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Schleswig-Holstein "Kein Schulgeld in Gesundheitsberufen"
Nachrichten Schleswig-Holstein "Kein Schulgeld in Gesundheitsberufen"
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10:40 01.11.2018
Von Heike Stüben
Sol Mette Drawert und Olav Gerlach Sol haben die Protestaktion für den sofortigen Stopp des Schulgeldes organisiert. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung die Schulgeldfreiheit bereits verankert. Doch die Umsetzung zieht sich hin. „Eigentlich liegt die Entscheidung ohnehin bei den Ländern“, erklärt Sol Mette Drawert, „andere Bundesländer haben das Schulgeld deshalb schon abgeschafft oder bezuschussen es – Nordrhein-Westfalen zum Beispiel mit 70 Prozent“. Die 20-jährige angehende Ergotherapeutin ärgert sich seit längerem über diese Ungerechtigkeit zwischen den Ländern. Deshalb hat sie sich der bundesweiten Aktion „Therapeuten am Limit“ angeschlossen und die Protestaktion in Kiel mit initiiert.

350 bis 400 Euro Schulgeld im Monat

 „Wer kein Schüler-Bafög bekommt, muss meist nicht nur das Schulgeld von monatlich 350 bis 400 Euro finanzieren, sondern auch Wohnen und Lebenshaltung. Es gibt ja keine Ausbildungsvergütung, obwohl auch wir in den Praktika Arbeit leisten. Stattdessen wird auch für diese Zeit wie für andere Unterrichtsfreie Zeiten weiter das Schulgeld fällig.“

Interessenten wandern ab

Die Folgen bekommen Schulen im Land inzwischen schmerzhaft zu spüren, berichtet Guido Grewe, Schulleiter der Ergotherapie-Schule in Schleswig. „Erstens wird die Gruppe der jungen Leute Anfang 20 insgesamt geringer, die Konkurrenz um Schüler und Azubis härter. Das Hauptproblem ist aber das Schulgeld: Das schreckt selbst die ab, die großes Interesse an einem Heilmittelerbringer-Beruf haben.“ Sie würden entweder in Bundesländer ohne Schulgeld oder in Berufe mit besseren Bedingungen abwandern.

Mehr als 500 Schulplätze sind unbesetzt

Die aktuelle Statistik bestätigt das. Danach sind allein in Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie vom Land 1874 Schulplätze genehmigt worden. Die Schulen bieten davon ohnehin nur noch 1335 Plätze an. Belegt sind in diesem Schuljahr aber nur 806. Guido Grewe bestätigt das: „Schulen in Schleswig-Holstein bekommen zunehmend nicht mehr genügend Schüler zusammen. Das ist durchaus existenzbedrohend für die Schulen. Mehrere Jahre auf eine bundesgesetzliche Regelung zu warten – das würden etliche Schulen nicht mehr durchhalten.“

Lange Wartezeiten für Patienten

Auch immer mehr Patienten leiden unter den Folgen, betont Olav Gerlach, 47-jähriger Physiotherapeut. „Uns fehlen dringend Nachwuchskräfte. Wer zahlt denn schon bis zu 20000 Euro, um nachher als Physiotherapeut im Schnitt 2200 Euro brutto zu verdienen? Die Gehaltsstruktur forciert den Fachkräftemangel in unseren Berufen zusätzlich.“ Folge: Patienten müssten vier bis sechs Wochen auf einen Therapieplatz warten. „Wir konnten in den vergangenen drei Monaten nur zwei neue Patienten aufnehmen, weil unsere Kapazitäten erschöpft sind. Und Hausbesuche, die für immobile Patienten enorm wichtig sind, können zum Teil gar nicht mehr stattfinden.“

Thema im Sozialausschuss

Nach der Protestaktion am 1. November um 8.45 Uhr vor dem Kieler Landeshaus, wird sich der Sozialausschuss des Landtages ausführlich mit dem Thema Schulgeldfreiheit beschäftigen. „Das ist ein Fortschritt“, sagt Sol Mette Drawert, „bisher hatten wir den Eindruck, die Landesregierung hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt.“

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