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Schleswig-Holstein Kommunen sammeln Hunderte Schrottfahrräder
Nachrichten Schleswig-Holstein Kommunen sammeln Hunderte Schrottfahrräder
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10:27 02.12.2018
In Schleswig-Holstein werden jährlich Hunderte Schrottfahrräder eingesammelt. (Symbolbild) Quelle: dpa
Kiel

Fehlende Reifen, deformierte Rahmen, rostige Ketten - in Schleswig-Holsteins Städten werden jedes Jahr Hunderte Schrottfahrräder eingesammelt, die öffentliche Abstellplätze verstopfen. Allein in der Landeshauptstadt Kiel waren es bis Mai dieses Jahres knapp 500. In manchen Städten werden einige Plätze wöchentlich auf Schrotträder überprüft, in anderen Gemeinden gibt es hingegen keine regelmäßigen Aktionen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter mehreren Städten im Land ergab. Nicht alle eingezogenen Fahrräder kommen auf den Schrott, sondern werden zum Teil auch für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt.

Kiel 

In der Landeshauptstadt werden regelmäßig mehrere hundert Fahrräder jährlich eingesammelt. 2017 wurden 945 Fahrräder markiert und 782 davon eingezogen. In diesem Jahr wurden bereits bis Ende Mai 749 Fahrräder markiert und 496 eingezogen. „Es ist also ein Aufwärtstrend zu erkennen“, teilte ein Stadtsprecher mit. Das Umfeld des Kieler Bahnhofes wird ein Mal pro Woche auf Schrotträder überprüft. Auch andere Bereiche werden regelmäßig kontrolliert. Dabei wird beispielsweise darauf geachtet, ob Pedalen, Sattel oder Reifen fehlen oder der Fahrradrahmen so durchgerostet ist, dass er bei Gebrauch durchbrechen könnte. 

Die beanstandeten Räder werden in Kiel mit einer Banderole versehen. Darauf werden die Eigentümer aufgefordert, das Rad innerhalb von 14 Tagen zu entfernen. 2017 passierte das in 163 Fällen. Geschieht des nicht, wird das Rad eingezogen und drei Monate zwischengelagert. Danach werden die nicht abgeholten Drahtesel für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt. Der durchschnittliche Kostenaufwand pro eingesammelten Rad betrug den Angaben zufolge 2017 rund 27,50 Euro.

Lübeck

Der Ordnungs- und Verkehrsdienst der Hansestadt sorgt seit rund 10 Jahren für die Entsorgung von Schrottfahrrädern, die von ihren Eigentümern aufgegeben wurden. Die Fahrräder werden nach Angaben der Stadt gekennzeichnet. Werden die Drahtesel nicht innerhalb von 14 Tagen aus dem öffentlichen Raum entfernt, werden sie eingesammelt. Soweit diese noch fahrtüchtig sind, werden sie dem Fundbüro übergeben, ansonsten entsorgt. Die Anzahl der entsorgten Räder schwankt den Angaben zufolge und lag in den vergangenen Jahren zwischen 187 und 376 Fällen jährlich. Ein Schwerpunkt ist das Bahnhofsumfeld, aber auch der gesamte Innenstadtbereich. Kontrolliert wird in der gesamten Stadt. 

Norderstedt

In Norderstedt hält sich die Zahl der entfernten Schrotträder nach Angaben der Stadt in einem überschaubaren Rahmen: 2016 wurden 13 Räder entfernt, 2017 waren es sechs und dieses Jahr bisher zwölf. Die Zahl der festgestellten Räder liegt höher, viele werden nach Anbringung einer Plakette aber noch von den Eigentümern entfernt. An die Räder, „die eindeutig "Schrott" sind“, kleben Mitarbeiter der Verwaltung zunächst Aufkleber mit der Aufforderung, das Rad innerhalb einer bestimmten Frist zu entfernen. Ist diese Frist überschritten, werden die Räder durch die Stadt entfernt - und schließlich vom Betriebsamt fachgerecht als Altmetall entsorgt. 

