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Kirche sperrt Unternehmer Stöcker aus

Empörung über Lübecker Kirche sperrt Unternehmer Stöcker aus

Der Wirbel um Winfried Stöcker hört nicht auf: Nach Informationen von KN-Online hatte der Lübecker Unternehmer bereits in einer Rede bei einem Weihnachtskonzert in einer Lübecker Kirche seine provokanten Thesen vor 300 Mitarbeitern vertreten. Der Gemeindepastor zieht nun Konsequenzen.

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Der Lübecker Unternehmer Winfried Stöcker sorgt weiter für Wirbel.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Lübeck. Empörung über Winfried Stöcker: Der Lübecker Unternehmer und Firmengründer des Medizinkonzerns Euroimmun hat nicht nur in einem Mitarbeiterbrief gegen die #metoo-Bewegung, gegen Flüchtlinge und Journalisten ausgeteilt. Nach Informationen von KN-Online hatte der 70-Jährige bereits in einer Rede bei einem Weihnachtskonzert in einer Lübecker Kirche seine provokanten Thesen vor 300 Mitarbeitern vertreten. Der Gemeindepastor zieht jetzt Konsequenzen: Stöcker darf keine Veranstaltungen mehr in der Kirche machen.

Rede bei Weihnachtskonzert war nicht vorgesehen

2016 hatte es erstmals ein Weihnachtskonzert in der Pilger- und Seefahrerkirche St. Jakobi gegeben. Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres gab es eine Fortsetzung. „Geplant war ein Weihnachtskonzert, das die Mitarbeiter von Euroimmun verantworteten“, bestätigt Pastor Lutz Jedeck auf Nachfrage von KN-Online. „Eine Rede von Herrn Stöcker war nicht vorgesehen.“
 Jedeck selbst habe die Rede nicht gehört, sei aber von der Küsterin nach der Veranstaltung auf die zweifelhaften Aussagen Stöckers hingewiesen worden. „Als ich den Blog zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich zuerst an eine Satire, bis ich erkannte, dass Herr Stöcker diese Dinge mit vollem Ernst sagt“, sagt Jedeck. Dem Theologen fehlt jedes Verständnis. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand, der ein derart erfolgreiches Unternehmen führt, im vollen Bewusstsein solche Dinge sagt, zumal dieses Unternehmen auch sozial sehr engagiert ist und eine ausgesprochen gute Mitarbeiterkultur hat.“

In einem persönlichen Brief an Stöcker stellt der Lübecker Pastor klar, dass derartige Aussagen „bar jeglicher persönlicher Moral und gesellschaftlicher Ethik“ seien.  „Sie offenbaren eine sehr problematische individuelle Moral und lassen gesellschaftliche Verantwortung vermissen“, so Jedeck zu KN-Online.

Konsequenzen: Kirchraum steht Stöcken nicht weiter zur Verfügung

Der St.-Jakobi-Pastor zieht Konsequenzen: Kirche sei zwar der Ort, der Menschen grundsätzlich nicht festschreibe, was er sagen und denken dürfe. „Durch diese Rede ist aber eine Grenze überschritten, sodass wir den Kirchraum nicht weiter zur Verfügung stellen werden“, sagt Jedeck. Und: „Ich entschuldige mich dafür, dass diese Worte in einer Kirche ausgesprochen werden konnten.“

Protest-Flashmob

In Lübeck wollen am Sonnabend ab 15 Uhr Vereine und Verbände zu einem Protest-Flashmob unter dem Motto „Stöcker – Shut Up!“ starten. Treffpunkt ist der Schrangen in der Lübecker Fußgängerzone. „Das rechtswidrige, frauenfeindliche und rassistische Weltbild des Herrn Stöcker erinnert zum Teil an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte und zeigt ein selbstherrliches und kleingeistiges Selbstbild“, sagt Katjana Zunft, eine der Initiatorinnen. Dies dürfe das „weltoffene Lübeck“ so nicht unwidersprochen stehenlassen. „Die Verharmlosung von sexueller Belästigung und Übergriffen, die Aufforderung zu zugreifen und deutsche Kinder zu zeugen, ist das widerlichste, was ich seit langem gehört habe.“

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