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Schleswig-Holstein Neue Erkenntnisse zu Schüssen im IC 2406
Nachrichten Schleswig-Holstein Neue Erkenntnisse zu Schüssen im IC 2406
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11:33 28.06.2018
Von Bastian Modrow
Nach den Schüssen im IC von Köln nach Flensburg wurde der Hauptbahnhof weiträumig abgesperrt. Quelle: Sebastian Iwersen/dpa (Archiv)
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Kiel/Flensburg

Im Intercity 2406 von Köln nach Flensburg ist im Mai ein Asylbewerber (24) aus Eritrea getötet worden. Zwei weitere Menschen wurden mit dem Messer verletzt, darunter eine Polizistin (22), die privat aber uniformiert im Zug mitreiste. Sie soll die tödlichen Schüsse aus ihrer Dienstwaffe abgegeben haben.

Knapp einen Monat nach dem Vorfall hat die Polizistin nun ihre Version des Tathergangs geschildert. Ihre Aussage soll im Wesentlichen die Angaben der bisherigen Zeugen bestätigen, sagte Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlman-Liebelt von der Staatsanwaltschaft Flensburg dem SH:Z. Es gäbe aber Abweichungen im Ablauf. Die Schüsse seien offenbar später gefallen als bekannt.

Angreifer stach auf Fahrgast ein

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Flensburg am Donnerstag KN-online mitteilte, sei die junge Polizistin unvermittelt von dem Asylbewerber mit einem Messer angegriffen worden. Ein anderer Fahrgast sei ihr zur Hilfe geeilt. Die Beamtin sei danach in einen anderen Waggon geeilt und habe die Zugbegleiterin aufgefordert, die Polizei zu rufen. "Sie kehrte in den Waggon, in dem sie angegriffen worden war, zurück und sah, dass der Asylbewerber und der Fahrgast miteinander rangelten", so der Justizsprecher. Der Angreifer habe dabei mit einem Messer auf den Fahrgast eingestochen. Der Beamtin sei nichts anderes übrig geblieben, als zur Dienstwaffe zu greifen.

Laut Staatsanwaltschaft war die Polizistin unvermittelt attackiert worden. "Auch hier war bereits ein Messer im Spiel gewesen", so der Sprecher. Das Motiv des aus Eritrea stammenden Mannes ist nach wie vor unklar. "Wir haben allerdings keinerlei Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund ausmachen können", teilte die Staatsanwaltschaft Flensburg mit.

Polizistin bat Zugbegleiter, die Polizei zu rufen

Anfang Juni schilderte Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter KN-online den Tathergang noch wie folgt: Der 24-jährige Täter griff die Polizistin an und verletzte sie offenbar mit einem Küchenmesser im Gesicht, als sie gerade den Zug verlassen wollte. Sie sei darauf zurück in den Gang gelaufen, wo sie der Täter verfolgte und erneut angriff. Ein 35-jähriger Kölner sei dazwischen gegangen und ebenfalls verletzt worden. Als der Täter im Begriff stand, weiter auf das zivile Opfer einzustechen, habe ihn die Polizistin erschossen.

Nach der Aussage der Bundespolizistin, die erst vor knapp einen halben Jahr ihre Ausbildung beendet hat, sagt die Staatsanwaltschaft jetzt: Geschossen haben soll die Beamtin, um den Helfer aus Köln zu schützen. Somit sei der Griff zur Waffe nicht reflexhaft, sondern aus der Not heraus erfolgt. Das müsse die Staatsanwaltschaft Flensburg nun prüfen.

Polizei NRW: Flüchtling war bereits auffällig

Der Flüchtling aus Eritrea war im September 2015 nach Deutschland eingereist und hatte eine befristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland. Er wohnte in Nordrhein-Westfalen.

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Recklinghausen (NRW) bestätigte KN-online, dass der 24-jährige Zuwanderer bereits polizeilich in Erscheinung getreten ist. Anfang April war der Afrikaner mit einer Eisenstange auf einen Nachbarn losgegangen und hatte ihn bedroht.

Anwohner berichtet: "Szenen wie im Krimi"

Anwohner schilderten am Tag nach dem Vorfall das, was sich vor ihrem Balkon abgespielt hat. „Solche Bilder kennt man sonst nur aus dem Krimi. Das hat mich schon ziemlich bewegt“, sagte der 74-jährige Klaus Termer gegenüber KN-online. Es habe nicht lang gedauert, bis ein Hubschrauber über dem Areal kreiste.

 

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