Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Ein Schleswig-Holsteiner in Afrika
Nachrichten Schleswig-Holstein Ein Schleswig-Holsteiner in Afrika
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 29.11.2018
Von Heike Stüben
Anselm Pahnke im kargen Bergland von Namibia. Quelle: Anselm Pahnke
Kiel

Die Liebe zur Natur und Entdeckerdrang zeichnen sich früh bei dem Jungen ab, der als zweites von fünf Kindern in einem von den Eltern gebauten Holzhaus mit großen Garten in Elmshorn aufwächst. Mit 15 macht er seine erste Radreise und fängt an, besondere Momente mit einer Videokamera einzufangen. Nach dem Abitur absolviert er ein Soziales Jahr in Kanada, studiert dann Ozeanographie und Geophysik in Hamburg. Als er den Bachelor in der Tasche hat, löst er seine Wohnung auf und macht sich – nur mit dem allernötigsten Gepäck – mit zwei Freunden auf nach Südafrika. "

Afrika hatte immer eine besondere Faszination

Afrika hatte immer eine besondere Faszination für mich, weil auch unsere Wurzeln dort liegen. Es gab so viel, was ich mir nicht vorstellen konnte", erzählt der 28-Jährige. "Deshalb wollte ich los, um ein Gefühl für diesen Teil der Erde zu bekommen." Wie tief diese Reise in den Kontinent führen würde und dass er bald allein sein würde – das war ihm noch nicht klar.

Anderswo. Allein in Afrika - Kinotrailer. from Avalia Studios on Vimeo.

Ein Rad, ein Zelt und fünf Euro pro Tag

Klar war hingegen: Er wollte sich nur mit eigener Körperkraft auf dem Rad bewegen, sein Zelt so oft wie möglich in der Natur aufschlagen, nicht mehr als durchschnittlich fünf Euro am Tag ausgeben und lediglich das Wasser aus den Quellen vor Ort nutzen. Das Risiko nimmt er bewusst in Kauf. "Es war die einzige Möglichkeit, diesen riesigen Kontinent, die Menschen und Tiere unmittelbar zu erleben."

Zuerst einmal ist es eine körperliche Herausforderung, sich durch Schlamm- und Sandwüsten mit dem Rad vorwärts zu kämpfen, bei minus zehn Grad im Zelt zu übernachten oder sengende Sonne zu ertragen. Und immer wieder geht er ein Stück zurück, muss erfinderisch sein, um die Videokamera zu installieren, und ein Auge für den Moment haben, um die Besonderheit der Situation einzufangen. "Ich bin auch auf Bäume geklettert, habe die Kamera an langsamen Lastwagen befestigt oder mein Stativ im Wüstensturm mit Steinen befestigt", erzählt er. Und manchmal hat er die Kamera auch Menschen auf der Straße in die Hand gedrückt.

Die Gastfreundschaft ist beeindruckend

Immer wieder erlebt er großes Interesse an seinem Vorhaben und herzliche, bedingungslose Gastfreundschaft. "Diese Begegnungen machen die Reise unvergesslich. Als ich schwer an Malaria erkrankt bin, war es für die Menschen vor Ort selbstverständlich, mich aufzunehmen und zu pflegen – mitten in einem Kriegsgebiet an der Grenze zum Südsudan."

Pahnke entwickelt ein Gespür für Gefahren, kann aber nicht allen entgehen. So muss er bei nächtlichen Begegnungen mit Nilpferden und Löwen die Ruhe bewahren und Raubüberfälle von uniformierten Rangern über sich ergehen lassen. Doch die größte Herausforderung wartet am Ende auf ihn: Als er sich mit dem Rad 3000 Kilometer gegen den unerbittlichen Nordwind durch die Sahara gekämpft hat, wird er vom ägyptischen Militär verhaftet und seine Reise droht ein jähes Ende zu nehmen.

Der Film wirbt für einen offenen Blick

"Angst, Unsicherheit und Einsamkeit, irgendwann konnte ich sie annehmen", berichtet Anselm Pahnke. "Dadurch habe ich ein tiefes Vertrauen in mich selbst und eine ganz andere Art von Stärke entwickelt. Und ich habe in der Begegnung mit fremden Menschen gelernt, ihnen zu vertrauen." Der Film, den er mit einem Team anschließend aus seinen Videoaufnahmen gemacht hat, wirbt für einen offenen Blick auf die Menschen in Afrika. Natürlich gebe es Armut und vieles ließe sich verändern. "Aber bei vielem, was die Menschen dort ausleben, können wir in Europa von ihnen lernen.

Am meisten hat mich fasziniert, wie wenig die Zeit eine Rolle spielt. Die Zukunft findet in fast keiner Unterhaltung, ja nicht mal im Denken, einen gewichtigen Platz. Damit entsteht eine totale Aufmerksamkeit für die Gegenwart." Oft würden wir Europäer unsere Aufgabe darin sehen, Afrika zu helfen. Anselm Pahnke sieht das heute anders: "Die Frage ist nicht so sehr, wie wir helfen können. Sondern: Wie leben wir auf der Welt zusammen, sodass wir uns nicht gegenseitig schaden?"

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wegen eines schweren Unfalls war die A7 zwischen Neumünster-Nord und -Mitte am Mittwoch stundenlang voll gesperrt. Ein Lkw touchierte am Mittag ein Sicherungsfahrzeug und fuhr eine Böschung hinab. Der Fahrer wurde eingeklemmt. Erst gegen 23 Uhr rollte der Verkehr wieder problemlos.

Thomas Nyfeler 28.11.2018

Seit knapp 100 Tagen im Amt und „immer noch großen Respekt vor der Aufgabe“: Am Mittwoch hat sich Thomas Bauchrowitz der Presse offiziell als neuer Direktor des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein vorgestellt.

Alev Doğan 28.11.2018

Der Mann hatte im Juli im Bus auf Fahrgäste eingestochen. Aufgrund seiner psychischen Erkrankung sei er schuldunfähig, aber eine Gefahr für die Allgemeinheit, so die Staatsanwaltschaft.

 
28.11.2018