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Schleswig-Holstein Das Leiden im russischen Walgefängnis
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12:06 19.02.2019
Von Laura Treffenfeld
Die Wale werden in Wladiwostok in viel zu kleinen Becken gehalten. Quelle: Greenpeace
Kiel

Frage: Herr Henningsen, die Wale sind nun seit Monaten in den Becken eingesperrt. Wie verkraften die Tiere das?

Thomas Henningsen: Nicht gut. An der Haut der Wale kann man erkennen, dass es ihnen schlecht geht. Sie sind mit zu vielen Tieren in einem zu kleinen Bereich zusammen. Das ist nicht natürlich. Hinzu kommen der soziale Stress und falsches Futter. Wale, insbesondere die Orcas, sind unheimlich soziale Tiere. Sie sind ihr Leben lang in Familien unterwegs. Die Fänger zerstören diese sozialen Bande. Das Dramatische ist jetzt, dass das Wasser um sie herum langsam zufriert. Die Wale können zwar in den kalten Temperaturen überleben, die Belugas sind da noch besser angepasst als die Orcas, aber sie alle müssen sich ganz viel bewegen, um die Temperatur zu halten. In den Becken können sie höchstens auf- und abtauchen. Wir vermuten zudem, dass bisher drei Jungtiere gestorben sind. Die sind die Schwächsten. Vor Ort heißt es, die Tiere seien abgehauen, aber das halte ich für unmöglich. Die Kleinen sind schwach gewesen und nicht in der Lage, die Wände des Beckens zu überwinden.

Hat sich die Rechtslage in Russland verändert? Sind Walfänge noch legal?

Russland ist das einzige Land, das noch Wale, insbesondere Orcas, fängt. Es gibt legale Lizenzen für Walfänge zu wissenschaftlichen Zwecken. Solche wurden hier wohl erteilt, aber natürlich haben die rein gar nichts mit der Wissenschaft zu tun gehabt, sondern lediglich mit Profit. Das Gute ist, es gibt nun Gerichtsverfahren gegen die Fänger. Der Oberstaatsanwalt von Russland hat festgestellt, dass die Fänge illegal waren. Der Föderale Dienst für Sicherheit der Russischen Föderation (FSB), der für die Grenzregionen zuständig ist, hat veranlasst, dass sich eine Kommission die Tiere anguckt. Von dieser Kommission haben wir Bilder der Tiere und der Anlage bekommen. Greenpeace selbst durfte da nicht rein.

Die Behörden haben also festgestellt, dass die Lizenzen illegal waren. Was passiert jetzt?

Wir arbeiten an zwei Dingen. Daran, dass die Tiere freigelassen werden – wissenschaftlich und tiermedizinisch begleitet. Und wir arbeiten daran, dass gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, die den Export von Walen stoppen. Aktuell sammeln wir dazu Unterschriften. Wenn wir 100000 zusammen haben, muss sich das russische Parlament, die Duma, mit unserem Anliegen beschäftigen. Die Fänger-Firmen haben schon wieder neue Fanggenehmigungen beantragt. Das wurde aber nicht genehmigt. Bevor die Sachlage nicht geklärt ist, gibt es keine neuen Lizenzen. Und das ist ein großer Erfolg für uns. Wir befürchten aber, dass die Fänger, die nun jeden Tag Geld verlieren, die Wale loswerden wollen. Deshalb sind wir vor Ort und beobachten die Wale mit unseren Partnern weiter. Wir hoffen, dass wir den öffentlichen Druck weiter erhöhen und die Wale schnell befreien können.

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