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Schleswig-Holstein Das wollen wir essen
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19:47 11.05.2016
Von Karen Schwenke
Sie liebt frische Lebensmittel, kocht mit Freude und isst mit Genuss – genau wie die Landfrauen: Sterneköchin Léa Linster. Quelle: Sven Janssen
Neumünster

Die Starköchin aus Luxemburg ist bisher die einzige Frau der Welt, die den Oscar der Gastronomie, den Becuse d’Or, gewonnen hat. Die 61-Jährige behauptete sich in einer Welt, die noch immer von Männern dominiert wird. Wer will da nicht wissen, wie sie das gemacht hat?

 „Ich habe immer fett angegeben“, gibt die Meisterköchin zu. „Sicherlich habe ich auch immer sehr gut gekocht“, und es sei Anfang der 80er-Jahre für Frauen auch noch leichter gewesen, sich zu behaupten, da die Männer jede Frau unterschätzt und belächelt hätten, anstatt ihre Messer zu wetzen. Aber, so Léa Linster, sie habe mit ihrem Können immer angegeben, so dass ihre Crème Brûlée, der Hummersalat, der Lammbraten und ihre Madeleines schon vor 25 Jahren als die besten der Welt galten. „Wenn ich gesagt hätte, ich habe ein bescheidenes Restaurant mit einer Tankstelle in so einem Kuhdorf, dann wäre keiner gekommen“, vermutete sie. Dabei war es tatsächlich genau so: Nach dem Jura-Studium übernahm sie das Bistro mit Kegelbahn und Tankstelle ihrer Eltern in Frisange bei Luxemburg. „Ich wollte immer berühmt werden“, mit diesem Streben brachte sie es kurz darauf im Jahr 1987 zum Michelin-Stern, den sie seither Jahr für Jahr hält.

 Und mehr noch: Léa Linster betreibt weitere Läden, schreibt Kochbücher, Kolumnen und ist als TV-Köchin gefragt. Für viele Frauen gilt sie als Vorbild. Als Luxemburgerin konnte und wollte sie den hiesigen Landfrauen natürlich nichts über deren regionale Küche erzählen, aber es ist schon erstaunlich, dass in ihrem weit entfernten Sternerestaurant immer zuerst etwas aus dem Norden auf den Tisch kommt: Tafelsilber aus Flensburg. Alle anderen Spezialitäten kennt sie offensichtlich nur vom Hörensagen: „Hier gibt es doch so gute Kartoffeln, ich liebe Kartoffeln und ich liebe Matjes, ihr habt doch so viel Fisch.“

Zum Kochen braucht es Erfahrung

 Rezepte brauche es zum guten Kochen nicht unbedingt, aber Erfahrung, ließ Linster wissen. Und Motivation: „Eine Köchin will gelobt werden, sonst hört sie irgendwann damit auf“, sagt sie in Anspielung auf die vielen Mütter, denen die alltäglichen Küchenpflichten den Spaß am Kochen verleiden. „Da gibt es einen Trick: Laden sie sich Gäste ein, dann gibt es wieder Applaus.“ Nur einen knappen Satz hatte die Sterneköchin für die Trends zur veganen und vegetarischen Ernährung übrig: „Trends kommen und gehen, das Gute bleibt.“

 Zum diesjährigen Thema des Landfrauentages „Regional oder international, Genuss oder Reue: Was wollen wir essen?“ wollte Léa Linster den Landfrauen eher die Freude an regionaler Küche vermitteln. „Man hat einen Bezug zu diesen Lebensmitteln. Sie entstehen dort, wo man lebt, das ist auch für die Bekömmlichkeit besser.“ Wichtig sei ihr außerdem, dass das Essen nicht verpackt und verklebt und verarbeitet sei.

 In diesem Punkt war sie sich mit Food-Journalist Jens Mecklenburg einig, der als Experte ebenfalls geladen war. Grundsätzlich stellte er klar, dass „alle Lebensmittel okay sind, die nicht krank machen, denn Essen ist nicht da, um jemanden zu heilen.“ Sein Tipp: „Am besten regionale Bioprodukte kaufen.“ Wem das zu teuer sei, dem könne er nur sagen: „Wir Deutschen essen viel zu viel Fleisch. Lieber weniger davon kaufen, dafür besseres.“ Um gute regionale Produkte zu finden, brauche man nur auf den Wochenmarkt zu gehen oder auf Gütesiegel zu achten: Bioland, Demeter, Gütezeichen Schleswig-Holstein. Diese drei seien empfehlenswerte Gütesiegel. Aber Mecklenburg räumte auch ein, dass es in Schleswig-Holstein noch eines umfangreicheren Gütesiegels bedürfe, um regionale Produkte für Konsumenten als solche kenntlich zu machen. „Das wäre hilfreich“.

 Dieses Informationsbedürfnis der Verbrauchen kennen auch die Landfrauen in Dithmarschen. Ihr Ortsverband stellte in diesem Jahr die Stände in Neumünster. „Wir legen den Menschen nahe, dass sie mehr regionale und saisonale Produkte kaufen“, sagt Elisabeth von Horsten (68). „Die gibt es in Hofläden, beim Schlachter, der noch selbst schlachtet oder beim Bäcker, der noch nach traditionellen Rezepten backt.“ Vor zwei Jahren hatten sie und ihr Mann ihren landwirtschaftlichen Betrieb aufgegeben, nun informiert sie mit zwei ebenfalls pensionierten Landfrauen über heimische Produkte – und das ist bei Weitem nicht nur Kohl: Käse, Wurzeln, Lamm, Wurst, Sauerkraut und Matjes sind nur einige Lebensmittel, die sie an zwei Abenden im Monat präsentieren. „Anfänglich haben wir das nur für Gäste unserer Ferienwohnungen angeboten – inzwischen sind wir im dritten Jahr ausgebucht, und die Leute kommen von überall her.“

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