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Schleswig-Holstein Ex-Ermittler packt aus
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16:09 28.01.2019
Von Bastian Modrow
Am Montag hat der Untersuchungsausschuss zur Rocker Affäre unter Leitung von Claus-Christian Claussen (CDU, rechts) mit der Befragung des ersten Zeugen begonnen. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Der Ausschuss will mögliche Missstände in der Polizei aufklären im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Rockerkriminalität in früheren Jahren. Der Ausschuss geht Vorwürfen der Aktenmanipulation, der Unterdrückung von Beweismitteln, des Drucks "von oben" bei der Polizei und des fortgesetzten Mobbings nach.

Axel R., der heute bei der Kriminalpolizei in Pinneberg tätig ist, sagte: "Viele Dinge liefen damals relativ schleppend". Die Leitung der Sonderkommission «Rocker» habe relativ wenig Interesse am Fortgang gezeigt. "Ich hätte ein gesteigertes Interesse erwartet, zumal die Sonderkommission ja gegründet worden war, um die Rockerkriminalität einzudämmen und die Bevölkerung zu schützen."

Ausgangspunkt war die polizeiliche Aufarbeitung einer Messerstecherei in einem Schnellrestaurant in Neumünster im Jahr 2010 (sogenanntes Subway-Verfahren). Damals hatten Mitglieder der «Bandidos» Rocker der «Red Devils» angegriffen und zwei Männer schwer verletzt.

Vertrauliche Dokumente in Rocker-Auto

Schon während der Ermittlungen seien Axel R. mehrere Dinge innerhalb der Soko Rocker merkwürdig vorgekommen. So hätten sein Kollege Martin H. und er im Zuge der Subway-Untersuchungen bei der Durchsuchung eines beschlagnahmten Rocker-Fahrzeugs polizeiinterne persönliche Unterlagen gefunden, an die die Bandidos nicht hätten gelangen dürfen. "Ich habe mir damals Gedanken gemacht, ob es möglicherweise ein Leck innerhalb der Polizei geben könnte. Ich habe dies auch intern thematisiert, es wurde bei Vorgesetzten allerdings ohne Interesse zur Kenntnis genommen", sagte R. Bis heute verstehe der Polizist nicht, weshalb bei der Durchsuchung des Clubhauses der Bandidos nach der Messerattacke keine Fotos gemacht worden waren.

Auch über die Umstände seiner Zwangsversetzung sprach der Kronzeuge: Nachdem ihm der V-Mann-Führer entlastende Hinweise zu zwei Beschuldigten mitgeteilt hatte, die dieser von einem Informanten gehört haben wollte, hätten die beiden Ermittler R. und H. alles daran gesetzt, diese Aussagen zu den Akten nehmen zu wollen. "Mit aller Vehemenz hat der V-Mann-Führer dies abgelehnt, auch der Leiter der Soko Rocker lehnte dies kategorisch ab", sagte Axel R. Mehr noch: "Er drohte mir mit Konsequenzen, wenn ich weiter darauf beharren würde, die Informationen zu den Akten zu nehmen." Letztlich sei der Vorgesetzte von Axel R. mit ihm zum Oberstaatsanwalt Alexander O. gegangen, um einen entsprechenden Vermerk zu übergeben.

"Ich dachte: Foltern können sie dich ja nicht"

"Ich bekam abends einen verbal aggressiven Anruf von Soko-Leiter und wurde aufgefordert, sofort zur Dienststelle zu kommen. Dort wurde ich zum damaligen LKA-Vize Höhs geführt", sagte R. Dort habe ein "Tribunal" gegen ihn stattgefunden. Zweieinhalb bis drei Stunden lang habe Höhs auf ihn eingeredet und ihm schwere Vorhaltungen gemacht. "Ich habe mir damals gesagt , Alles ist gut, Foltern können sie dich ja nicht.'"

Axel R. weiter: "Auch mein damaliger Vorgesetzter war dabei und hatte versucht, Herrn Höhs zu beruhigen. Er sagte ihm, dass er letztlich verantwortlich gewesen sei, den Vorfall der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Ich dachte zunächst, damit sei die Sache abgeschlossen, aber Herrn Höhs interessierte es nicht. Er warf mir einen Vertrauensbruch vor, obwohl ich nur auf Einhaltung des Rechtswegs gepocht hatte." Höhs habe ihn damals aufgefordert, um Versetzung zu bitten. Als Axel R. dies ablehnte, sei er in die Falschgeldstelle versetzt worden. "Es war im Nachhinein falsch gewesen, zu sagen: Sie können mich hinsetzen, wo sie möchten, so lange es nicht das Falschgelddezernat ist."

Bis zum Abend wollen die Abgeordneten den Kronzeugen befragen. In der kommenden Woche soll Martin H., der damalige Kollege von Axel R., gehört werden.

Mehr zum Thema: Umfangreiches Dossier zur Rocker-Affäre

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