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Schleswig-Holstein Mehr als zehntausend Flüchtlingshelfer
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14:25 08.12.2015
Rund 12 000 Ehrenamtler sind innerhalb der Nordkirche in der Flüchtlingshilfe aktiv, verkündete Landesbischof Gerhard Ulrich am Dienstag. Quelle: Markus Scholz/dpa (Archiv)
Hamburg

Die Nordkirche sieht in der Flüchtlingshilfe eine ihrer Kernaufgaben. „Die Sorge um die Fremden gehört für die Christenmenschen ins Zentrum ihres Glaubens und für die christlichen Kirchen ins Zentrum ihres Auftrags“, sagte Landesbischof Gerhard Ulrich am Dienstag in Hamburg. Christen seien zum Helfen verpflichtet: „Wir glauben, dass in den Schwachen, also in diesem Fall in den Flüchtlingen und den Notleidenden, in den Fremden, die in Not geraten sind, uns Gott selbst begegnet.“ Christenmenschen seien nicht frei, denen die Tür nicht zu öffnen, die um Schutz bitten.

Zurzeit engagieren sich in der Nordkirche rund 12 000 Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit. Auch 250 Hauptamtliche widmeten einen Teil ihrer Arbeitszeit dieser Aufgabe, sagte Ulrich. In Schleswig-Holstein helfen demnach 3000 bis 5000 unentgeltlich, in Hamburg 6000 bis 7000 und in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 2000. Etwa jede vierte der rund 1000 Gemeinden sei in der Flüchtlingshilfe aktiv.

Die Diakonie und ihre Mitgliedsorganisationen seien besonders in der Begleitung und Beratung von Flüchtlingen tätig, erklärte Hamburgs Landespastor Dirk Ahrens. Junge Männer seien besonders ungeduldig, wenn sie Wochen und Monate nur in ihren Unterkünften warten müssten. Die Beratung dieser Menschen sei ganz zentral. Die schleswig-holsteinische Landesregierung habe das erkannt und die Zuschüsse dafür erhöht. Das wünsche sich die Diakonie in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern auch.

Die Zusammenarbeit gerade mit den Hamburger Behörden könnte noch verbessert werden. „Wir brauchen so etwas wie einen Runden Tisch zum Thema Flüchtlinge.“ Die Aufgaben in der Flüchtlingshilfe müssten verbindlich abgesprochen werden.

Die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, Dietlind Jochims beklagte eine zunehmend flüchtlingsfeindliche Stimmung, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. „Das betrifft tatsächlich bei uns in der Nordkirche noch mehr die beiden östlichen Kirchenkreise als den Rest, mit einer Stimmung, die ablehnend, skeptisch, bis offen feindlich ist“, sagte Jochims. So sei die regionale Flüchtlingsbeauftragte in Vorpommern viel damit beschäftigt, auf Informationsveranstaltungen zu erklären, dass die Flüchtlinge keine Bedrohung seien und keine Anschläge planten.

Ahrens berichtete auch von Spannungen zwischen verschiedenen Hilfsbedürftigen. Wohnungslose hätten sich in Hamburg beklagt, dass sie ihre Winternotquartiere tagsüber auch bei Kälte verlassen müssten, während Flüchtlinge in ihren Unterkünften bleiben könnten. „Das schürt einen Sozialneid auf unterster Ebene, der extrem kontraproduktiv ist“, sagte der Landespastor.

Ulrich räumte ein, dass die Haltung der Nordkirche im Ausland zum Teil auf wenig Verständnis stößt, etwa in Polen oder auch in Ungarn. Nach seiner Ansicht sei aber Asyl ein Menschenrecht. „Das Schließen von Grenzen und die Verstärkung von Kontrollen wird die Zahl der Flüchtlinge nicht um einen einzigen verringern.“ Dringend nötig sei eine europäische Flüchtlingspolitik und eine Bekämpfung der Fluchtursachen durch mehr Entwicklungshilfe. Die Bombardierungen in Syrien und im Irak könnten den Terroristen dagegen neuen Zulauf verschaffen und noch mehr Menschen zwingen, ihre Heimat zu verlassen.

Der Bischof forderte auch eine andere Schwerpunktsetzung innerhalb der Kirche: „Wir diskutieren darüber, ob wir gleichgeschlechtlich verpartnerte Menschen im Gottesdienst segnen können — mit was für Themen beschäftigen wir uns eigentlich angesichts der Welt, die aus den Fugen gerät?“

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