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Schleswig-Holstein Freunde aus Kirchbarkau kämpfen weiter
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07:00 11.09.2017
Von Heike Stüben
Die Familie C. im Sommer in Kirchbarkau: Die Eltern und ihre vier Kinder nennen die Gemeinde ihre Heimat. Hier haben sie viele Freunde gefunden. Quelle: Marie-Charlotte Wahl
Kirchbarkau

„Wir spüren, dass jetzt alle – der Kreis Plön, das Innenministerium, die Härtefallkommission und der Flüchtlingsbeauftragte – an einem Strang ziehen. Dafür sind wir dankbar, denn ohne das Fachwissen in den Behörden hat Familie C. keine Chance“, erklärt Simon Rützel-Grünberg vom Freundeskreis der Familie bei einem Treffen in Kirchbarkau.

Familie sieht wieder etwas Licht

60 Menschen sind an diesem Abend zu dem spontanen Treffen ins Gemeindehaus der Kirche in Kirchbarkau gekommen. Es sind Menschen aller Altersstufen. Die meisten sind mit der Familie befreundet, kennen sie aus der Schule, der Kirchenarbeit, vom Arbeitsplatz des Vaters, aus dem Sportverein oder dem Dorfladen, in dem die Mutter der albanischen Familie ehrenamtlich mitgeholfen hat. Und alle bewegen an diesem Abend zwei Fragen: Wie geht es den Eltern und den vier Kindern in Albanien? Und wie geht es weiter?

Die erste Frage ist schnell beantwortet. „Die Familie lebt zu sechst in einem Zimmer, und die Kinder leiden darunter, dass sie nicht zur Schule gehen können. Aber die Familie sieht jetzt wieder etwas Licht und dankt den Behörden dafür“, berichtet die ehrenamtliche Bevollmächtigte der Familie, Marie-Charlotte Wahl. Die Härtefallkommission hatte vor einer Woche nach einer Sondersitzung die Wiedereinreise der Familie empfohlen. Sowohl die Kommission als auch das Innenministerium und die Landrätin des Kreises Plön, Stephanie Ladwig, hatten danach angekündigt, die Möglichkeit einer Rückkehr für die Familie zu prüfen und auszuschöpfen. Dazu hat die Landrätin für den 12. September zu einem Runden Tisch eingeladen.

Familie muss ohne staatliche Hilfe existieren

Das Problem: Normalerweise gilt eine 30-monatige Einreisesperre nach einer Abschiebung. Diese Frist könnte aber verkürzt werden. Dazu müsste der Vater schnell ein Visum erhalten, um hier seinen Ausbildungsplatz anzutreten, den ein großes Unternehmen für ihn freihält. Die älteste Tochter müsste ein Visum für ihr Freiwilliges Soziales Jahr erhalten, das sie in der Altenpflege – ihrem Wunschberuf – absolvieren will.

Die restliche Familie könnte dann nachziehen - vorausgesetzt, die gesamte Familie kann ohne staatliche Hilfe existieren. Dazu müsste die Mutter eine sozialversicherungspflichtige Arbeit erhalten. „Wir suchen deshalb dringend eine Stelle in erreichbarer Nähe für sie, aber eben keinen 450-Euro-Job“, erklärt Marie-Charlotte Wahl. Allen sei klar, dass das nicht einfach werde, denn die Mutter spricht zwar schon sehr gut Deutsch, hat aber keine Ausbildung. Dennoch gibt man nicht auf: „Wir sind ein agiler Schwarm“, sagt Rützel-Grünberg, „da lässt sich einiges bewegen.“

kirchbarkau-kaempft@gmx.de, auf Facebook: Kirchbarkau kämpft für Familie C.

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