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Frank Roselieb zum Autobauer-Skandal

Krisenmanager aus Kiel Frank Roselieb zum Autobauer-Skandal

Nicht nur Volkswagen stolpert von einem Skandal zum nächsten. Trotzdem wird
das Image der Autobauer kaum leiden, sagt der Krisenmanager Frank Roselieb aus Kiel. Der gebürtige Kieler ist geschäftsführender Direktor des Krisennavigators, ein Ableger der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

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Information, Training und Beratung: Frank Roselieb ist der Krisennavigator aus Kiel.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Kehren die Deutschen ihren Autobauern gerade den Rücken, Herr Roselieb?

Frank Roselieb: Wenn man sich die Zahlen anguckt, eher nicht. Im ersten Halbjahr 2017 sind Umsatz und Gewinn der Branche gestiegen. Das Image leidet etwas unter den vielen Produktrückrufen. Dieselkunden müssen ihre Fahrzeuge reihenweise in die Werkstatt bringen. Gerade für Betriebe mit einer ganzen Flotte an Dieselfahrzeugen geht das durch den Verdienstausfall ins Geld. Hinzu kommt oft noch der Wertverlust des Fuhrparks, weil kaum noch einer einen alten Diesel kaufen möchte. In den Bereich der kommunikativen Krise fällt der Skandal um die Affenversuche. Dieses Thema ist mittlerweile aber fast aus der Diskussion verschwunden.

Woran liegt das?

Frank Roselieb: Das Thema betrifft nicht die Kernkompetenz von Volkswagen. Wir wissen aus der Krisenforschung, dass Konsumenten wegen der kontinuierlich zunehmenden Skandalmeldungen mittlerweile sehr genau prüfen, ob das Thema wirklich kaufentscheidend ist. Hätte VW jahrzehntelang minderwertige Ersatzteile eingebaut, dann würden sich die Deutschen riesig aufregen. Von deutschen Autos erwartet man eine höhere Qualität und besseren Service. Bei den Affenexperimenten handelt es sich dagegen eher um ein ethisch-moralisches Thema. Möglicherweise war das Verhalten von VW nicht per se verboten, sondern eben nur unanständig. Im Ergebnis hat VW also weder echte ökonomische Probleme noch einen länger andauernden Skandal, denn die Affen werden bald vergessen sein.

Aber die Abgasaffäre betrifft doch sehr wohl VWs Kernkompetenz.

Frank Roselieb: Ja, aber letztlich wird nur ein Software-Update eingespielt. Das wirkt etwa so unbedeutend wie das wöchentliche Routine-Update eines Computers. Und man liest gerade auf amerikanischen Auto-Blogs zwischen den Zeilen auch viel Hochachtung vor den trickreichen, deutschen Ingenieuren. Nach dem Tenor: Die genialen deutschen Autokonstrukteure haben uns über Jahre ausgestrickst.

Also kein Image-Schaden?

Frank Roselieb: Nein, zumindest nicht länger andauernd. Wirkliche Imageschäden entstehen immer dann, wenn sich Bilder einprägen. Zum Beispiel gab es 1997 den Elch-Test von Mercedes Benz. Bei einer Testfahrt hatte sich ein Fahrzeug aufs Dach gelegt. Das ist ein Bild, das um die Welt gegangen ist. Und jeder, der eine A-Klasse fuhr, musste sich Elch-Test-Witze anhören. Solche einprägsamen Bilder fehlen beim Affenskandal. Ein echtes Bild, Affe wird von VW „vergast“, gab es nie. Allerdings haben wir bei Autos sehr lange Investitionszyklen. Man kauft heute ein Auto, dann in fünf oder acht Jahren wieder eins. Da besteht die Gefahr, dass VW erst in einigen Jahren die Rote Karte gezeigt bekommt. Diesel- und VW-Absatz können dann einbrechen, weil ehemalige Dieselkäufer keinen weiteren Diesel kaufen oder bisher treue VW-Kunden beim nächsten Mal einen BMW oder Mercedes wählen.

Lesen Sie das vollständige Interview am Donnerstag in den Kieler Nachrichten.

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Ein Artikel von
Alev Doğan
Lokalredaktion Kiel/SH

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