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Schleswig-Holstein Radikale Islamisten werben gezielt Jugendliche an
Nachrichten Schleswig-Holstein Radikale Islamisten werben gezielt Jugendliche an
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12:17 07.01.2017
Von Heike Stüben
Tobias Meilicke (30), Landeskoordinator für das Landesprogramm gegen religiös begründeten Extremismus Quelle: Frank Peter
Kiel

„Neben Kiel sind die Hotspots Neumünster, Lübeck und der Hamburger Rand“, erklärt der Landeskoordinator von „Provention“, dem Landesprogramm gegen religiös begründeten Extremismus.

Mit den ersten Terroranschlägen in Deutschland seien die Bürger aber stärker sensibilisiert: Eltern, Lehrer und Flüchtlingshelfer wenden sich immer häufiger an Provention.

 Bereits unter Achtklässlern kursieren in Whatsapp-Gruppen Werbevideos des IS – professionell gedrehte Filme, die unter Schlagworten wie „Germanys next Topmodel“ gezielt junge Leute auf die falsche Fährte locken. „Das Internet ist ein riesiger Tummelplatz für salafistische Umtriebe. Als junger Mensch ist es schwer, nicht irgendwann darauf zu stoßen“, sagt der Politik- und Islamwissenschaftler Meilicke. Allein bei Twitter seien 300000 Nutzerkonten wegen solcher Propaganda gelöscht worden. „Die Schüler stoßen meist zufällig auf IS-Propaganda und teilen das dann. Oft halten sie das Gezeigte nicht einmal für real.“ Medienkompetenz sei deshalb von zentraler Bedeutung, wenn man Kinder und Jugendliche gegen Salafismus immunisieren will.

 Salafisten sprechen in Schleswig-Holstein aber auch weiter direkt junge Leute und Flüchtlinge an. Eine zweistellige Zahl an Dschihadisten ist in den letzten Jahren laut Verfassungsschutz als Flüchtlinge getarnt in den Norden gekommen. Flüchtlingshelfer, denen das Verhalten einzelner Menschen verdächtig vorkam, haben sich 2016 vermehrt an Provention gewendet.

 In 95 Prozent der Fälle habe sich der Verdacht jedoch als unbegründet erwiesen. Ein Teil der Anwerbestrategien ist aber erfolgreich. Mehr als 40 Fälle, in denen sich Personen in Schleswig-Holstein radikalisierten oder der salafistischen Szene angeschlossen hatten, hat das interdisziplinären Proventionsteam betreut.

 „Die Radikalisierung ist selten theologisch, zu 90 Prozent sozial motiviert“, betont Meilicke. Die meist jungen Menschen würden nach Anerkennung suchen, sich im Alltag überfordert fühlen, seien zum Teil wegen Drogen oder Diebstahl aufgefallen: „Der Salafismus gibt ihnen feste Struktur, nimmt ihnen die Verantwortung für das eigene Leben ab. Und wer sich als junge Frau ausschließlich für Kinder und Familie entscheidet, findet dafür im Salafismus Anerkennung.“

 Viele Salafisten wollen demnach ohne Missionierung nach den Buchstaben des Koran leben, andere den Gottesstaat mit legalen Mitteln durchsetzen. Von den 9000 Salafisten bundesweit werden zehn Prozent als militant eingestuft. Für Schleswig-Holstein macht der Sprecher des Innenministeriums keine Angabe zu gewaltbereiten Personen. Nur so viel: „Viele Salafisten haben ein ambivalentes Verhältnis zur Gewalt.“

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