Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Anlage registriert Abgassünder auf See
Nachrichten Schleswig-Holstein Anlage registriert Abgassünder auf See
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:56 05.10.2018
Ein Containerschiff fährt an der neuen Fernmessstation für Schiffsabgase in Bremerhaven vorbei. Sie erfasst die Abgase von Schiffe. Aus den Ergebnissen kann ermittelt werden, ob die Schiffe Schweröl verwenden. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam
Bremerhaven/Kiel

Diesel lässt Herzen von Umweltschützern höher schlagen - zumindest in der Seeschifffahrt. Hier heißt der „Buhmann“ Schweröl. Im Kampf gegen Abgassünder ist am Freitag in Bremerhaven eine neue Messstation ans Netz gegangen. Die Anlage misst Schadstoffe in den Rauchfahnen vorbeifahrender Schiffe.

Daraus kann laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) abgeleitet werden, mit welchem Kraftstoff die Schiffe fahren. Wird der Grenzwert für Schwefel überschritten, deute das auf Schweröl im Tank. Dann nimmt die Wasserschutzpolizei die Verfolgung auf.

Schweröl-Messstation in Bremerhaven, Kiel und Hamburg

An deutschen Häfen stehen drei Messanlagen: Außer in Bremerhaven auch in Hamburg und Kiel. Je dreckiger ein Kraftstoff, desto mehr Schwefel ist drin, sagt der Umweltverband Nabu. Schweröl enthält 3500 Mal so viel Schwefel wie Diesel für Autos. Im Hamburger Hafen sei in Sachen Schwefel alles im grünen Bereich, gibt das BSH an: Dort hielten 99 Prozent der Schiffe die Grenzwerte ein.

Das dürfte Sie auch interessieren:
Multimedia-Dossier "Dicke Schiffe, dicke Luft?"

Der Nabu kritisiert, dass das Schweröl-Verbot nur an den Häfen kontrolliert werde. „Die große Unbekannte bleibt: was passiert auf See?“, betont Daniel Rieger vom Nabu in Berlin. „Das erfassen die stationären Anlagen nicht.“

Nabu: Niemand überprüft Schiffe auf hoher See

Auf offener See prüft laut Rieger aber niemand, welchen Treibstoff die Schiffe verfeuern. Schweröl sei wirtschaftlich verlockend. Es koste viel weniger als der umweltfreundlichere Marinediesel. Wenn Reedereien ihre Schiffe mit Schweröl fahren lassen statt mit Diesel, sparen sie Rieger zufolge oft mehrere hunderttausend Euro pro Fahrt. Schweröl gilt als Abfallprodukt von Raffinerien und verseucht bei Havarien die Meere.

Der Nabu schätzt, dass 13 Prozent der Schiffe in Nord- und Ostsee trotzdem mit Schweröl fahren. Der Umweltverband bezieht sich auf eine Studie der Technischen Universität Göteborg. Forscher hatten die Abgasfahnen der Schiffe von einem Flugzeug aus gemessen und aus den Daten den an Bord verwendeten Treibstoff abgeleitet.

Strengere Grenzwerte auf der Nord- und Ostsee

Seit 2015 gelten auf Nord- und Ostsee strengere Grenzwerte für den Schwefelanteil in Schiffsabgasen. Ab 2020 sollen die Grenzwerte auf allen Meeren verschärft werden. Um die auch auf See kontrollieren zu können, plane das BSH eine mobile Abgasmessung in Nord- und Ostsee, erklärte Andreas Weigelt von der Schiffsbehörde. Ein Forschungsschiff solle während der Fahrt die Rauchfahnen von Schiffen messen.

„Mobile Messung ist in jedem Fall besser als stationäre“, findet Rieger. Doch selbst dann fehle es an flächendeckender Kontrolle. Seiner Einschätzung nach ist die einfachste Lösung eine sogenannte On-Board-Control. Jedes Schiff hätte ein Messgerät an Deck. Damit hätten alle Reeder die gleichen Wettbewerbschancen und der Steuerzahler müsste nicht zahlen.

Hier sehen Sie Bilder von der Messstation im Einsatz gegen Abgassünder auf Nordsee.

Von dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Sankt Peter-Ording ist am Freitag ein Wal-Kadaver angeschwemmt worden. Strand-Besucher sind am Morgen gebeten worden, Abstand zu dem Tier zu halten. Mittlerweile ist das tote Tier beseitigt worden. Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich um einen Zwergwal.

05.10.2018

Am Freitagmorgen hat es auf der A7 vor dem Grenzübergang Ellund einen Auffahrunfall gegeben. Laut Autobahnpolizei Schleswig/Schuby waren daran drei Fahrzeuge beteiligt. Wenig später kam es zu einer zweiten Kollision dreier Fahrzeuge unweit der ersten Unfallstelle.

05.10.2018

Herrenlose Katzen können auch in diesem Jahr wieder mit finanzieller Hilfe des Landes kastriert werden. Wie das Umweltministerium am Freitag mitteilte, ist dies in Teilen des Landes vom 15. Oktober an möglich.

05.10.2018