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Ökosystem Ostsee braucht dringend Hilfe

Experten schlagen Alarm Ökosystem Ostsee braucht dringend Hilfe

Überdüngung, Belastung durch Mikroplastik, Chemikalien und Krankheitserreger: Der Zustand der Ostsee ist schlechter als von der Öffentlichkeit bislang vermutet. "Sorgen bereiten die Einträge neuer Mikroschadstoffe und deren teils nicht bekannte Wirkungen", heißt es vom Kieler Umweltministerium.

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Unschönes Treibgut am Strand - noch gefährlicher für die Ostsee sind Mikroplastik und Medikamente.  

Quelle: pae: Uwe Paesler

Kiel. "Wir müssen jetzt handeln, um dieses Ökosystem zu erhalten", warnt Prof. Ulrich Bathmann, Direktor des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Die Verschmutzung der Ostsee mit Plastik und Mikroplastik habe "erheblich zugenommen". Eine wachsende Gefahr sei auch die Anreicherung von Medikamenten-Rückständen. "Endprodukte von Antibiotika, Herz-Kreislauf-Mitteln und Antidepressiva werden in Klärwerken nur unvollständig abgebaut und sind in den Küstengewässern bereits nachweisbar", so der IOW-Chef, der zu den führenden Ostseeforschern Europas zählt. Besonderes Kopfzerbrechen bereitet Wissenschaftlern, Naturschützern und der Politik, dass die Halbwertszeit vieler Schadstoffe länger ist als vermutet. Damit, so Bathmann, komme es zu einer Anreicherung von Chemikalien im System mit bislang unerforschten Konsequenzen.

Alarm schlägt auch die Meeresbiologin Stefanie Sudhaus, Leiterin der Arbeitsgruppe Ostsee beim BUND Schleswig-Holstein: "Die bisherigen Anstrengungen der Anrainerstaaten haben nicht dazu geführt, dass die Belastung der Ostsee durch Dünger, Plastikmüll und Chemikalien gesunken ist." Vielfach würden die Probleme eher zunehmen. So führe das wachsende Überangebot an Nährstoffen dazu, dass die sogenannten Todeszonen – tiefe Regionen ohne jeden Sauerstoff – sich immer weiter ausbreiteten. Das Fischsterben in der Eckernförder Bucht im September 2017 sei nur eine für Menschen sichtbare Folge des wachsenden Sauerstoffmangels.

Um einen Kollaps des Ökosystems Ostsee zu verhindern, so Bathmann, müsse die Politik deutlich stärker als bisher vorbeugend handeln. "Da hilft kein Aspirin. Da müssen wir an die Ursachen ran." Dringend erforderlich sei vor allem die Reduzierung des Stickstoff- und Phosphateintrags aus der Landwirtschaft.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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