist nach Conny Schneider benannt worden“, sagt Scheumann. So heißt die ehemalige Controllerin der Westfrankenbahn. „Sie hat sich sehr dafür eingesetzt, dass dieses Fahrzeug in der ursprünglichen Optik erhalten bleibt.“

Conny hat viele Fans. Im Internet wird jeder neue Einsatzort von „Trainspottern“ akribisch dokumentiert. Sogar eigene Websites haben Fans angelegt. „Neulich habe ich gesehen, wie Leute am Rand eines Feldes standen, um Fotos von Connys Vorbeifahrt zu machen“, sagt Scheumann und dreht kurz nach dem Passieren des Ascheberger Bahnhofs kräftig an dem, was der Laie als Lenkrad bezeichnen würde, für den Bahner aber ein Fahrschalter-Handrad ist. „Bis Preetz können wir Höchstgeschwindigkeit fahren, 140 Stundenkilometer“, erläutert er. 3000 Liter Diesel passen in den Tank, der Verbrauch für die Strecke Lübeck-Kiel liegt je nach Anzahl der angehängten Wagen bei bis zu 200 Litern Kraftstoff.

Zum Geburtstag zurück in den Norden

Kurz vor Kiel: Für Scheumann ist gleich Pause, „für Conny auch“, sagt er. Bleibt die entscheidende Frage, wieso die Lok überhaupt im Norden im Einsatz ist. „Weil wir nach dem Defekt einer anderen Ersatz benötigten und eine 218 aus der Reserve der DB Regio in Aschaffenburg angefordert haben“, sagt Samuel Haack, Verkehrsmanager der Bahn. Außerdem: „Diese Lok ist 1978 gebaut worden und damals im September in Lübeck in Dienst gestellt worden. Später ist sie an die Westfrankenbahn übergegangen. Zu ihrem 40. Geburtstag wollten wir Conny ermöglichen, noch einmal in ihre Heimat, nach Hause zu kommen“, so Haack. Eisenbahner-Romantik am frühen Morgen. Es ist fast halb acht, als der RE in Kiel einrollt. Die ersten Kameras warten schon.

Innen und außen erinnert die Lok Conny an längst vergangene Eisenbahnzeiten.
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