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Schleswig-Holstein Herr Bock, der Wegweiser im Zahlenmeer
Nachrichten Schleswig-Holstein Herr Bock, der Wegweiser im Zahlenmeer
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21:00 11.03.2019
Von Ulrich Metschies
Spaß am Meer und an der Technik: Steffen Bock ist IT-Chef am Institut für Ostseeforschung Warnemünde.   Quelle: Dietmar Lilienthal
Warnemünde

Genauer: aus mehr aus 70 Millionen Werten verschiedenster Parameter, aus denen sich ablesen lässt, wie gut oder wie schlecht sich der Gesundheitszustand der Ostsee entwickelt hat: Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff und Strömungsdaten sowie zahlreiche chemische Parameter zu Nährstoffsituation und Schadstoffbelastung.

Kostenloser Zugang zu "Odin 2" - für jedermann

Der Datenschatz ist das Ergebnis von mehr als 900 Forschungsfahrten und anderen Messkampagnen. Und er wird ständig größer. „Da steckt viel Arbeit drin“, sagt Bock. Deshalb entschloss sich die IOW-Leitung, diesen Schatz sowohl für Ostseeexperten im In- und Ausland als auch für die allgemeine Öffentlichkeit freizugeben.

Unter Leitung von Bock und dessen Kollegin Susanne Feistel, am IOW verantwortlich für Datenmanagement- und Datenaufarbeitung, entstand „Odin 2“, ein internet-basiertes Recherche-Werkzeug, das jedem Nutzer kostenlos Zugang zu mehr als 70 Millionen Daten bietet – ohne Gefahr zu laufen, im Datenmeer die Orientierung zu verlieren. Wer sich per Mail registriert, kann nicht nur den kompletten Datensatz nutzen, sondern auch Suchergebnisse und Messreihen in seinem persönlichen Profil speichern. 

Die ältesten Daten wurden vor über 100 Jahren erfasst

1969 führten die Anrainerstaaten im Rahmen eines „Baltic Year“ zum ersten Mal Messungen entlang eines abgestimmten Stationsnetzes durch. Eine ganz schön lange Zeit – und doch lässt sich das noch toppen: Die ältesten verfügbaren Daten wurden vor über 100 Jahren erfasst und stammen von verschiedenen Pegelstationen rings um die Ostsee.

Älteste ozeanographische Einrichtung am Standort Warnemünde war der 1950 gegründete Seehydrographische Dienst der DDR. Bald nach dessen Eröffnung wurde mit „Terminfahrten“ begonnen.

Ideale Grundlage, um Langzeittrends der Ostsee zu erforschen

Auch was damals schon gemessen wurde, und wie sich die Werte im Laufe von über 60 Jahren veränderten, lässt sich bei Odin 2 recherchieren, zum Beispiel, welche Sauerstoffwerte eine Messfahrt im Jahr 1980 in unterschiedlichen Tiefen der Kieler Förde ergeben hat, und wie dieses Bild im Herbst 2018 aussah.

Nachvollziehen lässt sich somit auch, in welchen Regionen die fortschreitende Überdüngung der Ostsee am meisten Probleme bereitet. Insbesondere für die Modellierer unter den Ostseeforschern ist dieser umfangreiche Datensatz interessant, da derart lange Messreihen nicht nur eine ideale Grundlage bieten, Langzeittrends aufzuspüren, sondern auch helfen, Zukunftsszenarien auszuleuchten. 

Standardrecherchen erledigt das System Odin in Sekunden

Besonderen Wert haben Bock und sein Team auf eine intuitive Bedienoberfläche gelegt. So ist Odin (das Akronym steht für Ozeanographische Datenbankrecherche mit Interaktiver Navigation) nicht nur für Wissenschaftler ergiebig, sondern für alle, die den Zustand der Ostsee ergründen wollen – durchaus auch für Schüler, die beispielsweise ein Referat vorbereiten wollen.

In den kommenden Wochen soll noch ein Video ins Netz gestellt werden, das die Nutzung von Odin erklärt. Mit der Performance dieses Tools ist Bock zufrieden: Standard-Recherchen erledigt das System in Sekunden. So lässt sich beispielsweise blitzschnell recherchieren, wann Salzwassereinbrüche aus der Nordsee den sogenannten Todeszonen in 200 Metern Tiefe zumindest kurzzeitig Sauerstoffzufuhr gewährten. 

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