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Schleswig-Holstein Öko-Plattform soll Engpässe reduzieren
Nachrichten Schleswig-Holstein Öko-Plattform soll Engpässe reduzieren
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15:12 01.11.2018
Das Forschungsprojekt soll dafür sorgen, dass künftig weniger Windräder wegen Netzengpässen stillstehen müssen. Quelle: Ulf Dahl (Archiv)
Kiel

"2017 hätten 3000 Gigawattstunden mehr an grünem Strom aus Schleswig-Holstein im Norden genutzt werden können", sagte Matthias Boxberger, der Aufsichtsratsvorsitzende der Schleswig-Holstein Netz AG, am Donnerstag bei der Vorstellung des Forschungsprojekts Enko. Mit dieser Energiemenge hätte nach seinen Angaben die gesamte Region Kiel bis Ende 2020 versorgen werden können.

Teilnehmer melden Mehrverbrauch an

"Die Energiemenge konnte aber nicht genutzt werden, weil wir noch Zeit brauchen für den Netzausbau", sagte Boxberger. Das Forschungsprojekt soll deshalb dafür sorgen, dass künftig weniger Windräder wegen Netzengpässen stillstehen müssen und damit auch weniger Entschädigungen für deren Betreiber anfallen. Daran beteiligen sich zwölf Stromabnehmer, darunter die Stadtwerke Flensburg. Die Teilnehmer melden jeweils ihren flexiblen Mehrverbrauch für den kommenden Tag an. Zum Jahresbeginn soll der Praxistest der Öko-Plattform starten.

Projekt richtet sich an Unternehmer

Wenn sich lokale und flexible Verbraucher der regenerativen Energieerzeugung anpassen, verringern sie nicht nur Netzengpässe, sondern erhalten dafür auch günstigeren Strom, sagte Boxberger. Zunächst richtet sich das Projekt an Unternehmen, beispielsweise Betreiber von Elektro-Tankstellen. Mitmachen können schon jetzt aber auch Privathaushalte. Sie profitieren im Gegensatz zu den Teilnehmern des Forschungsprojekts aber nicht von geringeren Abgaben und Umlagen für den Ökostrom.

Räder müssen trotz Wind stillstehen

"Es ist weder klimapolitisch noch wirtschaftlich sinnvoll, den verfügbaren Strom aus erneuerbaren Energien nicht zu nutzen", sagte Martin Grundmann, Geschäftsführer von Arge Netz. Allein im Kreis Nordfriesland sind mehr als 2500 Megawatt Windkraft-Leistung installiert. Allzu oft müssen die Räder aber trotz ausreichendem Wind stillstehen. Dafür erhalten deren Betreiber Entschädigungen. Grundmann schätzt, dass bislang fünf bis zehn Prozent des benötigten Stroms flexibel gesteuert werden könnten. Mehr sei aber möglich.

Von der Bundesregierung forderten Boxberger und Grundmann mehr Tempo bei der Umsetzung der Energiewende. Wenn sich ein Stromverbraucher dem System der Erneuerbaren anpasse, müsse es sich für ihn lohnen, sagte Grundmann. "Wenn wir heute das Wasser mit Strom erhitzen, dann kostet das etwa 30 Cent je Kilowattstunde. Wenn man das mit Öl macht, sind es etwa 8 Cent je Kilowattstunde." Für Wärme genutzter Strom dürfe nicht teurer sein, wenn es Wettbewerb zwischen den Energieträgern geben soll.

Buchholz ermuntert zur Teilnahme

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz appellierte an Firmen im Norden, sich an dem Projekt zu beteiligen. "Ich sehe darin einen sehr guten Ansatz, den Energiemarkt schlanker und schlagkräftiger zu machen, um Energieengpässe zu beseitigen", sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Davon profitierte auch kleinere und mittlere Unternehmen.

Strom bleibt in der Region

Für den Grünen-Energiepolitiker Bernd Voß liegen die Vorteile auf der Hand. Stromverbraucher böten dort Lasten an, die die Netzbetreiber nutzen können, um vor Netzengpässen das Abschalten von Anlagen zu vermeiden. "Die Windräder drehen sich also weiter, speisen den Strom aber nicht ins überregionale Netz ein: Sie leiten ihn vorher an lokale Verbraucher weiter, die Wasserstoff oder Wärme produzieren oder allgemein kurzfristig ihre Leistung zum Beispiel in industriellen Anlagen steigern."

Der SPD-Wirtschaftspolitiker Thomas Hölck sagte, "alles was dazu führt, dass regenerativer Strom nutzbar gemacht werden kann, bringt die Energiewende voran". Es sei gut, dass wir immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien produzieren. "Es ist noch besser, wenn dieser dann auch bei den Verbrauchern ankommt."

Von dpa

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