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Schleswig-Holstein Widersprüchliche Aussagen vor Gericht
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19:57 25.06.2018
Das Landgericht Karlsruhe beschäftigt ein Missbrauchsprozess mit Tötungsfantasien.   Quelle: Uli Deck/dpa
Kiel/Karlsruhe

Im Missbrauchsprozess gegen einen Mann aus Schleswig-Holstein gibt es unterschiedliche Aussagen zu den angeblichen Tötungsfantasien des Angeklagten. Vor dem Karlsruher Landgericht muss sich im Zusammenhang mit dem Fall des schwer missbrauchten Neunjährigen aus Staufen ein einschlägig vorbestrafter 44-Jähriger verantworten. Der Mann soll den 39 Jahre alten Partner der Mutter des Jungen gefragt haben, ob er das Kind vergewaltigen und dann töten könne (Az.: 1 Ks 260 Js 37672/17).

Der 39-Jährige, der als Hauptverdächtiger im Freiburger Missbrauchsfall selbst vor Gericht steht, sagte am Montag in Karlsruhe als Zeuge aus. In den Chat-Unterhaltungen mit dem Mann sei es zunächst um dessen sexuelle Vorlieben gegangen. Irgendwann habe der 44-Jährige gefragt, ob er sich vorstellen könnte, den Jungen nach dem Missbrauch zu töten. «Ich war natürlich geschockt», sagte er.

Chat-Partner schlug vor, Kind zu entführen

Anfangs habe er das Ansinnen nicht ernst genommen. Als er abgelehnt habe, habe sein Chat-Partner vorgeschlagen, sich bei Frankfurt zu treffen, irgendein Kind zu entführen und zu missbrauchen und es danach mit dem Messer zu töten. Von «Aufschlitzen» sei die Rede gewesen.

Der Vorsitzende Richter hielt dem 39-Jährigen wiederum die Aussage des Schleswig-Holsteiners vor, die dieser in nicht öffentlicher Sitzung gemacht hatte: Demnach habe der Freund der Mutter bei den Tötungsgedanken mitgemacht. Auch sei das Wort «Aufschlitzen» nicht von ihm, dem 44-Jährigen, gekommen. Der aus Freiburg geladene Zeuge stritt dies ab. Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, warum er dann auf die Tötungsgedanken eingegangen sei, meinte er: «Ich war natürlich selber neugierig, wie weit er sich das vorstellt.»

„Geiler Daddy“ war verdeckter Ermittler

Im Freiburger Missbrauchsfall gibt es insgesamt acht Verdächtige. Angeklagt sind Taten zwischen Mai 2015 bis Ende August 2017. Die Mutter und ihr Partner stehen als Hauptverdächtige in Freiburg vor Gericht. Die beiden sollen den heute Neunjährigen mehr als zwei Jahre missbraucht und über das sogenannte Darknet anderen Männern angeboten haben.

Weil der Schleswig-Holsteiner deren Festnahme nicht mitbekam, tappte er beim erneuten Kontaktversuch im vergangenen Herbst in eine Falle der Polizei: Ein verdeckter Ermittler gab sich als Freund der Mutter aus. Unter dessen Decknamen «geiler Daddy» lockte er den 44-Jährigen nach Karlsruhe.

Beim Treffen in einem Schnellrestaurant im Hauptbahnhof Karlsruhe hatte er 500 Euro und die Utensilien für die geplante Vergewaltigung des Jungen dabei: zwei Paar Handschellen, fünf Zentimeter breites Panzer-Klebeband zum Knebeln und einen Lappen sowie einen Liter Gleitgel.

Sicherungsverwahrung ist denkbar

Die Staatsanwaltschaft hat den 44-Jährigen wegen Sichbereiterklärens zum Mord, zum sexuellen Missbrauch von Kindern und zur Vergewaltigung sowie wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften angeklagt. Da er schon zweimal einschlägig verurteilt wurde und seinen kindlichen Opfern schweren Schaden zugefügt habe, zieht sie eine Sicherungsverwahrung in Betracht.

Das Landgericht Karlsruhe wird voraussichtlich an diesem Freitag sein Urteil sprechen. Der Angeklagte hat in dem Prozess nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Auch die Plädoyers am Freitag sind nicht öffentlich.

Von dpa

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