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Schleswig-Holstein Vom Scheitern schön erzählt
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16:30 07.11.2018
Tobias Gürtler und Nele Süß sprachen bei der Kieler Fuckup Night über ihre Erfahrungen mit dem Scheitern. Quelle: fpr: Frank Peter
Kiel

"Ich glaube, ich kann dich nicht heiraten." Die Planungen für die Hochzeit waren schon vorangeschritten, als Nele Süß diesen Satz 2010 von ihrem damaligen Freund hörte. Mit dem Ende der Beziehung war für Süß auch die geplante Selbstständigkeit nicht mehr möglich. Im Nachhinein sagt sie: "Es ist mein großes Glück, dass die erste Hochzeit noch rechtzeitig geplatzt ist." Inzwischen ist sie selbstständig, mit einem anderen Mann verheiratet und betreibt mit diesem ein Seminarhaus im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Offener Umgang mit Fehlern

Süß spricht am Dienstagabend bei der "Fuckup Night", bei der Unternehmer von ihrem Scheitern berichten. Sechs Veranstaltungen gab es schon in Kiel. "Fuckup Nights" gibt es weltweit – in Schleswig-Holstein neben Kiel auch in Flensburg und Lübeck. "Scheitern ist nicht toll, aber man muss darüber reden können. Das schafft auch bei anderen Mut, um weiterzumachen", findet Maren Vokuhl, Gründungsberaterin bei der IHK Kiel. "Wenn man die Redner fragt, ob sie etwas anders machen würden, sagen viele, sie würden es genauso machen. Man lernt durch die Fehler sehr viel."

Konkurrenz durch Facebook zu groß

Der Kieler Softwareentwickler Tobias Gürtler betreibt seit 2003 das soziale Netzwerk "Willste quatschen?" (WQ). Was als Hobby begann, zog er 2007 mit Freunden neu auf. "Im ostsächsischen Bereich waren wir sehr erfolgreich." Der Zenit des Erfolges von WQ sei 2010 mit 250000 aktiven Nutzern gewesen.

Dann kam Facebook – WQ verlor an Bedeutung und brachte entsprechend weniger Geld ein. Er suchte sich einen Job in einem Unternehmen in Hamburg, lebte in Kiel. Nebenbei schrieb er ein Computer-Programm für einen Handwerksbetrieb. Daraus entwickelte sich ein neues Unternehmen, mit dem Gürtler sich erneut selbstständig machte. Sein soziales Netzwerk gibt es aber noch immer: "Inzwischen ist WQ für mich wieder das, was es am Anfang war – ein Hobby."

Von Jördis Merle Früchtenicht

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