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Schleswig-Holstein Mann aus Eritrea war der Polizei bekannt
Nachrichten Schleswig-Holstein Mann aus Eritrea war der Polizei bekannt
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20:24 01.06.2018
Von Bastian Modrow
Nach neuen Erkenntnissen der Polizei griff der Flüchtling im Intercity erst die Polizistin an. Bislang war davon ausgegangen worden, dass die 22-Jährige einem anderen Fahrgast zur Hilfe geeilt war. Quelle: Benjamin Nolte
Flensburg

Bislang war in Ermittlerkreisen von einem anderen Tatablauf die Rede gewesen. Nach ersten Zeugenbefragungen gehen Polizei und Staatsanwaltschaft nun davon aus, dass die 22-jährige Polizeibeamtin kurz vor Eintreffen des Intercity durch den Zug zur Ausgangstür ging, "als sie von dem mutmaßlichen Täter angegriffen und mit einem Küchenmesser verletzt wurde", so Christian Kartheus von der Polizei Flensburg. Ein mitreisender 35-jähriger Mann habe die Hilferufe der Frau gehört und sei der Polizistin umgehend zur Hilfe geeilt. "Es gelang ihm, die beiden zu trennen. Dabei ging er zu Boden", sagt der Behördensprecher.

Der Kölner brach sich den Arm

Der 35-Jährige sei ebenfalls attackiert worden und habe eine schwere Stichverletzung erlitten. Bei der Auseinandersetzung soll sich der Kölner laut Polizei den Arm gebrochen haben. "Nach bisherigen Erkenntnissen zog die Polizeibeamtin ihre Dienstwaffe und schoss auf den Tatverdächtigen. Der mutmaßliche Angreifer wurde tödlich verletzt", sagt Kartheus.

Der Flüchtling aus Eritrea war im September 2015 nach Deutschland eingereist und hatte eine befristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland. Er wohnte in Nordrhein-Westfalen. Ermittlungen im persönlichen Umfeld des Getöteten haben keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund ergeben.

Polizei NRW: 24-Jähriger war bereits auffällig

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Recklinghausen (NRW) bestätigte KN-online, dass der 24-jährige Zuwanderer bereits polizeilich in Erscheinung getreten ist. Anfang April war der Afrikaner mit einer Eisenstange auf einen Nachbarn losgegangen und hatte ihn bedroht. "Wir ermitteln in der Sache noch wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung", so der Sprecher. Am 16. April hatte es in dem Mehrfamilienhaus einen Polizeieinsatz gegeben, nach dem mehrere Bewohner in Streit geraten waren. "Darüber hinaus liegen uns Kenntnisse über Vorfälle weiterer möglicher Straftaten vor, bei dem es auch um eine Bedrohung mit einem Messer geht", sagte der Recklinghausener Behördensprecher. Diese Fälle seien der Polizei bislang aber nicht angezeigt worden. Überprüfungen des Staatsschutzes zufolge, habe es bei dem Flüchtling keine Radikalisierungstendenzen gegeben.

Der Auslöser, der in Flensburg zu dem Angriff auf die Polizeibeamtin führte, ist weiterhin unbekannt. Die Polizei sucht weiter Zeugen, die Angaben zum Hergang des Geschehens oder zum Verhalten des mutmaßlichen Angreifers während der Zugfahrt machen können. Hinweise erbitten die Ermittler unter der Telefonnummer 0461/4840.

Polizeiseelsorger: Beamte brauchen Hilfe

Marc Meiritz, Polizeiseelsorger in Schleswig-Holstein und Hamburg, bezeichnet den Einsatz der Dienstwaffe gegen Menschen als „Ultima Ratio“: „In 28 Dienstjahren habe ich keinen Polizeibeamten kennengelernt, der einfach wieder zur Tagesordnung zurückkehren konnte, daher ist nach psychisch belastenden Einsätzen eine professionelle Betreuung der Kollegen unabdingbar.“ Die Polizei biete für solche Fälle in allen Bundesländern ein breitgefächertes Hilfsangebot.

Anwohner berichtet: "Szenen wie im Krimi"

Fassungslos verfolgte auch Klaus Termer vom Balkon aus, was sich 20 Meter von ihm entfernt abspielte: „Solche Bilder kennt man sonst nur aus dem Krimi. Das hat mich schon ziemlich bewegt“, berichtet der 74-Jährige. Es habe nicht lang gedauert, bis ein Hubschrauber über dem Areal kreiste.

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