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Stresstest für tausende Soldaten

Großübung in SH Stresstest für tausende Soldaten

Hunderte Fallschirme, Hubschrauber und Transall-Transportmaschinen über Schleswig-Holstein: Dieses Bild wird in den kommenden Tagen häufiger zu sehen sein. In einer multinationalen Übung trainieren Soldaten unter realistischen Bedingungen.

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Fallschirmjäger springen in der Nähe von Ahrenviölfeld aus einem Transall-Transportflugzeug.

Quelle: Carsten Rehder

Ahrenviölfeld. Wie riesige olivgrüne Pilze schweben die Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte an ihren Schirmen über die Weiten Nordfrieslands. Sie kommen schnell runter. Aus rund 400 Meter Höhe sind sie aus einer Transall gesprungen, fallen jetzt mit etwa sechs Metern pro Sekunde. Viel Spiel, den Fallschirm an einen bestimmten Platz zu steuern, haben die Elitesoldaten nicht. «Der Mann am Schirm kann kaum lenken. Der ist dem Wind ausgeliefert», sagt Oberstleutnant Tom Goeller. Im Norden nehmen an einer multinationalen Übung bis zum Freitag nächster Woche etwa 3500 Soldaten aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich teil.

Ein turbulenter Sprung

Bei der Landung werden einige Soldaten über den Boden geschleift, sie drehen sich - den Elementen ausgeliefert - hin und her. «Der Sprung war ein bisschen turbulent. Sehr windig heute. Die Landung war auch ein bisschen härter», sagt einer der Fallschirmspringer. Einige Männer verletzten sich auch. «Das kann schon mal passieren», sagt ein Soldat. Meistens seien es kleinere Blessuren.

Insgesamt landen an diesem Mittwochmittag rund 350 Fallschirmjäger auf den Feldern und Äckern rund um Ahrenviölfeld. In der Division Schnelle Kräfte sind sämtliche Fallschirmjäger, die Hubschrauber und das Kommando Spezialkräfte zusammengefasst. Auch eine niederländische Brigade ist der Division unterstellt.

Ein Nato-Staat wurde angegriffen

Rund zwei Jahre lang wurde die Großübung «Red Griffin/Colibri 50» vorbereitet, mit aktuellen politischen Entwicklungen hat sie nach Angaben der Bundeswehr nichts zu tun. Zu politische Fragen oder den aktuellen Vorkommnissen in der Bundeswehr will sich an diesem Mittwoch niemand äußern. Die Übung geht vor.

Oberstleutnant Goeller skizziert das Szenario in groben Zügen: Ein Nato-Staat wurde angegriffen, bestimmte Geländeteile sind vom Feind besetzt worden. Ein Bündnisfall. In den kommenden eineinhalb Wochen sollen unter anderem noch ein Flugplatz erobert, ein fiktiver Hafen eingenommen und europäische Zivilisten aus einer misslichen Lange befreit werden. Details will Goeller nicht nennen, denn die Soldaten selbst wissen auch noch nicht genau, was konkret auf sie zukommt. Wie im Ernstfall eben.

Treffen mit 300 Fernspähern

Die gerade auf der Wiese gelandeten Soldaten überprüfen, ob sie selbst oder Kameraden verletzt sind, räumen ihre Sachen zusammen, schultern Panzerfaust und Maschinengewehr. Die Gesichter sind zum Teil zur Tarnung grün geschminkt, einige schwitzen trotz der niedrigen Temperaturen. Sie sollen sich jetzt mit den rund 300 Fernspähern treffen, die bereits am Montagabend aus 3000 Meter Höhe abgesetzt worden waren und jetzt - für den Beobachter unsichtbar - in irgendeinem kleinen Wäldchen in der Nähe stecken.

Mit der Übung unter realistischen Bedingungen will die Division die multinational abgestimmten Einsatzverfahren überprüfen. Auch die Zusammenarbeit mit Luftwaffe und Marine sowie die Luftrettung von Verwundeten unter Kampfbedingungen sollen in den nächsten Tagen noch geübt werden.

Kein Alltag für die Soldaten

Solche Großübungen sei eben etwas anderes als der Alltag auf den Truppenübungsplätzen, heißt es bei der Bundeswehr. Der Stresslevel ist höher. «Das ist Adrenalin pur», sagt der Divisionskommandeur. Generalmajor Andreas Marlow ist am Vormittag mit dem Hubschrauber eingeflogen, um die Übung zu beobachten. Am Ende der kräftezehrenden, langen Übung werden die Soldaten sich «sicher gerne erholen wollen», sagt Marlow - dieser Prognose wird keiner widersprechen.

Von dpa

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