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Schleswig-Holstein Grippe ebbt ab, künftig Vierfach-Schutz
Nachrichten Schleswig-Holstein Grippe ebbt ab, künftig Vierfach-Schutz
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10:01 03.04.2018
Von Alev Doğan
Kassenpatienten hatten vor Beginn der Grippe-Saison nur eine Dreifach-Impfung erhalten. Wer gegen vier Virusstämme geschützt werden wollte, musste meist selbst zahlen. Quelle: Andreas Gebert/dpa
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Kiel

In der zu Ende gehenden Saison hatte die Grippe einen so schweren Verlauf wie seit Jahren nicht genommen. Laut Robert-Koch-Institut waren mehr als 19000 Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg erkrankt. 29 Menschen starben an den Folgen der Virus-Erkrankung.

„Was die gemeldeten Influeanza-Erkrankungen angeht, hatten wir den weitaus höchsten Stand, seit es das 2001 eingeführte Infektionsschutzgesetz gibt“, sagte Prof. Helmut Fickenscher, Leiter des Instituts für Viruserkrankungen am Kieler Uniklinikum. Er geht von deutlich mehr Erkrankungen aus, die nicht in der Statistik auftauchen. Der Mediziner schätzt, dass etwa jeder zehnte Schleswig-Holsteiner von der Grippe erwischt wurde.

Kassenpatienten erhielten nur Dreifach-Schutz

Kassenpatienten hatten 2017 vor Beginn der Saison nur eine Dreifach-Impfung erhalten. Wer gegen vier Virusstämme geschützt werden wollte, musste meist selbst zahlen. „Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer, aber ja: Hätte man den vierfachen Impfstoff in dieser Saison für alle genutzt, hätten deutlich mehr Patienten geschützt werden können“, so Fickenscher.

Denn: Der sich in dieser Saison so stark verbreitende Virus-Stamm, der sogenannte Yamagata-Stamm, war in dem Dreifach-Schutz nicht berücksichtigt, in dem Vierfach-Impfstoff aber sehr wohl. Den bekamen aber vornehmlich privat versicherte Patienten. Fickenscher sieht aber noch ein ganz anderes Problem: „Die Impfrate ist insgesamt so niedrig, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs die Ausbreitung der Epidemie kaum beeinflusst.“

RKI spricht sich für Vierfachschutz aus

Der Vierfachschutz soll dennoch nicht mehr infrage gestellt werden. „Wir sind europaweit das einzige Land, das sich klar dafür ausspricht. Und von dieser Empfehlung wird die Impfkommission nicht mehr abrücken“, erklärte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher den Kieler Nachrichten. Sie betonte, dass diese Entscheidung aber keine Reaktion auf den besonders schweren Verlauf der Grippe sei.

Bereits im Januar hatte das RKI seine Impfempfehlung aktualisiert und sich für die noch laufende Grippesaison für den quadrivalenten Impfstoff ausgesprochen. Auch die Kassen waren dem zum Teil gefolgt. „In medizinisch begründeten Fällen, konnte der Arzt auch den Vierfach-Impfstoff auf Kassenrezept verordnen“, erklärte AOK-Sprecher Kuschel. Der Vierfach-Schutz sei dann auch von der AOK Nord-West, TK, DAK und Barmer gezahlt worden.

Von Stephan Ures und Alev Dogan

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