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Schleswig-Holstein Todesangst nach Kontakt mit Feuerqualle
Nachrichten Schleswig-Holstein Todesangst nach Kontakt mit Feuerqualle
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09:00 30.08.2018
Von Christian Trutschel
Feuerquallen sind momentan vermehrt in der Kieler Förde anzutreffen.  Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Strande/Aukrug

"Etwa so, als wenn mir kochendes Wasser oder Öl in etwa 20 Zentimeter Breite über die Innenseite der rechten Armbeuge gegossen würde“ - so beschreibt der 71-jährige Internist den Schmerz unmittelbar nach dem Kontakt.

Sofort stand der im Umgang mit Notfällen erfahrene Arzt auf – das Wasser reichte ihm bis zum Bauchnabel – und riss die in seiner Ellenbeuge haftenden „glasnudelartigen, rötlich gefärbten Tentakel“ herunter. Dann habe er unter der Wasseroberfläche eine vom Schirm bis zum Ende ihrer Tentakeln etwa 1,7 Meter lange Feuerqualle gesehen, die aufs 20 Meter entfernte Ufer zutrieb.

Dorthin strebte auch Laessing, denn „es hatte sich Herzrasen eingestellt und das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Da mir gleichzeitig das Bewusstsein schwand, kann ich mich nur an einen Gedanken erinnern: Du musst sofort aus dem Wasser, ohne weiteren Kontakt zu den Tentakeln, sonst gehst du lautlos unter. Danach gab es eine Erinnerungslücke. Mein Bewusstsein setzte erst wieder ein, als ich auf dem Badesteg stand und mich krampfhaft an der Eisenstange festhielt.“ Nun, in Sicherheit, registrierte er Brechreiz, konnte aber bei nachlassender Angst den Schmerz mental auf ein erträgliches Maß reduzieren, und spürte, dass sich sein Herzrasen beruhigte und er wieder ausreichend Luft bekam.

Quallen vermehren sich hier nicht

„Die Feuerquallen“, sagt Dr. Cornelia Jaspers, eine der Quallen-Expertinnen am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, „sind Mitte August in die Kieler Förde, in die westliche und südwestliche Ostsee eingedriftet worden.“ Das hänge mit Windbedingungen zusammen. „Cyanea capillata ist eine Art, die sich hier nicht vermehrt. Sie braucht einen höheren Salzgehalt, typisch für das Kattegat, Skagerrak und die Nordsee. Aber sie sind passiv driftende Organismen, und bei sinkendem Salzgehalt geht es ihnen schlecht. Oft sammeln sie sich dann, sinken zu Boden, verhaken sich im Seegras und sterben. Ihre Nesselkapseln aber bleiben aktiv, auch wenn die Quallen fast tot sind.“

Sie selbst habe vor Kurzem, beim Baden in der Strander Bucht, Verbrennungen erlitten. „Ich bin durch Seegraswiesen geschwommen, in denen sich wohl mehrere Quallen verhakt hatten. Kontakt mit Nesselzellen am ganzen Körper, das war schon eine andere Nummer als der Kontakt mit nur einer Feuerqualle.“ Es habe sich so angefühlt, „als ob man sich in eine Wiese voller Brennnesseln gelegt hätte“. Sie könne sich vorstellen, dass der Arzt, ohne das genau sehen zu können, in eine solche Ansammlung von Feuerquallen geraten sei und allergisch auf die Nesselgifte reagiert habe. „Ich gehe weiterhin jeden Tag in der Strander Bucht baden, nur bei Niedrigwasser sollte man die flacheren Seegraswiesen meiden“, so Cornelia Jaspers.

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