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Schleswig-Holstein Hip, modern und Jägerin
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09:45 12.08.2018
Elena Jungk ist Jägerin in Schleswig-Holstein. Quelle: Frank Molter
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Elena Jungk ist Ärztin. In ihrem Job kämpft sie gegen menschliches Leid und Tod bringende Krankheiten. In ihrer Freizeit tauscht die 32-Jährige jedoch den weißen Kittel gegen derbe Kleidung in Tarnfarben und macht sich auf die Pirsch, um Hasen und Wildschweine zu erlegen. Einen ethischen Widerspruch sieht die junge, moderne Frau, die eher das Gegenteil des Klischeebilds eines Jägers mit konservativer Weltansicht darstellt, nicht.

Menschen seien schon vor 10.000 Jahren auf die Jagd gegangen, argumentiert sie. Kein Fleisch-Esser werde zu einem besseren Menschen, wenn er für sein Steak sich die Hände nicht selber blutig macht. „Ich glaube, wir sind einfach entfremdet: Dadurch hat es heute etwas total Absurdes, Abstruses und Brutales, Jäger zu sein. Man hat vergessen, dass es dazu gehört.“

Den Tod eines Tieres nicht leicht nehmen

Bis zu ihrem Studium hatte sie „überhaupt keinen Bezug zur Jagd - weder negativ noch positiv. Ich war ein Stadtkind“, erzählt sie. Der Wald war für ihre Eltern nur ein Ort zum Spazieren gehen. Und Fleisch kaufte die Mutter auf dem Biohof. „Hochwertiges Fleisch hatte für mich schon immer einen hohen Stellenwert.“ Und das war letztendlich der Grund, jetzt selber auf die Jagd zu gehen.

„Ich glaube, einem Vegetarier zu erklären, warum ich Jägerin bin, ist schwierig. Weil der sagen kann: Verzichte auf Fleisch, dann musst du auch kein Tier erlegen.“ Doch Elena Jungk will nicht auf Steak und Wurst verzichten. Voraussetzung: Es muss gutes Fleisch sein.

„Mittlerweile sage ich, ich esse nur noch Fleisch, das ich selber geschossen habe beziehungsweise das Wild ist“, sagt die Jägerin. „Es sind die einzigen Tiere, die artgerecht lebten und nicht in Gefangenschaft groß geworden sind. Das Wild hatte ein schönes Leben - ein Leben, wie es natürlich ist, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es stirbt.“ Und dann nach kurzer Pause: „Bis jetzt habe ich noch keinen Jäger kennengelernt, der den Tod eines Tieres leicht nimmt.“

Mehr Frauen unter Jägern

Tatsächlich glaubt laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Jagdschutzverbandes DJV nur einer von zehn Menschen, dass Jäger aus der Lust am Töten zur Jagd gehen. Damit habe die Jagd ihr Image seit 1999, als die Umfrage das erste Mal durchgeführt wurde, deutlich verbessert, hieß es.

17 Prozent der 22.000 Jagdscheininhaber in Schleswig-Holstein sind Frauen - und das Interesse wächst.

Mit dem Imagewandel wuchs auch die Zahl der Jagdschein-Inhaber. Waren es 1990/91 knapp 322.000 Jäger, gab es 20 Jahre später mehr als 350.000. Dabei wuchs der Anteil an weiblichen Jagdscheininhabern von einem auf zehn Prozent. Und es werden immer mehr: Bei den Vorbereitungskursen zum Jagdschein ist laut DJV bereits jeder fünfte Teilnehmer eine Frau.

Vorurteil: Jäger haben ein schlechtes Image

Doch die Erfahrungen von Elena Jungk decken sich nicht mit dem Ergebnis der DJV-Umfrage. „Jäger haben in der Öffentlichkeit ein schlechtes Image“, sagt sie. „Es gibt immer noch viele Menschen, die sehen in einem Jäger nur jemand, der Bock auf Killen hat.“ Jagd-Gegner beschimpften die Jäger oft als „Mörder“, die aus dem Hinterhalt unschuldige Tiere meuchelten. Für die 32-Jährige ein Vorurteil und absolut falsch: Das Töten der Tiere sei kein Hobby. Es sei

„aberwitzig, dass die Jagd so stigmatisiert ist,“ sagt die junge Frau.

„Wenn ich heute Fleisch esse, weiß ich, es hat für ein Tier bedeutet, dass es getötet werden musste, Ich weiß es ganz anders zu schätzen. Es ist ein ganz besonderes Lebensmittel geworden“, sagt Jungk.

Doch das Erlegen von Tieren ist nur ein kleiner Teil des Jagens. „Ich gehe nicht in den Wald, schieße etwas tot, und gehe dann wieder nach Hause“, sagt Jungk. „Ich gehe zehnmal in den Wald, beim elften Mal schieß ich vielleicht etwas, vielleicht aber auch nicht.“

Momente, die man sonst nicht erlebt

Oft sei sie gemeinsam mit ihrem Mann auf dem Hochsitz. „Es ist schön, wenn man da sitzt, es ist dunkel, dann kommt langsam der Morgen, und einer nach dem anderen wird wach - das sind Momente, die man sonst nicht mehr so erlebt. Wer steht am Sonntagmorgens um 4.00 Uhr auf, um sich in den Wald zu setzen?“

„Es ist auch schön, als Stadtmensch wieder durch die Natur zu laufen, sie ein bisschen zu verstehen“, schwärmt Jungk. „Durch das Lernen für den Jagdschein erfährt man viel über die Zusammenhänge der Natur. Und man sieht auch mehr. Das ist einfach schön.“

Der Jäger als Naturschützer

Jäger verstehen sich auch als staatlich anerkannte Naturschützer. Jedes Jahr legen Deutschlands Jäger nach Angaben des DJV mehr als 4000 Teiche neu an mit einer Gesamtfläche so groß wie die Insel Amrum, stampfen ökologisch wertvolle Feldholzinseln und Streuobstwiesen mit einer Gesamtfläche von 2000 Fußballfeldern aus dem Boden, pflanzen 6000 Kilometer Hecken und hängen 270.000 Nistkästen auf, um 800.000 Jungvögeln ein Heim zu geben.

„Büsche schneiden, einen Wildacker anlegen, das ganze Drumherum - die Revierarbeiten - gefallen mir gut“, sagt Jungk: Über 95 Prozent seiner Zeit widme ein Jäger der Hege und Pflege.

Würde diese größtenteils ehrenamtliche Arbeit der Privatjäger mit ihrer privaten Ausrüstung von Berufsjägern übernommen, würde das den Steuerzahler rund 2,3 Milliarden Euro kosten, rechnet der DJV vor.

Von dpa

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