Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Missverständnisse Schuld an der Havarie
Nachrichten Schleswig-Holstein Missverständnisse Schuld an der Havarie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:53 06.03.2019
Ferenc John, Untersuchungsleiter bei der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) erläutert in einer Pressekonferenz den abschließenden Unfallbericht zur Havarie des Frachters "Glory Amsterdam". Quelle: Christian Charisius/dpa
Langeoog

Demnach hatten der gestresste chinesische Kapitän und seine Crew offenbar Schwierigkeiten, in angespannter Lage die Funk-Anweisungen des deutschen Notschleppers "Nordic" umzusetzen. Bei der Auswertung der Aufzeichnungen sei aufgefallen: "Eigentlich haben die ja ständig aneinander vorbeigeredet", sagte BSU-Direktor Ulf Kaspera am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts.

Frachter riss sich los

Die unter der Flagge Panamas fahrende "Glory Amsterdam" hatte sich am 29. Oktober 2017 in einem Orkan morgens von ihrem Ankerplatz losgerissen und war rund zwölf Stunden durch die Deutsche Bucht getrieben. Am Abend strandete sie rund zwei Kilometer vor Langeoog auf einer Sandbank. Zuvor war es misslungen, ein Bergungsteam per Hubschrauber auf dem Havaristen abzusetzen. Der Frachter war zwar unbeladen, hatte aber fast 2000 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl, als Eigenbedarf an Bord. Die Bergung gelang erst Tage später.

Verständnisprobleme waren die Ursache

Für Unverständnis hatte an der Küste gesorgt, dass das Notschleppkonzept des deutschen Havariekommandos in Cuxhaven offenbar in mehreren Punkten versagt hatte. In dem BSU-Abschlussbericht werden dafür vor allem Verständigungs- und Verständnisprobleme genannt, als es um praktische Absprachen für die Notschleppmanöver ging. So hatte der chinesische Kapitän den im Behördenauftrag eingesetzten Notschlepper "Nordic" nicht klar erkannt und mit einem kommerziellen Bergungsschlepper verwechselt.

Bessere Kennzeichnung für Notschlepper

Als Konsequenz empfahl BSU-Direktor Kaspera eine auffällige Kennzeichnung für Notschlepper im staatlichen Einsatz. Zudem könnten die friedlichen Absichten des Bergungsteams besser mit einem Begriff wie "German Emergency Assistence Team" statt "Boarding Team" angekündigt werden. "Wir werden uns in der nächsten Zeit mit dem Bericht und den Empfehlungen für das Havariekommando auseinander setzen", sagte dessen Leiter Hans-Werner Monsees.

Derartige Havarie könnte sich jederzeit wiederholen

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) sieht auch nach dem Bericht noch viele offene Fragen. Unklar sei, ob es ausreichend realistische Übungen für Hubschrauberpiloten gebe, sagte SDN-Sprecher Peter Andryszak. "Übungen bei schönem Wetter reichen nicht, Lotsen fliegen ja auch noch bei Sturm", kritisierte Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels (parteilos). Er befürchtete, dass sich bei dem starken Schiffsverkehr in der Nordsee eine derartige Havarie jederzeit wiederholen könnte. "Das ist eine existenzielle Bedrohung für alle Küsten- und Inselbewohner", sagte Garrels.

Von dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Autofahrer müssen auf der A21 zwischen Trappenkamp und Stolpe/Wankendorf künftig in beiden Richtungen langsamer fahren. Ab sofort gilt ein Tempolimit von 80 km/h. Ursache sind große Löcher auf der noch nicht ganz alten Fahrbahn.

06.03.2019

Schleswig-Holsteins Tierschutzbeirat hat dazu aufgerufen, alte Weidezäune und unnützen Stacheldraht im Land abzubauen.

06.03.2019

Schleswig-Holstein will mit einer Reform der Besoldungsstruktur die Attraktivität des öffentlichen Dienstes erhöhen. "Mein Wunsch ist, dass die Eingangsbesoldung gestärkt wird", sagte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) am Mittwoch im Landtag.

06.03.2019