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MDK: Gutachter klagen über Überlastung

Schleswig-Holstein MDK: Gutachter klagen über Überlastung

Pflegegutachter beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Nord schlagen Alarm: Sie beklagen einen zu hohen Arbeitsdruck, der auch zu Lasten der Versicherten gehe. Der Personalrat hat den Fall vor das Verwaltungsgericht Hamburg gebracht.

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Eine Pflegerin kümmert sich um eine Rentnerin: "Unter Pflegegutachtern herrscht ein Zustand der Angst, Verzweiflung und Resignation."

Quelle: dpa

Kiel. „Die Situation ist nicht mehr zumutbar. Unter Pflegegutachtern herrscht ein Zustand der Angst, Verzweiflung und Resignation“, beschreiben die Kritiker die Lage. Die Pflegegutachter sind beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung MDK fest angestellt. Ihre Aufgabe: Sie sollen feststellen, ob und in welchem Ausmaß ein Krankenversicherter pflegebedürftig ist.  Anfang 2017 wurde das System umgestellt – von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade.

Gleichzeitig wurde das Arbeitsvolumen reduziert: Bisher sollte ein Gutachter 23 Begutachtungen pro Woche abarbeiten - ab 2017 nur noch 20. Schon das sei bei einer 38,5-Stunden-Woche kaum zu bewältigen gewesen, sagen die Kritiker. Unter zwei Stunden sei eine Begutachtung im Schnitt nicht machbar. Dennoch sei die Vorgabe Anfang November wieder auf 23 Gutachten erhöht worden.

„Das ist nicht zu schaffen und wirkt sich auch auf die Begutachtung aus: Fehler und Fehleinschätzungen können passieren“, heißt es in einem anonymen Schreiben. Der Personalratsvorsitzende Christian Finkermann bestätigt, dass er beim Hamburger Verwaltungsgericht per einstweiliger Verfügung durchsetzen will, dass die Erhöhung wieder zurückgenommen wird.

Beim MDK räumt man ein, dass es erste Überlastungsanzeigen gibt. Pressesprecher Jan Gömer verteidigt aber die Erhöhung des Arbeitsvolumens. „Die Herabsetzung diente der Eingewöhnung nach dem Systemwechsel und ist jetzt nicht mehr nötig. Zudem schaffen Gutachter in anderen MDK auch 23 Begutachtungen pro Woche.“ Finkermann widerspricht und fordert Belege für diese Aussage.

Die Pflegegutachter verweisen darauf, dass das neue Verfahren viel aufwändiger ist: Allein die Zahl der Fragen hat sich von 52 um 50 Prozent auf 78 erhöht. „Was dazu führt, dass die Begutachtung gegenüber früher zwangsläufig länger dauert“, heißt es dazu im letzten Jahresbericht des MDK.

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