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Schleswig-Holstein Jeder vierte junge Erwachsene betroffen
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22:08 26.06.2018
Von Christian Trutschel
Viele junge Leute im Norden sind depressiv.  Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Kiel

In Schleswig-Holstein leiden mehr als ein Viertel der 18- bis 25-Jährigen, etwa 69300 junge Erwachsene, an einer diagnostizierten psychischen Störung. Das sind, um demografische Effekte bereinigt und hochgerechnet, die aktuellen Daten einer der größten Krankenversicherungen im Lande.

Ob Depressionen oder durch Alkohol und durch Cannabionide verursachte Störungen – die Diagnoseraten in Schleswig-Holstein liegen laut Barmer-„Arztreport 2018“ über dem Bundesdurchschnitt, nur bei Zwangs- und bei somatoformen Störungen darunter. Am stärksten stieg von 2005 bis 2016 die Diagnoserate für Depressionen, um mehr als 70 Prozent, und zwar in allen Kreisen des Landes kontinuierlich, am stärksten in Neumünster, Lübeck und Kiel.

Keine Sicherheit mehr

„Die Entwicklung überrascht uns Psychologische Psychotherapeuten (PP) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) überhaupt nicht“, erklärte Heiko Borchers, PP und KJP in Kiel. Die verpflichtende Einschulung mit sechs Jahren sei ein Fehler, der sich zu anderen addiere. Es gebe keine Förderschulen mehr, Integrationsklassen seien nicht die Lösung. „Für G 8 gab es nie ein pädagogisches, nur ein Leistungskonzept. Nicht alle sind mit 18 reif genug, in einer Stadt selbstständig zu leben. Mit dem Bachelor geht es weiter, dann mit befristeten Verträgen, gehäuft bei Akademikern, falls sie nicht gerade Informatik studiert haben. Wie wollen Sie da eine Familie gründen, die auf Sicherheit baut, die es nicht mehr gibt?“

Die Barmer reagiert mit zwei unterstützenden Angeboten außerhalb der Regelversorgung, die nach Angaben der Kasse bereits von vielen genutzt werden: Pro Mind und StudiCare, zwei internetbasierte Interventionsprogramme. Für StudiCare, das seit November 2016 online ist und allen offensteht, gebe es bis heute 4312 Trainingsanmeldungen. „Es ist keine Behandlung und kein Medizinprodukt“, betonte Heiko Borchers, „diese Coaching-Programme tragen aber dazu bei, dass Betroffenen ein Licht aufgeht und sich die Zeit verkürzt, bis sie zum Therapeuten gehen.“

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