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Schleswig-Holstein Windmühlen bringen den Wohlstand
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05:01 21.04.2018
Von Kristiane Backheuer
Windpark bei Norderwöhrden in Dithmarschen. Quelle: Ulf Dahl
Neudorf

85 Kilometer von Kiel entfernt, kurz hinter Heide, liegt Norderwöhrden. Ein 300-Einwohner-Ort im Landkreis Dithmarschen. Schon von Weitem sind die "Spargel" in der Landschaft zu erkennen. Hier lebt Johann Wilhelm Thomsen (86) auf seiner Hofstelle. Wenn er aus dem Fenster schaut, sieht er in 600 Meter Entfernung die rotierenden Windmühlenflügel. Ein Anblick, der ihn ganz und gar nicht stört. Direkt vor seiner Haustür wird seit Ende der 90er Jahre Windenergie gewonnen. Gerade wurden die 39 alten Mühlen "repowert", das heißt, sie wurden abgebaut und in diesem Fall durch 22 neue leistungsstärkere ersetzt.

Im Wohnzimmer von Johann Thomsen hängen die Fotos seiner Vorfahren an den Wänden. Der Dithmarscher Boden sorgte schon immer fürs Einkommen der Familie. Auf den Äckern wachsen Weizen, Raps, Zuckerrüben und Kohl. Rund 40 Hektar gehören zum Hof, den er schon vor einiger Zeit an seine Kinder überschrieben hat.  "Dass es eine Erderwärmung gibt, wissen wir alle“, sagt Johann Thomsen. „Und dass etwas dagegen unternommen werden muss, auch. Bei uns in Norderwöhrden ist man tätig geworden. Ich finde das richtig so."

Drei Hektar seiner Flächen hat er schon früh an einen Windmühlen-Eigentümer verpachtet. "Anfang der 90er Jahre haben wir hier im Ort viel über die Sache diskutiert", erzählt er. "Mir hat der umweltfreundliche Strom zugesagt.“ Er räumt allerdings ein: „Meine Heimat hat sich schon sehr verändert." Was er dabei empfinde? "Im Kaiserreich gab es ja auch schon Entwässerungsmühlen. In der Wilstermarsch standen damals 300 Stück. Aber wenn jeder denkt, klasse, aber nicht vor meiner Haustür, funktioniert das nicht."

50 Kilometer weiter Richtung Süden, in Neufeld bei Brunsbüttel, ärgert sich Bürgermeister Peter-Reimer Janßen über die oft einseitige Berichterstattung. "Wir stehen zur Energiewende und zur Idee einer CO2-neutralen Gesellschaft", sagt der 67-jährige Landwirt. "Unser Dorf hat kein Akzeptanzproblem. Wir beteiligen uns gerne am Klimaschutz."

In Neufeld machen bisher 18 Mühlen aus Wind Strom. Zwölf weitere sind in der Planung. "Damit es einer Gemeinde gut geht, muss man sich heutzutage etwas einfallen lassen." So hat er den Weg freigemacht für Investoren. "Mit 25.000 Euro konnten sich alle an den Mühlen beteiligen", sagt er. "90 Dorfbewohner machten mit."

Im Sinne des Dorfes sei die Entscheidung, auf Windenergie zu setzen, goldrichtig gewesen. Regelmäßig gebe es Ausschüttungen. So konnte eine Kita gebaut werden, der Schützenverein bekam ein neues Dach, der Bootsverein am Deich eine neue Toilette, ein Spielplatz wurde gebaut, Bänke im Ort wurden aufgestellt. "Uns geht es gut, seitdem wir den Wind haben", sagt Janßen. Ein zweites Neubaugebiet steht in den Startlöchern. "Die Leute wollen hier wieder herziehen."

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