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Schleswig-Holstein E-Zigaretten verführen zum Rauchen
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11:33 29.11.2018
Von Heike Stüben
Die US-Firma Juul hat eine neue E-Zigarette auf den Markt gebracht. Sie kommt jetzt auch nach Deutschland. Quelle: Bloomberg
Kiel

"Jugendliche sind in den vergangenen Jahren zunehmend experimentierfreudiger geworden, was das Rauchen anbelangt. Während vor zehn Jahren so gut wie ausschließlich herkömmliche Zigaretten geraucht wurden, sind heute Shishas, E-Zigaretten und E-Shishas von großer Bedeutung", erklärt Prof. Reiner Hanewinkel vom Kieler Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord). Dort hat man das Rauchverhalten von 6900 Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren für die Krankenkasse DAK erhoben. Ergebnis: Knapp 22 Prozent der Schüler haben bereits E-Zigaretten konsumiert.

E-Zigaretten fast so verbreitet wie herkömmliche

Die E-Zigarette ist damit bereits so verbreitet wie die konventionelle Zigarette. Erfahrungen mit Shishas haben 23 Prozent – und jeder achte Schüler hat bereits alle drei Produkte genutzt. Und das, obwohl sie unter 18 Jahren verboten sind. Viele Jugendliche halten E-Zigaretten und Shishas für gesundheitlich unbedenklich.

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Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weist darauf hin, dass beide Produkte durch süße Aromastoffe eine hohe Attraktivität auf Kinder und Jugendliche ausüben und somit zu einem Eintrittstor für das Tabakrauchen und eine Nikotinabhängigkeit werden können.

Werbung wirkt gleich mehrfach

Ein weiteres Ergebnis der Kieler Studie: "Die Werbung für E-Zigaretten wirkt gleich mehrfach", sagt Hanewinkel, "wer Werbung für E-Zigaretten kennt, raucht häufiger E-Zigaretten, aber auch andere nikotinhaltige Produkte wie Shishas und herkömmliche Zigaretten." Ein hoher Werbekontakt erhöhe die Wahrscheinlichkeit, zur E-Zigarette zu greifen, um 149 Prozent. "Kinder und Jugendliche werden durch Werbung zum Rauchen verführt. Deshalb muss die Politik nun endlich ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und auch für E-Zigaretten durchsetzen", fordert Andreas Storm, Vorstandschef der DAK.

Forscher fürchtet neue E-Zigarette aus den USA

Hanewinkel wird als Sachverständiger am 10. Dezember in Berlin zu den Anträgen von Linken und Grünen auf ein Werbeverbot für Tabakerzeugnisse die Studienergebnisse des IFT-Nord vorstellen. Auch er hält ein Werbeverbot für notwendig – auch weil in Kürze in Hamburg das US-Unternehmen Juul eine Variante der E-Zigarette auf den Markt bringen will, die noch anziehender auf Jugendliche wirken könnte.

In den USA zumindest spricht die staatliche Gesundheitsbehörde bereits davon, dass das Produkt eine Epidemie ausgelöst hat. Der Marktanteil an E-Zigaretten ist demnach in kurzer Zeit von zwei auf 70 Prozent hochgeschnellt. Für Teenager sei das Produkt "das iPhone unter den E-Zigaretten".

Firma Juul macht Rauchen noch attraktiver

"Das ‚Juuling‘ ist für Teenager so attraktiv, weil die E-Zigarette aussieht wie ein schlanker, längerer USB-Stick und sich auch wie ein Stick am Laptop aufladen lässt. Zieht man dann an ihr, verdampft die enthaltene Flüssigkeit", erklärt Hanewinkel. In den USA enthielten die Sticks bis zu fünf Prozent Nikotin und hätten damit ein sehr hohes Suchtpotenzial. Selbst wenn in Deutschland eine solch hohe Nikotin-Konzentration nicht zugelassen wird, hält der Kieler Wissenschaftler das Risiko für hoch, dass das Produkt noch mehr Kinder und Jugendliche zum Nikotin-Konsum animiert. "Und dieses Risiko wird durch Werbung noch einmal erhöht."

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