Sylt 

Für die Insel ist die Herausforderung der fahruntüchtig abgestellten Räder schon sehr groß, wie Bürgermeister Nikolas Häckel sagte. Er verwies auf die täglich rund 4500 Pendler, „die natürlich auch Fahrräder ab/zum Bahnhof nutzen“. Aufgrund der Witterung, aber auch des Diebstahls würden nicht die besten Drahtesel genutzt und im öffentlichen Raum abgestellt. Mehrmals im Jahr werden offensichtlich nicht mehr verkehrstüchtige Räder eingesammelt. Die nächste Aktion im Zentrum von Westerland und rund um die Bahnhöfe Westerland, Keitum und Morsum findet am 13. Dezember statt. Wie viele Räder eingesammelt werden, ist den Angaben zufolge nicht dokumentiert, es sind aber Zahlen im deutlich zweistelligen Bereich. 

Flensburg

In Flensburg ist die Menge der eingesammelten Räder nach Angaben der Stadt relativ überschaubar. Eine regelmäßige Sammlung von Schrotträdern erfolgt aufgrund der geringen Anzahl nicht. „In Flensburg fallen im Durchschnitt der letzten drei Jahre etwa zwei Fahrräder pro Monat an. Dafür lohnt eine regelmäßige Sammelaktion nicht“, hieß es bei der Stadt. 2017 waren es etwa 40 bis 45 und dieses Jahr bisher etwa 20 Räder. 

Vor kurzem ist die Abfallentsorgungsbehörde der Stadt dazu übergegangen, längere Zeit verschlossen vorgefundene Räder mit einem Aufkleber zu kennzeichnen. Die Anzahl der Altfahrzeuge nimmt seitdem ab. Die eingesammelten Räder werden erst einmal deponiert. Noch nutzbare Räder gehen zum Teil an Initiativen, die diese reparieren und weiter verwenden, stark beschädigte landen im Sperrmüll. 

Neumünster

In Neumünster werden nach Feststellung der Stadt viele, vor allem nicht mehr fahrtüchtige Fahrräder an öffentlichen Stellplätzen beispielsweise am ZOB oder Bahnhof wochenlang stehen gelassen und nicht wieder abgeholt. „Das führt natürlich dazu, dass andere Personen ihre Fahrräder dort nicht mehr abstellen können.“ Ebenso werden unzählige, zum Teil gestohlene Drahtesel von der Polizei sichergestellt. Jährlich befinden sich rund 300 Fundfahrräder im städtischen Fahrradraum. Gekennzeichnet werden die Räder vor dem Abholen nicht. 

Teilweise werden eingesammelte Fahrräder den Angaben zufolge an gemeinnützige Organisationen weitergegeben. Dort wird bedürftigen Jugendlichen und auch Flüchtlingen die Möglichkeit gegeben, die Fahrräder zu reparieren und dann auch zu nutzen. Der Rest wird in der Regel verschrottet, unregelmäßig finden auch Online-Versteigerungen statt. Die Kosten für die Sammelaktionen werden pro Jahr auf circa 9000 Euro Personalkosten und maximal 1000 Euro Materialkosten (Fahrzeug + Betriebsstoffe) geschätzt. 

Husum

Die Problemlage in der Storm-Stadt ist überschaubar. Im Stadtgebiet werden jährlich zwischen fünf und zehn Stück eingesammelt. Hinzu kommen rund 20 bis 30 Räder pro Jahr, die vom Bahnhofsvorplatz entsorgt werden. Das Einsammeln im Stadtgebiet erfolgt den Angaben zufolge nach Bedarf. Speziell im Bereich Bahnhofsvorplatz finden etwa zweimal im Jahr Sammelaktionen offensichtlicher Schrottfahrräder statt. 

Die eingesammelten fahruntauglichen Räder werden in der Regel verschrottet, vereinzelt werden Räder auch versteigert, um zumindest einen Teilbetrag der Entsorgungskosten zu decken. Die Kosten für Personal- und Fahrzeugeinsatz liegen bei etwa zehn Fahrrädern im Bereich zwischen 100 und 200 Euro.

RND/dpa

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