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Schleswig-Holstein Bürger fordern Vernichtung der Pflanzen
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07:00 25.07.2018
Von Heike Stüben
Genervte Bürger verfolgten im Totenredder  in Schwentinental, wie  Christoph Lamp (2.von links) und Dr. Aiko Huckauf vom Kompetenzzentrum Jakobskreuzkraut der Stiftung Naturschutz (4. von links) die Effizienz von Maßnahmen gegen die Pflanze diskutierten.  Quelle: Frank Peter
Schwentinental

Es geht um rund 40 Hektar zwischen Schwentine und B 76. Flächen, die der Stiftung Naturschutz, dem Komitee gegen Vogelmord und der Stadt Schwentinental gehören und wegen ihres Artenreichtums als Biotope, teilweise als FFH-Gebiet geschützt sind. Gerd Lepschies bewirtschaftet als Landwirt benachbarte Flächen und ist sichtlich genervt: „Das Kreuzkraut wird von Jahr zu Jahr mehr. Der Umgang damit ist grob fahrlässig. Die Pflanzen gelangen per Samenflug auf unsere Flächen. Wir werden mit den Kosten und der Arbeit alleingelassen.“ Claudia Sheen hält wie etliche andere Anwohner Pferde und macht sich Sorge um ihre Tiere. „Ich muss immer mehr JKK ausreißen und verbrennen. Das Kreuzkraut ist hochgiftig für die Pferde. Selbst wenn sie die Pflanzen nicht fressen, habe ich Angst, dass sie Giftstoffe über Nase und Drüsen aufnehmen.“ Und Christoph Lamp betont: „Wir Anwohner sind nicht länger bereit, die Massenausbreitung dieser Pflanze hinzunehmen.“

"JKK hat ökologisch einen Wert"

Dr. Aiko Huckauf, Leiter des JKK-Kompetenzzentrum der Stiftung Naturschutz, kann den Unmut nachvollziehen. „Tatsächlich ist das JKK in diesem Jahr bundesweit besonders auffällig verbreitet. Die Trockenheit führt dazu, dass oft nur noch das JKK blüht, weil alles andere verdorrt ist.“ Das bedeute aber auch: Viele Insekten und andere Tiere finden nur noch am JKK Nahrung. „Diese heimische Pflanze hat ökologisch durchaus Wert. Dennoch sehen wir den Interessenskonflikt. Unsere Pächter mulchen deshalb bestimmte Flächen, um so die Ausbreitung des Kreuzkrauts einzudämmen. Und das wird jetzt zur Vollblüte gemacht, weil zu diesem Zeitpunkt die Ausbreitung am effektivsten eingedämmt werden kann.“ Genau das sei auch am Wochenende auf Flächen zu den Nachbarn hin passiert.

"Kein vermehrtes Rindersterben"

„Aber nur, weil wir Druck gemacht haben“, kritisiert Lamp. „Das ist genauso eine unzulässige Unterstellung wie Ihre Behauptung, hier stürben regelmäßig Rinder“, kontert Dr. Marion Schumann, die Pächterin der Naturschutzflächen, und erklärt, dass ihre Rinder der Landschaftspflege dienen und bis zum natürlichen Tod leben dürfen – das älteste Tier ist 21 Jahre alt geworden. In letzter Zeit sei ein Jungtier verendet. Auch das komme in der Natur vor. Beim Kreisveterinäramt in Plön kann man den Vorwurf, es sei vermehrt zu Todesfällen bei den Rindern gekommen, ebenfalls nicht bestätigen. Die Tierärztin habe einen guten Ernährungs- und Pflegezustand der Rinder festgestellt.

Mulchen ist in diesem Jahr erschwert

Dennoch sind die Anwohner nicht zu beruhigen. „Das Mulchen ist eine Verschlimmbesserung“, schimpft Christoph Lamp. Tatsächlich ist beim Mulchen ein Teil der Pflanzen nicht abgerissen, sondern nur abgeknickt worden, räumt Huckauf ein. „Das liegt daran, dass die Rinderweiden nicht nur extrem uneben sind, sondern in diesem Jahr auch der Widerstand der anderen Pflanzen fehlt. Wir haben diesmal eine besonders schwierige Situation.“

Landesregierung soll Problem lösen

Anwohnern ist das egal. Sie fordern von der Landesregierung, dass die Naturschutzflächen umbrochen oder mit einem Herbizid totgespritzt werden. Anwohnerin Gesche Wunsch schlägt andere Lösungen vor: „Man könnte die Flächen im Frühjahr mit Schafen beweiden. Sie fressen JKK und sollen es auch vertragen. Oder man sät Pflanzen aus, die dem JKK Konkurrenz machen und möglichst auch als Insektenweide dienen.“

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