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Schleswig-Holstein Lehrer fühlen sich allein gelassen
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08:06 16.11.2016
Von Jürgen Küppers
Auch Lehrer leiden zunehmend unter Gewalt. Quelle: Julia Stratenschulte/dpa
KIEL

„Trotzdem haben wir bei einer Abfrage an Schulen im Norden von ihnen die klare Rückmeldung bekommen: Gewalt gegen Lehrer gibt es auch bei uns, und Kollegen fühlen sich mit dieser Problematik total alleingelassen.“

 Wie berichtet, hatte der VBE auf Bundesebene bei einer repräsentativen Umfrage erschreckende Zahlen offenbart. Demnach wurden rund 45000 Lehrer schon einmal körperlich angegriffen. Fast ein Viertel der befragten Pädagogen berichtete von psychischer Gewalt gegen sie in Form von Bedrohungen, Beleidigungen, Beschimpfungen oder Mobbing. Aus den Zahlen der ersten Erhebung zu diesem Thema zog der VBE-Bundesverband den Schluss: An jeder zweiten Schule dürften Schüler gegen Lehrer schon einmal Gewalt angewendet haben.

 Die Ahndung solcher Attacken ist nach Einschätzung von Rüdiger Gummert in Schleswig-Holstein nicht geregelt. Eine entsprechende Anfrage des Landesverbandes an das Bildungsministerium zur rechtlichen Situation sei mit dem Hinweis auf „zu wenige Vorfälle“ ohne konkrete Antwort geblieben: „Was den Schutz der Lehrer und ihre Handlungsspielräume bei Gewaltattacken angeht, ist das Land total konzeptionslos.“

Maßnahmenkatalog für Schulen gefordert

 Deshalb setze sich der Landesverband für eine künftige Dokumentations- und Berichtspflicht im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements ein. So könnten genauere Zahlen zu physischer oder psychischer Gewalt erhoben und auf dieser Basis Handlungsmodelle entwickelt werden. Für andere Behörden habe der Beamtenbund einen solchen Maßnahmenkatalog inklusive rechtlicher Ahndungen von Gewaltattacken oder Beleidigungen schon durchgesetzt. „Das muss es jetzt auch für Schulen geben.“

 Für die von Gummert vermutete „enorm große Dunkelziffer“ solcher Übergriffe – zunehmend auch an Grundschulen – seien sogar Schulleiter mitverantwortlich. Laut entsprechender Rückmeldungen der dazu vom VBE befragten Lehrer bagatellisierten manche Schulleiter die Vorfälle, wenn sie entsprechende Berichte der Kollegen mit der Aussage abkanzelten: „So was gehört nun mal zu ihrem Job dazu.“

 Aus Sicht des VBE-Landesverbandes wird der Boden für physische Gewalt, Hass, Aggression und Angst auch durch eine zunehmende Verrohung von Sprache in sozialen Netzwerken sowie bei Umgangsformen im Alltag bereitet. Gummert: „Wir erleben Aggressivität, Hass, Geringschätzung, Diskriminierung, Beleidigung, Ausgrenzung in Wort und Handeln. Diese Verrohung des Umgangs miteinander wirkt sich auf unsere Kinder und Jugendlichen aus.“

 Dagegen will der VBE nun ein Zeichen setzen. Er nimmt das Manifest „Haltung zählt“ des Bayerischen Lehrerverbandes in seine bildungs- und gesellschaftspolitische Arbeit nach innen wie außen auf.

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