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Schleswig-Holstein Die Ängste in der Soko "Rocker"
Nachrichten Schleswig-Holstein Die Ängste in der Soko "Rocker"
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13:09 23.02.2018
Von Bastian Modrow
Ralf Höhs war von 2014 bis zu seiner Abberufung Ende 2017 Landespolizeidirektor. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Zwei frühere Ermittler beklagen, wie mehrfach berichtet, wegen ihrer kritischen Haltung von der Soko-Leitung schikaniert und geschasst worden zu sein. Ihre Aussagen werden durch den Mobbing-Bericht auf erschreckende Weise bekräftigt.

Pastorin und Arzt: Schilderungen waren glaubwürdig

Am 30. April 2013 legten Polizeipastorin Susanne Hansen und Polizeiarzt Marcus Bolten nach intensiven Gesprächen mit Kollegen der beiden Ermittler ihren Bericht im Arbeitskreis vor. Die Schilderungen der befragten Beamten stimmten inhaltlich überein und seien glaubwürdig, schreiben Hansen und Bolten. Zusammenfassend heißt es in dem Papier, der Umgangsstil in der Soko sei „häufig nicht an sachlicher Kritik und notwendiger Problemlösung orientiert gewesen, sondern durch persönliche Angriffe“ geprägt.

Gespräche mit LKA-Vize Höhs waren "gefürchtet"

Gespräche mit dem damaligen Vize-Chef des Landeskriminalamts Ralf Höhs, der Ende 2014 zum Landespolizeidirektor ernannt wurde, seien „regelrecht gefürchtet“ worden, gaben Ermittler zu Protokoll. Wer zu Höhs zitiert wurde, sei „,seziert’, auseinander genommen, bloßgestellt und zum Teil über mehrere Stunden ,gegrillt’“ worden, heißt es wörtlich. Kollegen seien „klitschnass“ aus derartigen Gesprächen gekommen. Betroffene berichteten der Pastorin und dem Arzt, man habe sich zu solchen Terminen ein Jackett angezogen, „damit hinterher die Schweißflecke nicht zu sehen seien“. In einem Fall habe ein Vorgesetztengespräch „zu über Monate andauernden Ängsten und Panikattacken geführt“.

In der Soko „Rocker“ habe der Umgang mit Mitarbeitern keine Rolle gespielt: „Wer nicht wie ein Soldat funktionierte, sei bekämpft und ,weggemacht’ worden“, zitieren Hansen und Bolten ehemalige Kollegen der beiden versetzten Beamten. "Sich zu wehren, habe nicht nur nichts gebracht, sondern habe direkt zu persönlichen Nachteilen geführt. Die Betreffenden wären umgehend entsorgt worden. Konkret äußerte jemand, er habe erst begriffen, wie der NS-Staat funktioniert habe, seit er diesen Führungsstil erlebt habe“, fassen Hansen und Bolten zusammen.

Offen ist, ob Minister Breitner den Mobbing-Bericht kannte

Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) hat den Landespolizeidirektor Höhs Ende 2017 seines Postens enthoben. Im Untersuchungsausschuss soll nun unter anderem geklärt werden, ob der Mobbing-Bericht dem von 2012 bis 2014 amtierenden Minister Andreas Breitner (SPD) bekannt war.

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