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Schleswig-Holstein Neuer Streit ums Jakobskreuzkraut
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18:51 16.06.2015
Von Heike Stüben
Jetzt geht dem Jakobskreuzkraut an die Wurzel: Seit der Verdacht besteht, dass zwei Rinder auf einer Naturschutzfläche Opfer der giftigen Pflanze geworden sind, spitzt sich die Diskussion zu. Quelle: Stiftung Naturschutz
Kiel

Der Bauernverband, aber auch Umweltminister Robert Habeck, erhöhen den Druck auf die Stiftung Naturschutz: Auf 12000 ihrer 33000 Hektar Naturschutzflächen hat sich die Pflanze bereits massiv ausgebreitet.

Auf einer dieser Flächen bei Neustadt weideten die Robustrinder von Landwirt Bernd Deckert aus Süsel. Als er im Mai ein verendetes Tier entdeckte, dachte er zunächst nicht ans Jakobskreuzkraut JKK. Doch als er wenige Tage später ein zweites totes Rind fand, ließ er die Leber untersuchen – dieses Organ wird durch das Pflanzengift geschädigt. „Der Befund spricht für eine chronische Vergiftung durch Jakobskreuzkraut“, zitiert Deckert das Untersuchungsergebnis.

„Wir nehmen das sehr erst, auch wenn bisher in Schleswig-Holstein bei keinem Rind oder Pferd der Tod durch JKK nachgewiesen wurde. Auch in Neustadt ist die Leber ja nicht auf das Gift getestet worden“, erklärt Thomas Voigt von der Stiftung Naturschutz. Deshalb will man dort ein weiteres Schlachtrind aus der Herde ankaufen, schlachten und auf das Gift, die Pyrrolizidin-Alkaloide PA, untersuchen lassen.

Sollte der Befund positiv sein, müsse neu gedacht werden. Bisher ging man davon aus, dass junge Rinder von den älteren Tieren lernen, das JKK zu meiden. Diese Anlernen ist notwendig, weil junge Pflanzen noch nicht so bitter schmecken wie in den späteren Stadien. Jungpflanzen sind daher wie Pflanzen in Heu und Silage besonders gefährlich für Pferde und Rinder, weil die Tiere nicht durch den bitteren Geschmack oder den typischen Geruch abgeschreckt werden.

Die Fläche bei Neustadt, die für Tiere gesperrt wurde, soll nun umbrochen werden. Bisher hat das JKK-Kompetenzzentrum bei der Stiftung auf Mähen, Mulchen und Herausreißen des giftigen, aber ökologisch bedeutsamen JKK und auf ein Untersuchungsprogramm gesetzt. „Das Umbrechen macht ja auch allen anderen Pflanzen den Garaus, etwa dem seltenen Bergsandglöckchen oder Wiesen-Habichtskraut“, erklärt Voigt.

Der Umweltminister sieht das Land als bundesweiten Vorreiter im Kampf gegen JKK. Habeck betont aber, dass er die Stiftung schon vor zwei Monaten aufgefordert habe, die aktive Bekämpfung des JKK auf 1000 Hektar auszuweiten. Noch scheut der Grüne, die chemische Keule auf den Naturschutzflächen zuzulassen. Genau das fordert der Bauernverband zum Schutz von Weidetieren und Landwirtschaftsflächen: „Die Pflanze wächst uns über den Kopf. Wir haben keine Zeit, auf Forschungsergebnisse zu warten“, sagt Sprecher Klaus Dahmke. Die Stiftung bietet nun an, bei Verdacht die Lebern toter Weidetiere auf Rückstände und Schädigungen durch PA untersuchen zu lassen: „Uns ist es überaus wichtig, dass es den Tieren, die auf unseren Flächen weiden, gut geht", sagt Thorsten Deinert, Leiter des Flächenmanagements.

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