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Schleswig-Holstein Mutmaßlicher Messerangreifer in U-Haft
Nachrichten Schleswig-Holstein Mutmaßlicher Messerangreifer in U-Haft
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21:07 21.07.2018
Bei dem Angriff wurden zehn Menschen verletzt. Quelle: -/TNN/dpa
Lübeck

Der Mann, ein Deutscher iranischer Herkunft, schweigt nach Justizangaben weiterhin hartnäckig zu seinem Motiv.

Ihm werden auch gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung und versuchte besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am frühen Sonnabendnachmittag mit. Er soll am Freitag in einem Linienbus in Lübeck zehn Menschen zum Teil schwer verletzt haben. Zunächst habe der Mann in dem mit vielen Fahrgästen besetzten Bus einen Rucksack angezündet und anschließend mit einem Messer wahllos um sich gestochen haben. Fahrgäste überwältigten den Mann schließlich und übergaben ihn der Polizei.  

"Der Verdacht des versuchten Mordes hat sich aus den Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras in dem Bus ergeben, die noch am Freitagabend ausgewertet wurden", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst. Demnach habe der Beschuldigte den Bus in Brand setzen und dadurch möglichst viele Menschen verletzen wollen.

Tod billigend in Kauf genommen?

"Es besteht der Verdacht, dass er auch den Tod von Fahrgästen billigend in Kauf genommen hat, so dass wir von versuchtem Heimtückemord mit gemeingefährlichen Mitteln ausgehen", so Hingst. Zahlreiche Zeugenaussagen erhärteten diesen Verdacht. Auch die schwere Stichverletzung eines 21 Jahre alten Fahrgastes spricht nach Ansicht der Staatsanwaltschaft für versuchten Heimtückemord. Der junge Mann aus den Niederlanden wurde durch eine mehrstündige Notoperation gerettet, aktuell bestehe keine Lebensgefahr, hieß es.

Die Ermittler gehen indes weiter nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. "Wir haben keine Hinweise darauf, schließen aber weiterhin nichts aus und ermitteln in alle Richtungen", sagte Hingst. Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) hatte in einer Pressekonferenz am Freitagabend einen Terror-Hintergrund bereits ausgeschlossen.

Das Motiv des mutmaßlichen Messerstechers war auch am Sonntag noch unklar. "Er hat sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen geäußert", so Hingst. Anhaltspunkte für verminderte Schuldfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung habe man bislang nicht. Es sei aber ein psychiatrischer Sachverständiger beauftragt worden.

Kirche ruft zu Fürbitten auf

Vertreter der Evangelischen Kirche übermittelten den Verletzten Genesungswünsche und riefen zu Fürbitten für Betroffene und Helfer auf. "Ich bin bestürzt über den Gewaltakt – und zugleich in Gedanken und Gebeten bei allen, die bei dem Angriff verletzt wurden", sagte die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs. "Diese Tat verunsichert uns. Sie führt uns unsere Verletzlichkeit vor Augen."

Die Opferhilfe-Organisation Weißer Ring bot den Opfern, Angehörigen und Zeugen der Messerattacke Unterstützung an. "Niemand muss nach einer solchen Erfahrung alleine bleiben", sagte der amtierende Landesvorsitzende Jörg Ziercke. Die Mitarbeiter in Lübeck hörten zu und leisteten Beistand. Hilfe gebe es auch bei Behördengängen und Anträgen, zum Beispiel für Entschädigungen.

 

Weitere Bilder vom Freitag finden Sie hier. 

Von lno

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