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Schleswig-Holstein Wie man richtig helfen kann
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20:47 11.09.2015
Von Heike Stüben
7900 Menschen haben sich „Kiel hilft Flüchtlingen“ auf Facebook inzwischen angeschlossen. Viele melden sich an, um in einer Halle in der Kieler Gärtnerstraße (Foto) mitzuhelfen und Kleiderspenden für die Flüchtlinge zu sortieren. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Rendsburg

Das Erlebnis einer Rendsburgerin ist symptomatisch. An einer Tankstelle half sie einem Flüchtling spontan als Dolmetscherin. Der Syrer erzählte von der Flucht und davon, dass seine kleine Tochter durch eine Granate die Nase verloren habe. Die Rendsburgerin, Mutter einer kleinen Tochter, wollte helfen und versprach dem Mann, ihm Kinderkleidung in die Erstaufnahmeeinrichtung zu bringen. Das tat sie auch. Doch am Eingang wurde ihr der Zugang verwehrt. „Das konnte ich nicht verstehen. Ich hatte es doch versprochen und war im Wort“, erzählt sie. Ihre erste Redaktion: „So etwas mache ich nie wieder.“

 So wie der jungen Frau geht es vielen spendenwilligen Bürgern. Doch das Personal in den Erstaufnahmeeinrichtungen bittet um Verständnis. „Erst sind wir noch jedes Mal zum Tor gelaufen, um die Ablehnung zu erklären. Auch wir finden die Hilfsbereitschaft ja toll“, sagt Ilka Hübner vom DRK, die das Container-Dorf am Nordermarksportfeld in Kiel leitet. „Doch inzwischen sind unsere Lager voll. Wir arbeiten am Limit und so leid es uns tut: Wir haben keine Zeit mehr, das immer freundlich zu erklären.“

 Auch in anderen Erstaufnahmen wird bestätigt, dass die gutgemeinten Spenden oft unerwünschte Folgen haben. Viele Flüchtlinge seien durch Not und Hunger geprägt. Sie hätten gelernt, sich erst einmal alles zu sichern, was möglich ist: Da wird dankbar ein Kinderwagen genommen, auch wenn man keine Kinder hat. Man könnte ihn ja gegen etwas anderes tauschen... In den Einrichtungen selbst sorgen die Spenden dann nicht nur für Platzprobleme, sondern auch für Neid und Streit – und oft für zusätzlichen Müll, wenn man sie beim Verlassen der Einrichtung nicht mitnehmen kann. Dann ist die gutgemeinte Spende verloren.

 „Wir brauchen eine Koordinierung, um sicherzustellen, dass die Spenden bedarfsgerecht und fair verteilt werden“, sagt Christian Müller von „Kiel hilft Flüchtlingen“. Die Initiative organisiert über Facebook Spenden, sortiert, registriert und lagert sie auf Abruf. Doch ihre Lager sind voll, man sucht dringend eine winterfeste Halle ab 1000 Quadratmeter. Bis dahin gilt: Spenden aufbewahren und bis zum nächsten Spendenaufruf warten. Auch der Kieler Sozialdezernent Gerwin Stöcken bittet: „Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Spenden noch zielgerichteter diejenigen erreichen, die auf sie angewiesen sind.“

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