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Schleswig-Holstein Prozess um Geiselnahme beginnt
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14:20 04.11.2015
Knapp ein Jahr nach einer Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck-Lauerhof beginnt am Mittwoch der Prozess gegen die vier mutmaßlichen Geiselnehmer. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Lübeck

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch am Landgericht Lübeck der Prozess um eine Geiselnahme in der Lübecker Justizvollzugsanstalt (JVA) Lauerhof begonnen. Die vier Angeklagten sollen am Heiligabend 2014 einen Justizvollzugsbeamten überwältigt haben, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. Der Fluchtversuch wurde jedoch vereitelt.

Der Ausbruchversuch hat auch politisch hohe Wellen geschlagen. Die damalige Anstaltsleiterin musste ihren Posten räumen, weil sie Polizei und Staatsanwaltschaft erst einen Tag später von den Vorfall unterrichtet hatte. Auch Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) geriet unter Druck, weil sie sich zunächst schützend vor die Anstaltsleiterin gestellt hatte.

Justizbeamte in Schutzwesten bestimmten das Bild im Verhandlungssaal. Alle Zuschauer wurden vor Betreten des Saales durchsucht, so dass der Prozess erst mit rund 30 Minuten Verspätung begann. Der Vorsitzende Kai Schröder begründete das mit erhöhter Fluchtgefahr. „Ich kann die Sicherheitskräfte abziehen, aber dann werde ich Fußfesseln anordnen“, sagt Schröder, als eine Verteidigerin sich über die Beamten beschwert, die über ihre Schulter auf den Bildschirm ihres Laptops schauen könnten.

Unter den Angeklagten ist auch ein mutmaßliches Mitglied einer Bande, gegen die am Dienstag im Schleswig ein Prozess um mehrere Überfälle auf Juweliere und Pfandleiher in ganz Deutschland begonnen hat. Wegen der möglichen Beteiligung an diesen Taten saß der 37-Jährige Weihnachten 2014 in Lübeck in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft wirft den heute zwischen 23 und 51 Jahre alten Männern gemeinschaftliche Geiselnahme, gemeinschaftliche schwere Körperverletzung, Nötigung und versuchte Gefangenenmeuterei vor. Sie sollen einen Justizvollzugsbeamten mit einem vorgetäuschten epileptischen Anfall in ihre Zelle gelockt, ihn überwältigt und mit einem Messer bedroht haben, heißt es in der Anklageschrift. „Dadurch wollten sie ihr Opfer zwingen, ihnen zur Flucht aus dem Gefängnis zu verhelfen“, sagte Staatsanwalt Martin Peterlein.

Am Mittwoch, den ersten von insgesamt 17 Verhandlungstagen wurde zunächst nur die Anklage verlesen, weil Akten nicht rechtzeitig bei den Verteidigern eingegangen sind. Die ursprünglich geplante Befragung des Opfers wurde auf den nächsten Verhandlungstag verschoben. Auch die Angeklagten wollen sich nach Angaben ihrer Verteidiger erst an den nächsten Verhandlungstagen zu den Vorwürfen äußern.

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