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06:43 14.01.2019
"Es geht um sehr, sehr viel, um das Regime des neuen digitalen Zeitalters und damit letztlich auch um die Demokratie", sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Für die digitale Zukunft der Welt sieht der Ökonom Dennis Snower Europa mit Deutschland an der Spitze in einer Schlüsselverantwortung. "Es geht um sehr, sehr viel, um das Regime des neuen digitalen Zeitalters und damit letztlich auch um die Demokratie", sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft der Deutschen Presse-Agentur.

Die von China auf der einen und amerikanischen Weltkonzernen auf der anderen Seite verkörperten Systeme gingen in die falsche Richtung und seien gefährlich für die liberale Demokratie, sagte Snower. Dagegen habe Europa mit der neuen Datenschutzgrundverordnung den richtigen Weg eingeschlagen, der weltweit implementiert werden sollte. Dabei könne Deutschland eine zentrale Rolle spielen.

Snower: Nutzer sind abhängig

"Nutzer müssen mehr und mehr Rechte über die Nutzung ihrer Daten bekommen", forderte Snower. "Das Ziel sollte sein, dass sie ein Eigentumsrecht an allen Daten haben, die sie generieren." Diese Daten könnten sie dann freiwillig weitergeben an jene, die sie haben wollten - unentgeltlich oder zu einem Preis. Damit würde sich das gesamte Businessmodell bei Google und Facebook komplett ändern. Technologische Lösungen für ein solches Modell existierten bereits.

"Das Regime in China ist darauf aufgebaut, dass der Staat besonders vieles über einen weiß", sagte Snower. "In den USA sind es Konzerne wie Facebook, Google und Amazon, die sehr viel über ihre Nutzer wissen - und dieses Wissen manchmal auch an den Staat weitergeben." Die Nutzer wiederum hingen immer mehr von diesen Netzwerken ab.

"Preise sind Grundlage für eine Volkswirtschaft"

Snower verglich das System mit der Sklaverei: "Ein Sklave arbeitet und muss den ganzen Ertrag abgeben an seinen Besitzer. Dafür bekommt er genügend Nahrung und Unterkunft, um weiter diese Dienstleistungen abzuliefern." So sei es auch in der heutigen digitalen Welt: "Wir generieren eine Unmenge an Daten, die nicht uns gehören, sondern den Netzwerken", sagte Snower. "Die großen digitalen Netzwerke werden immens reich, so wie es die Sklavenbesitzer einst geworden sind."

Aus Sicht Snowers ist das bisherige System falsch, in dem die Nutzer Internetdienstleistungen kostenlos beziehen und im Gegenzug ihre Daten kostenlos liefern. "In dieser Welt gibt es keine Preise, aber Preise sind die Grundlage für das Funktionieren einer Volkswirtschaft", sagte der Ökonom. "Das ist wie in der Sklaverei: Man gibt die Arbeit umsonst und bekommt das Essen umsonst." Zudem sei es so gut wie unmöglich, die Geschäftsbedingungen zu verstehen, denen man zustimmen muss, wenn man eine neue App haben will.

Europa könnte den Unterschied machen

Besser wäre es, der Nutzer bekäme für seine Daten Geld und kaufte davon neue Apps. "Wer viele Daten generiert, die besonders nützlich sind und damit relativ hohe Preise erzielen, hätte einen Anreiz, mehr davon zu produzieren, so wie es in einer Marktwirtschaft sein sollte", sagte Snower. "In eine solche Welt müssen wir kommen, denn ohne dies kann die Demokratie nicht überleben und die freie Marktwirtschaft auch nicht - so dramatisch ist das."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe vor diesem Hintergrund auf dem Global Solutions Summit im Mai 2018 Lösungen für die Bepreisung von Daten angemahnt, sagte Snower. China und die USA zeigten, wie groß die Gefahr sei. "Europa ist nach meiner Einschätzung die Hoffnung, eine vernünftige Alternative zu den bisherigen digitalen Regimes zu schaffen - und Deutschland als technologisch fortgeschrittenes Land könnte dazu einen Riesenbeitrag leisten."

Von RND/dpa

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