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Schleswig-Holstein Mehr Kegelrobben denn je in der Ostsee
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17:46 23.04.2018
Bei Zählungen im Greifswalder Bodden und an der Greifswalder Oie seien in den vergangenen Tagen knapp 300 Tiere entdeckt worden. Quelle: Stefan Sauer
Stralsund

Vor der deutschen Ostseeküste sind im Frühjahr fast 300 Kegelrobben gezählt worden - so viele wie seit mehr als 100 Jahren nicht. Bei einer Ausfahrt zum Großen Stubber - einer Untiefe im Greifswalder Bodden - wurden rund 200 Robben gesichtet, wie der Kurator des Deutschen Meeresmuseums, Michael Dähne, sagte.

Auf der Insel Greifswalder Oie wurden nach Angaben der Wildtierstiftung WWF bei einer parallelen Zählung rund 90 Tiere entdeckt. Forscher und Umweltverbände werten dies als Indiz für weiter wachsende Robbenbestände an der südlichen Ostseeküste und fordern vom Land Mecklenburg-Vorpommern zügig einen Robbenmanagementplan. Vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste wurden in der Vergangenheit nur sehr vereinzelt Kegelrobben gesehen.

Fischer klagen über Robben

Die saisonale Zunahme der Robben sei ein weiteres wichtiges Signal, dass ein Robbenmanagementplan für die deutsche Ostseeküste dringend notwendig sei, sagte Florian Hoffmann vom WWF-Ostseebüro in Stralsund. „Mit der Rückkehr der Robben gehen Konflikte einher, die gemeinsam mit Fischerei und Naturschutz gelöst werden müssen.“

Unterstützung kam vom Landesverband der Kutter- und Küstenfischer. „Wir brauchen schnelle Lösungen. Aber das Land lehnt sich zurück“, sagte Vize-Verbandschef Michael Schütt. Die Robben sind Fischjäger. Fischer beklagen zunehmend zerrissene Netze und angefressene Heringe.

Kein akuter Bedarf für Managementplan

Das Schweriner Umweltministerium begrüßte die steigenden Robbenzahlen, sieht keinen akuten Bedarf für einen Managementplan. Eine Ministeriumssprecherin sagte, dass man zunächst die dreijährigen Untersuchungen des Rostocker Instituts für Fisch und Umwelt zu den Auswirkungen der Robben auf die Fischerei abwarten wolle. Erst auf dieser Grundlage könnten fundierte Aussagen zur Schadenshöhe getroffen und gegebenenfalls über Kompensationsmaßnahmen entschieden werden.

Die Zahl der Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste schwankt jahreszeitlich sehr stark. Spitzenwerte werden immer im März und April während der Heringslaichzeit gezählt. „Wir gehen davon aus, dass die sehr guten Nahrungsbedingungen auch skandinavische Tiere in die deutschen Ostseegewässer gelockt haben“, sagte Dähne.

Robben ziehen sich zurück

Im vergangenen Jahr wurden im Frühjahr nach Angaben Dähnes 150 Kegelrobben im Greifswalder Bodden gezählt, im Jahresmittel allerdings nur sechs Tiere. Ab Mai sinkt die Zahl der Meeressäuger an der deutschen Küste wieder drastisch.

Die Forscher nehmen an, dass die Robben sich dann - in der Zeit des Fellwechsels - in ruhigere skandinavische Küstengebiete zurückziehen. In diesem Jahr hatte die ruhige Witterungslage für gute Bedingungen zum Zählen der Meeressäuger gesorgt.

Robben galten an der Ostsee als ausgerottet

Die bis zu zweieinhalb Meter großen Säuger gelten seit etwa 100 Jahren an der Südküste der Ostsee als ausgerottet. Vor allem Abschussprämien hatten dafür gesorgt, dass der Tierbestand zwischen 1880 und 1920 vollständig verschwand.

Durch bessere Umweltbedingungen und den Schutz der Tiere stieg die Zahl der Kegelrobben in der gesamten Ostsee inzwischen wieder auf etwa rund 30 000 Tiere, davon leben rund 90 Prozent in der nördlichen Ostsee. Seit etwa 15 Jahren kehren die Kegelrobben langsam an die deutsche Küste zurück. In diesem Jahr wurden dort erstmals Robbenbabys entdeckt.

Meeresmuseum sieht Handlungsbedarf

Das Meeresmuseum beklagt, dass die Initiative des WWF für einen Robbenmanagementplan derzeit nicht durch das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt wird. Fischerei, Naturschutz und Wissenschaft seien sich einig, dass umgehend ein natur- und fischereiverträglicher Umgang mit den Tieren gefunden werden müsse.

Dies beinhalte auch die Frage einer möglichen Entschädigung für Fischer bei nachgewiesenen Schäden an Fang und Gerät durch Kegelrobben, sagte Dähne. Die Zählungen und die erstmaligen Geburten von Kegelrobben zeigten, wie groß der Handlungsbedarf jetzt sei.

Von dpa

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