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Schleswig-Holstein Streit ums Geld in Schleswig-Holstein
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07:33 23.09.2018
In Schleswig-Holstein gibt es rund 75.000 frei lebende, nicht an Menschen gebundene Katzen. Quelle: Joachim Dröge (Archiv)
Kiel

Tierschützer wollen im Herbst das Katzen-Kastrationsprojekt in Schleswig-Holstein fortsetzen, sehen aber Probleme bei der Finanzierung. Der Deutsche Tierschutzbund appellierte an das schleswig-holsteinische Umweltministerium, die finanzielle Unterstützung fortzusetzen.

Bislang beteiligten sich das Land Schleswig-Holstein und Kommunen gleichermaßen finanziell an der Katzen-Sterilisationsaktion. Da die Kommunen aus „rechtlichen Gründen“ ihren Anteil nicht mehr in den Fonds einzahlen können, habe das Umweltministerium diese 90000 Euro mit übernehmen wollen, sagte Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder. Davon sei jetzt keine Rede mehr.

Tierschutzbund würde 40.000 Euro stemmen

„Schleswig-Holstein sollte nun entweder seine Ankündigung doch noch wahr machen oder die gesetzlichen Grundlagen dafür schaffen, dass die Kommunen in den Fonds einzahlen können“, sagte Schröder. „Dann würde der Tierschutzbund die Aktion weiterhin unterstützen und einen Betrag von 40.000 Euro zur Verfügung stellen.“ Bisher liege eine Antwort des Ministeriums noch nicht vor.

Allein in Schleswig-Holstein gibt es nach Angaben des Umweltministeriums rund 75.000 frei lebende, nicht an Menschen gebundene Katzen. Ein Teil der Tiere sei krank oder verletzt, sagt Ministeriumssprecher Joschka Knuth. Gleichwohl haben diese Katzen Nachwuchs. Viele Katzenbabys werden krank geboren und leiden unter Mangelernährung, Parasitenbefall und Infektionen. Oder Hunger. „Weil ein Teil der Tiere krank oder verletzt ist, ist ihre Jagd ist nicht immer erfolgreich“, erklärt der Ministeriumssprecher.

Streunende Katze isst bis Vögel und Mäuse

Wenn doch, ist bei Tierfreunden Schluss mit der Harmonie. Bei Hauskatze und Singvogel prallen Emotionen aufeinander, heißt es beim Nabu. Denn „eine Katze, die wirklich verwildert ist und sich draußen ernährt, kann bis zu 365 Vögel in einem Jahr fressen“, sagte Ottmar Frimmel, Naturschutzbeauftragter im Landratsamt Günzburg (Bayern).

Wenn sie ein Nest ausnimmt, können es an einem Tag schon mal fünf, sechs Junge auf einmal sein. „In der Zeit, wenn die Vögel halb-flügge aus den Nestern kommen, haben die Katzen eine Riesenchance,“ ergänzte er. Der Nabu spricht von über acht Millionen Katzen, die in Deutschland viele Millionen Vögel töten.

Konkrete Schätzungen der von „Straßenkatzen“ erbeuteten Tiere seien jedoch schwierig, sagte Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. Das Problem: Die „Wildkatze“ (Felis silvestris silvestris) ernährt sich zu 95 Prozent von Mäusen. „Wir können nicht hundertprozentig sagen, ob es bei der streunenden Hauskatze (Felis silvestris catus), wenn es denn Mäuse gibt, nicht ähnlich ist“, sagte Calvi. Dazu gebe es jedoch bislang keine wissenschaftlichen Studien.

Fünf Kastrationsprogramme für Katzen zwischen 2014 und 2017

In Schleswig-Holstein gibt es Kastrations- beziehungsweise Sterilisationsprogramme für verwilderte Hauskatzen. Von 2014 bis 2017 wurden bislang fünf Katzenkastrationsprojekte durchgeführt, sagte Knuth. „Insgesamt konnten dabei 12 848 Katzen kastriert werden.“

Aus Sicht der Beteiligten seien die Aktionen bislang erfolgreich verlaufen. „Der biologisch sinnvollste Zeitraum für die Kastration von Katzen liegt zwischen Mitte Oktober und Mitte November“, sagte Knuth.

Von dpa

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